Aufgetischt: Ein indisches «Grüessech»

Indisch Essen

Schwierig zu finden, einfach zu mögen: Das Restaurant Vanakkam bietet schmackhafte indische Gerichte.

Das indische Restaurant Vanakkam liegt versteckt am Sulgenauweg.

Das indische Restaurant Vanakkam liegt versteckt am Sulgenauweg.

Adrian Sulc@adriansulc

An einer zu hohen Miete dürfte das Lokal nicht scheitern. Das indisch-ayurvedische Restaurant Vanakkam befindet sich Tiefparterre eines unauffälligen Wohnblocks, etwas zurückversetzt von der Monbijoustrasse. Wenn es warm ist, erkennen Besucher den Standort an den kleinen Aussentischen - bei schlechtem Wetter muss man sich als erstmaliger Gast etwas genauer umschauen. Früher befand sich hier das sardische Restaurant Zente.

Das Innere des Lokals präsentiert sich auch an grauen Tagen angenehm warm, sind die Wände doch gelb und rot gestrichen. Eine - noch erträgliche - Anzahl von Dekorationsgegenständen verleiht dem Raum indisches Flair. Die Bestellung geht mittags rasch vonstatten, da sich die Auswahl auf Buffet mit Ingwerwasser oder Buffet mit Rosenwasser beschränkt. Für 18.50 Franken dürfen sich die Gäste dann einen Teller am reichhaltigen Buffet füllen, wie der freundliche tamilische Wirt erklärt, der das Lokal mit seiner Frau führt.

Das Glas Ingwerwasser serviert er sofort - das Getränk ist scharf und regt den Appetit an. Am Buffet erwarten die Gäste nicht weniger als fünf verschiedene Currys - doch auf dem Teller hat es neben dem Reis mit Müh und Not Platz für vier. Süsslich und fein ist das Fenchel-Ananas-Gericht, schmackhaft das Kartoffel-Tomaten-Curry, ausgeklügelt das Linsengericht Dal, das mit etwas Lauch verfeinert wurde. Eines der Currys ist mit Erbsen, Karotten und Poulet zubereitet, alle anderen sind vegetarisch. Zwar erlaubt die ayurvedische Küche Fleisch - doch das Menu wird um die Gewürze herum aufgebaut, nicht um das Fleisch.

Essen zu ruhiger Musik

So glauben die Gäste in den Gerichten eine erstaunliche Ausgewogenheit der verschiedenen Geschmäcker zu erkennen. Wer auf die schweren Saucen aus Nordindien oder auf das höllisch scharfe Vindaloo aus Goa schwört, wird im Vanakkam enttäuscht sein: Fettig und scharf ist das Essen nicht, sondern mild und nuanciert. Mit dem bereitstehenden hausgemachten Chili-Chutney können Gäste ihrem Mahl trotzdem noch Schärfe verleihen. Ein Höhepunkt sind die beiden anderen Chutneys aus der Vanakkam-Küche: eines mit Apfel und Mango, das andere mit Ananas und Mango.

Die obligate indische Musik ist angenehm ruhig, nicht schrill-quirlig, wie sie in Fernbussen auf dem Subkontinent Tag und Nacht dudelt. Wie es sich für einen Familienbetrieb gehört, isst der Sohn des Wirtepaars im Restaurant zu Mittag - und trägt den Teller danach selbst zurück in die Küche. Als der eigene Teller leer ist, rufen Gaumen und Magen nach mehr. Da der Mittagspreis ausdrücklich für einen Teller gilt, denkt der Gast über Strategien nach, wie der Teller das nächste Mal noch etwas besser zu füllen wäre - und verwirft sie wieder, als sich das Sättigungsgefühl dann doch einzustellen beginnt.

Für ein Dessert wäre noch Platz. Leider hält die Küche bei unserem Besuch keine Süssspeisen bereit. Der Wirt schlägt stattdessen ein Mango-Lassi vor (Fr. 4.50). Dieses enthält etwas wenig Joghurt, trägt aber dennoch das Seinige zur Sättigung bei. Da die Testesser vergessen haben, zu fragen, was Vanakkam bedeutet, spuckt die Antwort später das Internet im Büro aus. Ein unbekanntes Gewürz? Ein ayurvedisches Gebot? Oder eine Eigenkreation? Es sei eine tamilische Grussformel, wird einem im Netz beschieden. Dies passt natürlich viel besser zu einem indischen Restaurant als der Name «Grüessech», so viel ist klar.

Der Bund

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