«Aufgetischt»: Gazpacho aus der Bügelflasche

Herzliche Gastgeber und Desserts aus Einmachgläser: Im Restaurant Serendib lässt es sich gut essen.

Im Serendib wird mit viel Liebe gedeckt, bewirtet und gekocht.

Im Serendib wird mit viel Liebe gedeckt, bewirtet und gekocht.

(Bild: zvg)

Adrian Sulc@adriansulc

Gefühlt ist Burgdorf ja ziemlich weit von Bern entfernt. Eigentlich ist die Emmestadt aber rasch erreichbar – warum also nicht wieder einmal in den Zug steigen? Burgdorf ist ein verschlafenes Bijou mit seiner Unter- und Oberstadt und dem über allem thronenden Schloss.

Vom Bahnhof her gehen wir durch die nicht mehr ganz zeitgemäss wirkende Shoppingmeile, vorbei am Museum Franz Gertsch, werfen einen Blick aufs imposante Kornhaus. An einer der schönsten Ecken der unteren Altstadt steht das Restaurant Serendib, das seit zwei Monaten unter neuer Führung steht.

Wir haben reserviert und so steht in der heimeligen, aber hellen Gaststube auf unserem Tisch bereits ein Amuse-Bouche bereit: würzig marinierte und geröstete Cashewnüsse, hausgemachtes, kompaktes Brot, dazu Olivenöl, Fleur de Sel und Oliven. Unüblich, aber passend zum unkomplizierten Stil der Gastgeberin, liegen auch bereits die Speisekarten auf dem Tisch. Die Frau heisst Tabea Belser, eine junge Bernerin, in der Küche steht ihr Partner, der Deutsche Manuel Hölterhoff. Sie werden unterstützt vom Koch Irupakaran Vellupillai, der bereits länger im Serendib arbeitet. Der frühere Wirt stammt ebenfalls aus Sri Lanka, weshalb das Serendib (persisch für Sri Lanka) zu seinem Namen kam.

Heute dominieren auf der Karte mediterrane Gerichte, ergänzt von drei Curry-Spezialitäten. Zur Vorspeise bestellen wir die Gazpacho verde mit Crostini (Fr. 12.50). Serviert wird uns zuerst ein fast leerer Suppenteller mit einem Häufchen fein gehackter Gurke. Zuletzt folgt eine kleine Bügelflasche mit der eigentlichen Gazpacho, die man sich selbst eingiessen darf. Wir mögen solche Spielereien, bedauern jedoch, dass die Gurke nicht ganz geschält wurde, was der Gazpacho einen bitteren Nachgeschmack verleiht. Das reich mit Antipasti-Gemüse belegte Crostini bringt unsere Geschmacksknospen glücklicherweise wieder auf einen süsslicheren Pfad.

Gleich zu Beginn hatte die herzliche Gastgeberin entschuldigend erwähnt, sie habe für den Abend keine Service-Aushilfe gefunden, weshalb es etwas länger dauern könne. Kein Problem, so nippen wir bereits am empfohlenen Wein, dem Rosignol des italienischen Winzers Pietro Zardini, der uns zu Recht als Zwilling des Amarone angepriesen wurde (Fr. 8.50/dl). Es wird grosszügig eingeschenkt, was wir natürlich schätzen.

Der Hauptgang des Testessers überzeugt auf ganzer Linie: Das Kalbsplätzli an Pfifferlingsrahmsauce mit Weissweinrisotto und Grillgemüse ist seine 49 Franken wert. Das Fleisch zart, die Sauce kräftig, die Eierschwämmli bissfest, der Risotto sämig. Gemäss Speisekarte wurde der dafür verwendete Auarello-Reis im Piemont nachhaltig angebaut und nach der Ernte ganze sieben Jahre lang gelagert, was zu einem «einmaligen Geschmackserlebnis» führe. Die Story ist gut und der Risotto ausgezeichnet. Die Begleiterin lobt die hausgemachten Tagliatelle an frischer Tomatensauce (Fr. 25.–), kritisiert aber, dass das als Beilage angekündigte Grillgemüse nur aus Peperoni besteht.

Man habe noch keine zufriedenstellende Glacemaschine gefunden, weshalb es keine Glace zum Dessert gebe, erklärt die Wirtin, nur um dann diverse hausgemachte Dessert-Leckereien aufzuzählen. Wir entscheiden uns für das Kirschen-Tiramisu und die Panna cotta mit Mirabellen (je Fr. 8.–). Beide sind im kleinen Einmachglas angerichtet und schmecken so gut, wie sie aussehen. Gut genährt, aber nicht überessen, machen wir einen Spaziergang über den Schlosshügel und wieder zurück zum Bahnhof.

Der Bund

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