Aufgetischt: Abgeschieden in vier Minuten

Lohnt sich die kulinarische Reise nach Frinvillier ins Restaurant des Gorges? Unsere Testesserin war vor Ort.

Das Restaurant des Gorges in Frinvillier.

Das Restaurant des Gorges in Frinvillier.

(Bild: zvg)

Mit dem Zug hat man vier Minuten nach Biel schon die ganze Taubenlochschlucht überquert: Frinvillier. Ein Waldweg führt zum Restaurant des Gorges. Das alte und weiss verputzte Gebäude aus dem 18. Jahrhundert hat den Charme eines französischen Landgasthofs oder einer älteren Unterkunft für Postboten zu Pferd. Man fühlt sich sehr willkommen hier, obwohl die Lage des Hauses auch den Wunsch nach Abgeschiedenheit ausdrücken könnte. Im Innern empfangen eine angenehme Kühle und das sympathische Inhaberpaar mit ihrer kleinen Tochter die Gäste. Koch und Wirt Juri Oppliger hat auch schon in Bern, unter anderem im Du Nord, gewirtet und sehr früh auf biologische und saisonale Küche gesetzt. Das Restaurant ist schlicht und sehr stil­sicher eingerichtet, auch auf der grossen, windgeschützten Terrasse. Farbige Lichterketten hängen in den grossen schattenspendenden Bäumen und schöne, angerostete Eisentische sind im Garten verteilt. Zeit für ein Apéro.

Die Testesser probieren vom würzigen korsischen Kastanienbier Pietra (Fr. 7.–/33cl). Beim Amuse-Bouche – ein Erbsenpüree mit frischem Chili und knackig sardischem Hirtenbrot – vertiefen wir uns in die Lektüre der Menükarte. Es gibt Speisen für den kleinen Spaziergänger- oder Anfahrerhunger, oder für den grossen Wanderhunger (vom Chasseral her sinds 5 Stunden). Zur Vorspeise gibts Blattsalat (Fr. 7.–), Apéroteller (Fr. 22.–), Shitakepilz-Sommersalat (Fr. 15.–), einen Sommersalat mit geräuchertem Felchenfilet vom Bielersee (Fr. 15.–) oder sardische Brotsuppe mit Kräutern und Knoblauch (Fr. 8.–). Der Salat mit Fisch ist mit Aprikosenschnitzen, reifen Tomaten und Gurken gespickt, und der feine Essiggehalt der Sauce passt vorzüglich dazu. Die sardische Brotsuppe schmeckt wunderbar haus­gemacht, da scheut sich der Koch nicht, so zu würzen, dass es eben nicht nach fader Grossportionenwürze schmeckt. Angebratener Brotgeschmack vermischt sich mit vielen Gewürzen, Knoblauch, Stangensellerie, Tomate und Essiggurke.

Abschliessender Fackelmarsch

Auch die Hauptgänge bedienen unterschiedliche Hungerkategorien: vom kleinen Formaggini mit Salat (Fr. 19.–), über garnierten Pouletsalat (Fr. 21.–) und Chili con Carne (Fr. 22.–) bis zum Pferdefilet (Fr. 38.–) erstreckt sich das Angebot. Wir probieren den gebratenen Tomme-Käse mit Sauce aus wilden Preiselbeeren, Lauchgemüse und Reis (Fr. 24.–), eine spannende Kombination ist es allemal, auch wenn der Testesserin für einen Hauptgang zu dominante süsse Komponenten enthalten sind. Das mit Tomaten und Mozzarella überbackene Schweinssteak ist zart und wird mit Bratkartoffeln und Peperonigemüse (Fr. 23.–) serviert. Die Weinempfehlung haben wir dankend angenommen und bereuen es nicht, den schwereren Genfer einem leichten Pinot Noir vorgezogen zu haben (je Fr. 5.–/dl).

Beim Dessert hingegen hätten wir uns besser für Crème brulée oder eine Tarte entschieden. Der Schokoladenkuchen (Fr. 8.–) kann schlecht mithalten – er dürfte feuchter sein. Leider reicht die Zeit nicht für eine Übernachtung in einem Zimmer des Des Gorges (Fr. 50.–/Nacht, inklusive Frühstück). Doch wartet noch ein weiterer Höhepunkt – eine Schluchtwanderung im Halbdunkel, mit einer vom Wirt spontan offerierten Fackel. Langsam abwärts spazierend bietet sich uns der Blick in eine rauschende und zerklüftete Wildnis, die von Autobahn-, Eisenbahn- und Fussgängerbrücken überspannt und zusammen­getackert ist – ohne dass dies ihrer Natürlichkeit Abbruch tut. Man wähnt sich in interessanter schwarz-weiss eingefärbter Abgeschiedenheit zwischen dunklen Felshöhlen und dem weiss schäumenden Fluss.

Der Bund

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