Aufgetischt: Gewürze, Gewürze, Gewürze

Ein Testessen im Restaurant Kesar im Weyermannshaus, wo die Gewürze des Subkontinents schon vor der Türe zu riechen sind.

Wagemutiger Wirt: Raj Rochemuttu.

Wagemutiger Wirt: Raj Rochemuttu. Bild: Franziska Scheidegger /Archiv

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Besonders vorteilhaft ist diese Lage nicht: Der Altbau steht etwa einsam zwischen dem Cash & Carry, den Büros von Shell und anderen Zweckbauten beim Weyermannshaus. Auf der Strasse donnern Lastwagen von DPD vorbei ins nahe gelegene Depot. Und doch ist das indische Restaurant Kesar zwei Monate nach der Eröffnung gut besetzt. Das ist auch, weil der wagemutige Wirt in Bern kein Unbekannter ist: Raj Rochemuttu hat bereits das Okra in der Lorraine und das Tulsi in der Länggasse eröffnet – und sich nun an sein drittes Lokal gewagt. Seine Vorgänger hatten hier weniger Glück: Das chinesische Restaurant Asia Garden überlebte nur etwa ein Jahr lang. Zuvor wurde im Restaurant Weyermannshaus lange italienisch gekocht.

Bereits vor der Türe sind die Gewürzmischungen des Subkontinents zu riechen. Am Mittag werden im orientalisch edel eingerichteten Kesar sieben verschiedene Mittagsmenüs gekocht. Abends wählen die Gäste aus einer noch deutlich umfangreicheren Speisekarte aus. Das Angebot geht deutlich über jenes anderer indischen Restaurants hinaus. Das Restaurant verfügt über einen indischen Lehmofen (Tandoor) und kocht mit einer besonders grossen Palette von Gewürzen Zur Vorspeise bestellen wir pikante Tandoori Chicken Wings (Fr. 8.50) und Onion Baji (knusprige frittierte Zwiebelscheiben mit Minz-Joghurtsauce, Fr. 7.50). Dazu gibts Nimbu Pani, die simple indische Zitronenlimonade (Fr. 4.20) und einen «Indian Hugo», einen süffigen Apérodrink mit Ingwerlikör (Fr. 8.50).

Zuvor wurde im Weyermannshaus lange italienisch gekocht.

Beim Hauptgang sind die Testesser experimentierfreudig – was sich leider nicht vollständig gelohnt hat. Die Begleiterin hat sich für das Kerala Fish Curry (Fr. 32.50) entschieden. Eine wunderbar würzige Sauce aus Kokosmilch, Tomaten, Zwiebeln, Curryblättern, Senfkörnern und roten Chilis begleitet den Fisch. Es ist – eigentlich sehr vorbildlich – Schweizer Forelle. Doch irgendwie mag der heimische Fisch nicht zur exotischen Sauce passen. Man wünschte sich einen mit weniger Eigengeschmack und denkt sogar kurz an den gastronomisch geächteten Pangasius.

Beim Hauptgang des Testessers handelt es sich um ein veritables Stück Fusion-Küche: Das Anjeer Gosh Steak ist ein Lammnierstück, dick mariniert mit einer Paste aus Feigen, Ingwer, Knoblauch, grünem Chili, Honig und Gewürzen (Fr. 35.50). Es wurde im besagten Tandoor-Ofen niedergegart und schmeckt wunderbar. Nicht scharf, sondern intensiv und süsslich. Das innen noch rosarote Stück Fleisch wird von grünem Salat mit indisch angehauchter Sauce und von einem indischen Kartoffelpüree begleitet. Dazu gibt es Tamarinden- und Tomatensauce, die sich gut mit der Marinade des Fleisches ergänzen.

Die Experimentierfreude hat sich nicht vollständig gelohnt.

Die Fusion-Küche macht sich – leider – auch bei der Tellerdekoration bemerkbar. Der Kesar-Koch hat den Artikel «Das Auge isst mit – leider», der unlängst in dieser Zeitung erschienen ist, vermutlich nicht gelesen. Und so verziert er die Vorspeisen und auch den Lamm-Teller mit Balsamicocreme, einer Zutat, die in keiner indischen Küche steht. Beim Dessert löst die Erdbeersauce dann die Balsamicocreme als Verzierung ab. Wir sehen darüber hinweg, denn es werden zwei exzellente Süssspeisen serviert. Beide lehnen sich an den Namen des Lokals an, der auf Deutsch Safran bedeutet. Die erste ein Kulfi, das indische Pendant zum hiesigen Halbgefrorenen. Wir haben es in der Geschmacksrichtung Safran gewählt (Fr. 10.50) und geniessen die cremig-süsse und kalte Masse aus Kokosmilch und Nüssen. Beim Dessert Ras Malai handelt es sich um frische Quarkbällchen, die in einer Safran-Zucker-Sauce gekocht wurden und mit in einer Safran-Kardamom-Milch mit Pistazien und Mandeln serviert werden (Fr. 10.50). Die Bällchen selbst sind traditionell indisch verziert – mit einer hauchdünnen, essbaren Schicht Silber.

Erstellt: 27.02.2017, 07:38 Uhr

Die Rechnung, bitte

Karte: Diverse vegetarische und Fleischgerichte aus Nord- und Südindien, grosse Vorspeisen- und Dessertauswahl.

Preise: Wechselnde Mittagsmenüs Fr. 14.80 bis 19.80. Abends à la carte, Hauptgänge Fr. 23 bis 36.50.

Kundschaft: Jüngere bis ältere Städter, die für indisches Essen auch mal einen längeren Weg auf sich nehmen.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 11.30 bis 14 Uhr und 17.30 bis 23.30 Uhr, Samstag und Sonntag 17.30 bis 23.30 Uhr.

Adresse: Restaurant Kesar, Murtenstrasse 131, 3008 Bern (bei Postautohaltestelle Weyermannshaus, alternativ kurzer Spaziergang vom Europaplatz her), Tel. 031 382 30 20, www.kesar.ch.

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