Auf dass keiner stürzen möge

Das Tiefbauamt der Stadt Bern hat extra für die Tour de France eine neuartige Tramschienen-Abdeckung entwickelt.

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Adrian M. Moser@AdrianMMoser

Man muss kein Radprofi sein, um zu wissen, was passiert, wenn man mit dem Velo in eine Tramschiene gerät. Wenn die Radprofis kommen – zumindest jene der Tour de France –, dann tut die Stadt Bern aber besonders viel, um sie vor den Gleisen zu schützen.

Damit bei der Zielankunft auf der Papiermühlestrasse am 18. Juli keiner der Fahrer stürzt, hat das Tiefbauamt in den vergangenen Monaten ein neuartiges System entwickelt, um die Schienen abzudecken.

Mitarbeiter des Tiefbauamts demonstrierten am Montag auf dem Guisanplatz, wie die Methode funktioniert: Die Schiene wird mit einer Folie belegt und mit einem Hohlprofil aus Gummi ausgefüllt. Über alles wird eine zweite Schicht der Folie geklebt.

Franzosen hätten asphaltiert

Bei Velorennen sind die Teilnehmer immer wieder mit Tramschienen konfrontiert. Normalerweise bleiben die Gleise, wie sie sind, und die Fahrer müssen damit irgendwie zurandekommen.

Anders bei der Tour de France: Deren Organisatoren verlangen von den Etappenorten, dass die Schienen abgedeckt werden. Ihr Vorschlag: einfach darüberasphaltieren.

Den Berner Behörden war diese Methode aus mehreren Gründen nicht recht, wie Patrik Gräppi, Projektleiter beim Tiefbauamt, ausführte: Zum einen hätte die Abdeckung so rund eine Million Franken gekostet, zum andern wäre der Trambetrieb zu lange lahmgelegt worden.

Abklärungen bei mehreren Herstellern von Abklebesystemen führten schliesslich zur nun gewählten Lösung der Firma Sika. Der gewählte Klebstoff funktioniere auch bei Nässe und sei nach einer Stunde belastbar, sagte Gräppi.

Zurückbleiben soll nur etwas Klebstoff links und rechts der Schiene. Die Abdeckungen für die Tour de France sollen rund 100'000 Franken kosten.

Auch für den Alltagsveloverkehr waren Gummifüllungen für Tramschienen schon ein Thema – das Parlament hat den Gemeinderat mehrmals beauftragt, solche zu prüfen.

Auch für den Alltagsverkehr?

Stadtingenieur Hans-Peter Wyss tönte am Montag an, dass ein ähnliches wie das nun für die Tour de France gewählte System auch für den Alltagsverkehr zum Einsatz kommen könnte.

Auch sei es eine Option, die Methode patentieren zu lassen, falls sie bei der Tour-Ankunft ein Erfolg werde. Die Chancen dafür – «wir können uns keinen Unfall leisten» – schätzte er auf 100 Prozent.

Der Bund

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