«Aufgetischt»: Nahrung für Magen und Hirn

Die Testeesserin erinnert sich in der Lesbar an der Münstergasse nur noch dunkel an die ehemals ungemütliche Eingangshalle in der Universitätsbibliothek.

Hell, edel und gemütlich: die neue Café Bar in der Bibliothek an der Münstergasse.

Hell, edel und gemütlich: die neue Café Bar in der Bibliothek an der Münstergasse.

(Bild: zvg)

Es wurde Licht und eine Bar! Erinnern Sie sich noch an die ungemütliche und dunkle Eingangshalle mit Kaffeeautomaten, den unterirdischen Teppichbodenmuff in eisiger Kälte und den unberührten Hof der Bibliothek an der Münstergasse? Diese Zeiten sind vorüber, mit ihr aber auch die studentenfreundlichen Preise. Der Umbau ist nämlich abgeschlossen. Nun fällt Naturlicht ein und es ist gemütlich geworden. Von der Münstergasse kann man in den farbenfrohen Garten Richtung Herrengasse durchblicken oder sich gleich selbst in die Lesbar Café Lounge setzen.

Gemütliche, wenn auch tieflehnige, dezent dunkle Sofas laden zum Ausruhen und Lesen ein, Bartische kündigen schon den Apéro an. Die ehemalige Halle eignet sich mit der hohen, gewölbten Decke bestens für ein Restaurant dieser Art. Nebst den üblichen Tageszeitungen – Magazine fehlen leider weitgehend – gibt es an der Bar auch kulinarischen «Brainfood» – nämlich Powerriegel mit vielen Nüssen: Die sollen ja die Hirnaktivität und Konzentration fördern. Alternativ dazu gibt es auch flüssige Nahrung für die Lernenden wie etwa den «Bourbon-Cascara», ein «eiskalter Energie-Booster» aus koffeinhaltigem Tee (Fr. 5.20).

Die Testesser kommen heute zum ausgiebigen Mittagessen. An diesem Wochen-Mittag wird drinnen gerade der letzte Platz frei, die mit Blumenwiesen verzierte Terrasse ist leider zu windig. Im Angebot stehen jeden Mittag zwei grosse Menüs sowie eine Suppe und ein grösserer Salat (Fr. 12.–).

Wir beginnen mit einer cremigen Zuchettisuppe (Fr. 8.–), dazu gibt es ein Gemüsemuffin mit der Konsistenz eines Schokoladenherzens. Getrunken werden Jasmin- und Schwarztee-Eistees (Fr. 5.–/3 dl) auf einer erfrischend dominanten Teebasis, die nicht überzuckert wurde.

Weiter geht es mit einem Weisswein-Risotto mit frischen Cherry-Tomatenwürfeln (Fr. 14.–). Der Risotto hat einen guten Biss, die unersetzbare Weissweinnote und der Bouillongeschmack fehlen natürlich nicht. Der indische Linseneintopf hat eine gut abgestimmte Schärfe und ebenfalls noch etwas Biss. Der Eintopf wird serviert mit einer gehörigen Portion eingelegten Sushi-Ingwers. Das ist erst einmal eine seltsame Mischung. Zwar hat Ingwer sehr viel im Linseneintopf zu suchen, aber nicht unbedingt in dieser Form. Doch wir lassen uns gerne eines Besseren belehren, es passt zusammen. Ist hier die No-Food-Waste-Methode der Küche erkennbar? Das Essen wird nämlich von Mein Küchenchef geliefert. Das ist ein Restaurant und Lieferdienst aus Köniz, der sich dieser Philosophie verschrieben hat, betrieben von den Köchen Mirko Buri und Pierre-Yves Bernasconi. Nachhaltigkeit und Kochen von haltbaren Menüs ohne Konservierungsstoffe ist das Motto.

Auch sonst lässt sich die Transparenz der Lesbar und ihr Wille zur bewussten Produktwahl rühmen. Vom Kaffee über die mit Wasser verdünnten Fruchtsäfte von Bänz, unabhängigen und innovativen Herstellern aus der Umgebung, einem Fruchtsaftkurier (Vitaminkurier.ch) sowie Bier und Wein aus dem Kanton (und dem Casa Lusitania) bis zum Brot von nebenan und Käse aus den Kellern der Berner Käsehütte – fast alles stammt aus der unmittelbaren Umgebung. Sogar die Milch kommt aus der ältesten Molkerei in der Stadt.

Damit ist auch ein reichhaltiger Apéro möglich: Es gibt so einiges an Plättchen. Die mediterranen Zutaten bleiben nicht aus – es sind mehrheitlich portugiesische Spezialitäten. Die Testesser haben nur noch Platz für ein Blätterteigtörtchen mit Pudding, ein «Pasteis de Natas» (Fr. 3.–). Das kommt im Gewand eines zu klein geratenen Käseküchleins daher, ist aber wunderbar süss – ohne zu kleben.

Der Bund

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