Aufgetischt: Eben, Restaurant familial!

Schon beim Eintreten fühlen sich unsere Testesser im Restaurant Chun Hee zu Hause und wohl.

Wirtin Eve Angst, Schweizerin mit koreanischen Wurzeln, hantiert mit den Töpfen und erläutert das Essen.

Wirtin Eve Angst, Schweizerin mit koreanischen Wurzeln, hantiert mit den Töpfen und erläutert das Essen.

(Bild: zvg)

In Bern funktioniert ja eigentlich alles Gastronomische recht gut, wenn es denn nur von jemandem angeteigt wird, der genug Leute kennt. Und/oder wenn es an einem gut gelegenen Ort angeboten wird – oder weil es alte Küchenkonzepte neu umsetzt, wie zum Beispiel Burger (Kung Fu Burger), Flammkuchen (Zwöi feissi Meitli Café, Zwischennutzung Herrengasse) oder währschafte Fleischküche (Beef Steakhouse). Auch das Chun Hee, mittags eher Take Away, abends eher Restaurant, kann diese Punkte alle abhaken – das Essen ist nämlich koreanisch, der Betrieb steht an der Restaurantmeile Münstergasse. Auch scheinen die Betreiber einige Leute zu kennen. Doch der Grund, warum im Chun Hee schon nach einem Monat die Visitenkarten ausgegangen sind und der obere Stock abends gänzlich mit Gruppenreservationen ausgebucht ist, ist ein anderer, eruieren die Testesser.

Klar, der schön den Lauben nachempfundene Gastraum ist schnell voll – es hat fünf Tische und eine Bar, an der man trinken, essen und palavern kann. Auch sind keine unnötigen, asiatischen Dekoschriften, nostalgisch-verpixelten Heimatbilder oder Bonsaibäumchen zu finden. Doch das Geheimnis ist ein anderes: Hier fühlt man sich zu Hause und wohl, bevor man die Jacke ausgezogen hat. Warmer Küchenduft umfängt einen, einige grüssen. Es ist eine gemütliche Verschworenheit zu spüren – Restaurant familial eben, die Website verkündet das ganz richtig. Wirtin Eve, Schweizerin mit koreanischen Wurzeln, wie man aus Gesprächsfetzen mithört, hantiert mit den Töpfen und erläutert das Essen. Wirt Tinu (Auf der Webseite auch: Chez Eve und Chez Tinu) kümmert sich ums Flüssige. Wir beginnen mit einem Junker Bier (33cl/Fr. 5.–) und dem leichten koreanischen Reisschnaps Soju (20%, Fr. 7.–), dessen süssliche Beschaffenheit zwischen Wodka und Mandeln wir umgehend eruieren. Dazu ein Wasser. Dieses gibt es gratis für alle auf dem Tresen. Dann machen wir Bekanntschaft mit einem kleinen Plastikböxli – es ist ein Beamer aus Korea im Handtaschenformat und ein Gadget des Wirts, mit dem «probeweise» die Fussball Champions League übertragen wird. Wir sind also bestens analog und digital unterhalten. Hinzu kommen noch die leicht knusprig gerösteten und ordentlich gesalzenen Algenblätter auf dem Tisch!

Nun aber das richtige Essen – frisch zubereitet und über die Wohnküchentheke gereicht. Apropos: Die Küche im ersten Stock wird schon ausgebaut, zu gross ist die Nachfrage nach Gruppenanlässen. Aufgetischt wird uns koreanischer Speck in einer geschmacklich sehr eigenwilligen Sauce. Erdnussig, scharf und tomatig und nach Zwiebeln riechend – ungewohnt, aber gut. Dazu in separaten Schälchen: Reis, gekochte kalte Zuchetti, geraffelter roher Kohlsalat und Kimchi. Dieses ist die koreanische Standardbeilage schlechthin: eingelegter Chinakohl mit einer würzig-scharfen Sauce versehen. Der knusprig angebratene und panierte Tofu schmeckt ebenfalls wunderbar. Alles in allem also ein sehr vielfältiges Gericht für 15 Franken.

Das gemischte Plättli (ebenfalls 15 Franken) bietet dreierlei Häppchen: Jeon – kleine Omeletten –, Mandu – ausgezeichnete Teigtaschen mit Süsskartoffeln –, die schneller verschwinden, als die Testesserin teilen will und Kimbap – Reisrollen wie vegetarisches Sushi –, die ihre Vielfalt je nach Saucenkombination ordentlich variieren. Denn alles kommt in Begleitung von süss-saurer und Sojasauce. Zum Dessert dann ein lustig gummiges Azuki (Reiscake) und ein Kaffee (4.40 Franken). Die europäischen Desserts probieren wir das nächste Mal, wenn wir zurückkommen, um zu schauen, was es alles Neues gibt zu Hause.

Weitere Aufgetischt-Folgen auf www.aufgetischt.derbund.ch

Der Bund

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