Auf dem Gaswerk wird «hochprozentig» geplant

Am dritten und letzten Workshop zur Gaswerkareal-Planung wurden drei Varianten vorgestellt – und die Knackpunkte offensichtlich.

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Auf dem Gaswerkareal sollen in den nächsten Jahren für über 100 Millionen Franken Wohnungen entstehen. Gestern präsentierte die zur Planung beauftragte Baufirma Losinger Marazzi AG drei Varianten, wie die Überbauung auf dem ehemaligen Industrieareal zwischen Marzili und Schönau-Sportplatz dereinst aussehen könnte. Die Varianten, welche die Planer explizit als «Denkmodelle» betiteln, resultierten aus zwei Workshops, an denen sich interessierte Kreise und Behördenvertreter in den letzten Monaten beteiligt hatten – gestern fand im Marziliquartier nun die letzte Partizipationsrunde statt. Am meisten Zustimmung fanden unter den rund fünfzig Teilnehmern die Varianten «Bauten im Park» und «Campus».

Bauten im Park:Der Kerngedanke dieser Variante umfasst ein Campus auf dem Areal der Ryff-Fabrik – hier kämen dereinst auch eine Schule und die 50-Meter-Schwimmhalle zustehen, welche die Stadtregierung auf dem Gaswerkareal realisieren will. Fürs Wohnen sind sechs frei stehende Baukörper im Bereich zwischen der Sandrainstrasse und dem ehemaligen Gasbahntrassee geplant – damit hätte dieses Modell den höchsten Anteil an Wohnnutzung (66%). Die Nachteile dieser Variante liegen unter anderem in der vergleichsweise grösseren Distanz zum öffentlichen Verkehr.

- Campus:Die dichteste Variante. Sie sieht nämlich vor, alle Nutzungen in das relativ enge Gebiet zwischen Ryff-Fabrik und Gaskessel zu packen – der hintere Teil des Areals würde zum grünen Erholungsgürtel werden. Die Schwimmhalle stünde unter der Monbijoubrücke gleich an der Sandrainstrasse – Richtung Aare würde sich die Schule anschliessen. In dieser Variante sind höhere Gebäude vorgesehen, unter anderem ein 13-stöckiger Turm. Die Vertreter der Quartierleiste bevorzugen an dieser Variante die kürzeren Wege zum ÖV und die bessere Erschliessung der Schwimmhalle. Kritiker monieren dagegen, dass auf so engem Raum kaum attraktiver Wohnraum entstehen könne. Das Planungsteam geht dennoch von einer Wohnnutzung von 51 Prozent aus.

Quartiere: Diese Variante schloss bei den Workshop-Teilnehmern am schlechtesten ab – mit über 50 000 Quadratmeter würde sie auch am meisten Fläche in Anspruch nehmen. Sie sieht zwischen Sandrainstrasse und Gasbahntrassee zwei Baufelder vor, die mit grünen Freiräumen unterteilt würden – und dass die Schwimmhalle zur Aare hin zu stehen käme. Aber auch hier stehen etliche Untervarianten zur Disposition, etwa ohne Schwimmhalle und Schule.

Kritische Voten vom Stadtplaner

Für manche der Teilnehmer waren die Varianten dennoch zu wenig breit gefächert. Der Stadtplaner Mark Werren zog einen markanten Vergleich: Es würden drei Longdrinks offeriert – in der Auswahl fehle aber die Variante, die weniger «hochprozentig» daherkäme und weniger Nutzung vorsehe. Werren verglich das Gaswerkareal mit dem New Yorker Central Park – einen Teil dieses öffentlichen Raums wolle man nun in privaten umwandeln. «Wir müssen uns daher fragen, wie hoch der Nutzen ist.» Schon in wenigen Monaten soll dem Gemeinderat der Schlussbericht vorgelegt werden – auf dessen Basis wird die Regierung dann entscheiden, ob der Nutzungsmix eher Richtung Cocktail oder Softdrink ausfallen wird.

Der Bund

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