«Aufgetischt»: Die Aare fliesst am Tessin vorbei

Das Grottino by Metzgerstübli ist Berns kulinarische Sonnenstube.

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Gesehen haben es sicher schon die meisten. Wer in Richtung Tierpark Dählhölzli spaziert, sieht die Bocciabahn und das Häuschen am Aare-Uferweg. Ein Grottino gab es hier schon früher. Ein früherer «Bund»-Testesser kam damals zum - sehr kurz zusammengefassten - Verdikt: Man könnte mehr draus machen. Das ist inzwischen passiert. Das offene Lokal wurde gereinigt, entschlackt, renoviert und mit gepflegtem Mobiliar versehen.

Das Grottino trägt nun die Zusatzbezeichnung «by Metzgerstübli», wie es berühmte Köche tun, wenn sie eine Filiale betreiben (lassen), in der ihr kulinarischer Stil gepflegt wird. Das mit 13 «Gault Millau»-Punkten geadelte Altstadtrestaurant transferiert aber nicht sein Repertoire ans Aareufer, sondern fokussiert sich ganz auf Tessiner Spezialitäten. Risotto ist Trumpf. Es gibt ihn etwa mit Formaggini (Fr. 24.50), mit Gamberoni (Fr. 33.50) oder mit eingelegtem Gemüse (Fr. 23.50).

Der Testesser lässt sich als Aperitif einen Rinquinquin servieren, für dessen korrekte nasale Aussprache man sich am besten ein Klämmerchen auf die Nase setzte, doch wäre es schade um den feinen Pfirsichgeruch aus der Provence. Die Begleiterin entscheidet sich für den Risotto mit den Riesencrevetten (Fr. 33.50), der Testesser bestellt die günstige Tagesmenü-Version mit Rindsragout, Dörrtomaten, Oliven und Artischocken mit grünem Salat (Fr. 19.50).

Sorgfältig und konsequent

Wir müssen etwas auf das Essen warten. Zwar hat es noch nicht so viele Gäste, doch Service und Küche müssen sich am Anfang der Saison auf die Situation in der Filiale am Fluss einstellen. Der Blick auf den wunderbar blühenden Magnolienbaum weckt Frühlingsgefühle. Diese spüren auch die Jogger, die leichtfüssig der Aare entlang rennen und die milde Luft in ihre Lungen pumpen. Dann kommt das Essen. Der helle Risotto ist sämig. Er sieht fast aus wie ein Milchreis, ist aber selbstverständlich nicht süss, sondern erhält seinen feinen Geschmack wohl durch geschmolzenen Käse. Die Gamberoni schmecken der Begleiterin. Das Rindsragout mit dem leicht säuerlichen Gout passt dem Testesser. Als kleine Reminiszenz an das Metzgerstübli sind alle Gerichte mit feinen Randensprossen verziert. Zum Menü trinken wir Tessiner Wein: Merlot - sie den weissen, er den roten (je Fr. 7.50/dl). Die weniger typische weisse Version der typischen Tessiner Rebsorte ist eher von zurückhaltender Natur, die rote ist kräftiger und mundet.

Eigentlich ruft das Büro, doch für ein kleines Dessert muss man sich einfach Zeit nehmen. Panna cotta (Fr. 9.50) wäre sicher gut, doch wir suchen das Unbekannte: Torta di Pane (Fr. 8.50), Tessiner Brotkuchen. «Es ist besser, als es tönt», sagt die Begleiterin, die mit ihrem Gäbelchen mitnascht. Tatsächlich ist der feuchte Kuchen mit eingelegten Früchten eine angenehme Überraschung. Der Besuch an diesem angenehmen Ort hat uns gefallen. Man ist sichtlich bemüht, auch neben einer Boccia-Bahn kein Campingplatz-Laisser-faire zu veranstalten, sondern das aufs Tessin fokussierte Konzept sorgfältig und konsequent durchzuziehen - als wäre man zu Hause an der Münstergasse. Wem es jetzt noch nicht sommerlich genug ist für eine offene Lokalität: Über den Stuhllehnen hängen Decken, die man sich um die Beine legen kann. Dass man bei unserem Besuch die Weine zu fakturieren vergessen hat, bewerten wir als besonders angenehme Seite der Anfangsphase. Grazie mille! (Der Bund)

Erstellt: 17.04.2017, 08:50 Uhr

Die Rechnung, bitte

Karte: Tessiner Spezialitäten wie Risotto, Käse- und Fleischplättli, Brotkuchen.Preise: Angemessen, obere Mittelklasse, schliesslich steht das Gourmet-Restaurant Metzgerstübli dahinter.

Kundschaft: Freunde des Metzgerstübli, sonnen- und frühlingshungrige Spaziergänger.

Öffnungszeiten: April bis Oktober, Mi-Sa 12-23 Uhr, So 12-18/20 Uhr (je nach Wetter).

Adresse: Grottino by Metzgerstübli, Dalmaziquai 111, 3005 Bern, Telefon: 031 351 06 03; E-Mail: grottino-bern@gmx.ch

Weitere Aufgetischt-Folgen auf www.aufgetischt.derbund.ch

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