«Aufgetischt»: Der Name ist Programm

Im Ristorante & Bar Lago in Hinterkappelen geniesst unsere Testesserin neben der Aussicht auch das authentische italienische Essen.

Nicht nur das Essen, sondern auch die Bedienung im Ristorante & Bar Lago sind authentisch.

Nicht nur das Essen, sondern auch die Bedienung im Ristorante & Bar Lago sind authentisch. Bild: Sophie Reinhardt

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An der Kappelenbrücke direkt am Wohlenseeufer gelegen, eröffnete im September das Ristorante Lago mit italienischem Konzept. Grund genug, einmal vorbeizuschauen. Den Testessern war in der Stadt bereits das Gespött zu Ohren gekommen, dass die Sportgastro AG, die Schwestergesellschaft der SCB-Eishockey AG, sich nun in der Agglomeration näher beim SCB-Publikum niederlasse. Doch der Spott ist unnötig, wie wir im Verlaufe des Abends herausfinden werden. Im modernen Lokal wird gehobene italienische Esskultur geboten – weitab vom Eishockey-Stadion-Groove. Bis wir Städter mit dem Postauto in Hinterkappelen angekommen sind, haben sich leider die Gewitterwolken aufgetürmt. Wir setzen uns ins Innere des Restaurants und nicht auf die einladende Terrasse. Doch auch von unserem Tisch aus geniesst man einen schönen Blick auf den Aareflusslauf und den anliegenden Wald.

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Zudem sieht man direkt auf die von der BKW gebaute Kappelenbrücke; der durch die Anlage des Kraftwerks Mühleberg aufgestaute Wohlensee hatte die alte Brücke etwas weiter oben unbenutzbar gemacht. Der breite Hauptbogen der neuen Brücke markiert den ehemaligen Lauf der Aare. Am Rande sei noch bemerkt, dass die Stadt Bern gleich unterhalb der Kappelenbrücke selber ein Stauwehr errichten wollte, was jedoch durch die Stauung des Sees weiter unten verunmöglicht wurde. Jahrelang stand bei der Kappelenbrücke das gleichnamige Fischrestaurant, jetzt steht an der Stelle in einem Neubau das Lago.

Die Bedienung bringt sofort die Speisekarte und eine charakteristische Focaccia, die man in ein kleines Schälchen mit gutem Olivenöl und italienischem Balsamico-Essig tunkt. Das modern eingerichtete Restaurant mit weissen Tischdecken wirkt gemütlich. Umgeben sind wir an diesem Abend von der schönen Hybridsprache aus Schweizerdeutsch und Italienisch, die an den beiden Nebentischen gesprochen wird. Die Begleitung, direkt aus Rom angereist, will gar nicht merken, dass sie schon wieder auf der Nordseite des Gotthards angekommen ist, so authentisch wirkt die Bedienung.

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Zur Vorspeise bestellen wir einen spritzigen Prosecco (Fr. 8.–/dl). Die Aussicht auf den See macht Lust auf Fisch, und so bestellt die Testesserin den Tintenfischsalat (Fr. 18.50) – auch wenn das Tier sicherlich nicht aus dem Wohlensee stammt. Der Salat ist reichhaltig angerichtet mit frischem Fenchel, süssen Apfel-Stückchen und Granatapfelkernen. Der auf dem Grill zubereitete Pulpo weist ein schönes Röstaroma auf. Die Begleitung wählt ein Carpaccio vom Thunfisch (Fr. 16.50), das mit knusprigem Gemüse und einem Jus mit Passionsfrucht gereicht wird. Die beiden Portionen sind üppig und vor allem mit sehr viel Sinn fürs Detail angerichtet, ja sogar mit essbaren Blumen dekoriert.

Pünktlich beim Abräumen der Vorspeise bildet sich ein dekorativer Regenbogen, genau vor den Testessern – etwa ein Gruss aus der Küche? Der Regenbogen leitet jedenfalls schön zum Hauptgang über. Die Spaghetti di mare al cartoccio (Fr. 24.50) sind Teigwaren, die in einem Päckchen aus Backpapier auf den Tisch gelangen. Die Bedienung schneidet das Aromapäckchen am Tisch auf, und hervor kommen Spaghetti mit Meeresfrüchten. Sie sind noch al dente, und mit Miesmuscheln, Venusmuscheln und Crevetten wurde nicht gespart. Leider sind die Muschelschalen teilweise schon zerbrochen. Die Begleitung bestellt die Tagliata di manzo, zu Deutsch ein Entrecôte. Es ist wunderbar rosa und zart. Dazu werden drei Saucen serviert: Rucolapesto, Parmesanmousse und Trockentomaten. Das Rucolapesto ist der Begleitung etwas zu bitter, die luftige Parmesansauce wird dafür sehr gelobt. Dazu trinken wir eine Flasche Ripasso (Fr. 54.–) aus dem norditalienischen Weinbaugebiet Valpolicella.

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Eigentlich sind wir satt vom schönen Ausblick wie auch vom Abendessen. Doch wir wollen es uns nicht entgehen lassen, auch ein Dolce zu probieren. Wir entscheiden uns für einen Klassiker. Das Tiramisù (Fr. 9.50), im Glas dargeboten und mit Erdbeeren dekoriert, entspricht geschmacklich dem Erwartbaren. Dazu gibts den typischen Zitronenlikör, der am Golf von Neapel gerne ausgeschenkt wird, aufs Haus.

(Der Bund)

Erstellt: 02.06.2018, 08:11 Uhr

Die Rechnung, bitte

Karte: Italienische Fisch- und Meeresfrüchtespezialitäten, aber auch eine breite Auswahl an Pasta-Gerichten und Pizzen.

Preise: Eher gehoben, der Qualität des Gebotenen aber entsprechend.

Kundschaft: Heimwehitaliener, Städter auf Ausflug und Hinterkappeler.

Öffnungszeiten: Dienstag–Freitag, 11–23.30 Uhr, Samstag, 9–23.30 Uhr, Sonntag: 9–22.30 Uhr, Montag geschlossen.

Adresse: Ristorante & Bar Lago, Kappelenbrücke 2 B, 3032 Hinterkappelen, Telefon: 031 909 19 00; E-Mail: info@ristorantelago.ch, Internet: www.ristorantelago.ch

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