Aufgetischt: Die Sugar-Rush-Garantie

Im Café Wonder Waffel in Bern ist jeder Gast seines Glückes Schmied.

Nicht nur die Gerichte im Wonder Waffel sind zuckersüss.

Nicht nur die Gerichte im Wonder Waffel sind zuckersüss. Bild: Mischa Stünzi

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Sie haben Ihrem Kind etwas zu viel Ritalin verabreicht? Und jetzt liegt es nur noch lethargisch auf dem Kanapee? Dann bringen Sie es zu Wonder Waffel, dem Lokal mit Sugar-Rush-Garantie. Denn hier ist nicht nur alles auf der Karte zuckersüss. Auch das Lokal selber sieht aus, als entstamme es dem Spritzsack eines Zuckerbäckers: Das Interieur ist überwiegend in Pink und Türkis gehalten. Plüschige Stühle stehen an kleinen Bistrotischchen, an den Wänden hängen popartige Plakate, und von der Decke baumeln silberne Retro-Lampen.

Kitschiger geht kaum. Entwickelt wurde das Ladenkonzept in Berlin, wo die Kette vier Niederlassungen hat – in ganz Deutschland sind es derzeit über 30. Den Jungen scheint es zu gefallen. Zumindest überwiegen an diesem Nachmittag die Teenager im erstaunlich gut frequentierten Lokal. Die beiden grauhaarigen Herren, die sich hier einen Kaffee gönnen, ziehen den Altersdurchschnitt merklich nach oben.

Der Name des Cafés verrät seine Spezialität: Waffeln. Und zwar solche zum selber kreieren. Der Gast wird zum Chefkoch und bestimmt, was in seine Waffel kommt: exotische Früchte oder Beeren, Schokoladensauce oder Apfelmus, Nonpareilles oder Schokostreusel, Kekse oder Caramel, mit Extra-Eis oder ohne, oder vielleicht sogar alles zusammen. Das Schöne daran: Der Gast kann sich am Ende nicht über die Küche beschweren, wenn das Servierte geschmacklich völlig entgleist ist.

Hier ist jeder seines Glückes Schmied. Und so nimmt der Testesser das Schicksal in die Hand und ordert eine Waffel mit weisser Schokoladensauce, Mangostückchen und Kokosraspeln (Fr. 9.50). Wer ganz auf Nummer sicher gehen will, macht es wie die Begleiterin und belässt es bei einer Zutat oder wie die Junior-Testerin und bestellt ein Eis (Fr. 3.–/Kugel) – ohne Waffel dafür in der ungewöhnlichen Geschmacksrichtung Donut.

Minuten später stehen die Kreationen auf dem Tisch. Ein freudiger Anblick. Also nicht nur die Waffel, sondern vor allem, dass es der jungen Kellnerin gelungen ist, auf dem Teller den Namen des Testessers mit Schokoschrift korrekt zu schrieben – weder Michel noch Michael, weder Sascha noch Micha. Chapeau! Und dann, der Moment der Wahrheit: der erste Biss. Ja, genau so hat man sich das vorgestellt. Das Traumpaar weisse Schokolade und Kokos legen unaufgeregt die Bühne aus, auf der sich die frisch-fruchtige Mango austoben darf.

Die Waffel selber schmeckt leicht nach Marzipan und ist innen noch etwas teigig – was zwar ihrer Luftigkeit schadet, das ganze dafür saftig macht. Aussen ist sie kross, aber zu wenig karamellisiert. Und dann ist es auch schon Zeit zu gehen. Die versammelte Kinderschar ist aufgedrehter als eine Horde Banker am Freitagabend im Zürcher Kaufleuten und droht den Laden auseinanderzunehmen. Da kann die Wissenschaft noch lange behaupten, so etwas wie einen Sugar Rush gebe es gar nicht. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 19.01.2019, 09:45 Uhr

Die Rechnung, bitte

Karte: Zuckersüss: Waffeln, Milchshakes und Eis.

Preise: Die Standard-Waffel kostet mit Sauce, Früchten und Streuseln 9.50 – gewisse Extras wie Kekse und Beeren kosten einen Aufpreis –, den kleinen Milchshake gibts für 6.50 und eine Kugel Glacé für 3 Franken.

Kundschaft: Das Lokal scheint vor allem bei Teenagern beliebt zu sein. An diesem Nachmittag wenigstens sind vor allem junge Gäste im überraschend gut besuchten Café.

Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag 10 bis 21 Uhr, Freitag 10 bis 22 Uhr, Samstag 10 bis 23 Uhr, Sonntag 10 bis 20 Uhr.

Adresse: Wonder Waffel,

Laupenstrasse 18a, 3008 Bern,

Tel. 078 405 96 89,

www.wonderwaffel.ch

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