Auf dem Balkon mit dem Wechselberger

Noch mehr YB-Geschichten der «Bund»-Leserinnen und Leser – mit YB-Stars zum Anfassen.

Torjäjger: YB-Legende Ernst Wechselberger (hier im Dress des FC Luzern) gegen Servette-Torhüter Jacky Barlie im Jahr 1969.

Torjäjger: YB-Legende Ernst Wechselberger (hier im Dress des FC Luzern) gegen Servette-Torhüter Jacky Barlie im Jahr 1969. Bild: sportalbum.ch/Fredi Jakober

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Wie wird man YB-Fan? Vielleicht so wie Heidi Ramirez-Pulfer zu Beginn der 70er-Jahre: Auf dem Weg zur Klavierstunde. «Als ich in die Klavierstunde ging und im Liebefeld auf den Bus wartete, lernte ich den 19-jährigen YB-Stürmer mit der Nummer 7 kennen, Peter Marti. Beim nächsten Aufeinandertreffen gab er mir zwei grüne Gratistickets für mich und meinen jüngeren Bruder. Damals, denke ich heute, wurde mein Herz direkt gelb-schwarz.»

Und so ein gelb-schwarzes Herz bedeutet für Ramirez heute wie damals: Immer noch an jedem Heimspiel dabei zu sein, früher oft auch an den Auswärtsspielen, «es heisst nicht vergebens ‹YB forever›». Was zumindest im alten Wankdorf nicht fehlen durfte, war die Pinzette, «da die alten Holzbänke immer ‹Spriisse› abgaben».

Mit Frau Eich ins Stadion

Keine Gratis-Tickets von YB-Spielern brauchte Hanspeter Forster. Er und seine Freunde fanden nämlich einen anderen Weg um in Stadion zu kommen. Das Ehepaar Eich – der Mann, «Wädu» Eich, war der damalige YB-Goalie – wohnte gleich im Haus nebenan, an der Attingenhausenstrasse im Berner Nordquartier.

Und so wartete der junge Hanspeter jeweils, bis sich Frau Eich und ihr Sohn – im gleichen Alter wie Forster – auf den Weg ins Stadion machten. «Bis sie zum Stadion kam, waren es dann etwa sechs Buben, die auf sie gewartet hatten.» Auf die Frage «Sind das alle Ihre Buben?» hätte sich für die Jungen das Tor geöffnet. «Damit konnten wir das ‹Füfzgi› sparen, das der Eintritt damals für Schüler kostet», erinnert sich Forster. Auch die berühmte «YB-Viertelstunde» wusste Forster für sich zu nutzen: «Da wars auf dem Rasen meistens so spannend, da schaute keiner mehr auf die Bierflasche zwischen den Beinen.» Für den Depot-Jäger ein Schlaraffenland – «so kam ich immer mit mehr Geld nach Hause, als ich beim Weggehen gehabt hatte».

Und schliesslich war Forster auch mit der verstorbenen YB-Legende Ernst Wechselberger auf Du. Als der nach Bern kam, hiess es, er würde im Nordquartier eine Bleibe suchen. «Eines Abends stand ich auf unserem Balkon und hörte nebenan ein Geräusch. Ich beugte mich vor und erstarrte fast vor Ehrfurcht: Da stand doch wirklich Ernst Wechselberger!». Der YB-Star reagierte zugänglich: «Hallo Junge, ich bin der Ernst.» Am nächsten Tag in der Schule seien ihm die Neider gewiss gewesen, so Forster.

Auf ein Bier mit Lars Lunde

Eine YB-Legende zum Anfassen: Diese Erfahrung machte auch Jens Montandon, der in der Nähe von Grenchen aufgewachsen ist und jetzt im Liebefeld lebt. Zu den Helden seiner Kindheit hätten Asterix und Obelix gehört, dazu einige der grossen, charismatischen Indianerhäuptlinge – und «ganz klar»: YB-Stürmer Lars Lunde.

1986, nach einem YB-Spiel in Grenchen kam es dann dazu: «Ich habe allen Mut zusammengenommen und Lars Lunde seitlich leicht berührt», schreibt Montandon. «Da wir in unserer Familie dänische Wurzeln haben, war er für uns sowieso etwas Spezielles.»

Jahrzehnte später, als Lunde Trainer des FC Bern wurde, «bin ich mit dem Fussballbuch von 1986 zu ihm hingegangen und habe 30 Jahre verspätet doch noch seine Unterschrift erhalten. Wir haben danach zusammen ein Bier getrunken, ich und mein Kindheitsheld.»

Bert Theunissen aus Draht

Andere bauten sich ihre YB-Spieler zum Anfassen gleich selbst. So etwa Leser Theo Schmid. «Es war in den 60ern. Im Werkunterricht in der Sek Büren hiess es: Gestaltet eine Figur aus Draht.» Seine Kollegen hätten Flugzeuge und Tiere gebaut – «ich baute Bert Theunissen».

An einem YB-Spiel war er da aber noch nie, Bern war zu weit weg. Einzig am Radio konnte Schmid sein Idol – 27 Tore in seiner ersten YB-Saison! – verfolgen. Nur einmal sei Schmid an einem YB-Match gewesen und zwar am Uhren-Cup in Grenchen. Begleitet habe ihn sein Nachbar, der Dorfgemeindeschreiber – und spätere YB-Präsident – Walter Frei.

Und was ist Ihre YB-Geschichte? Erzählen Sie sie uns oder diskutieren Sie mit im «Stadtgespräch». (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.04.2018, 16:18 Uhr

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