Auf Berner Sportplätzen wird es Licht

Ein Helikopter stellte gestern neue Lichtanlagen auf. Nun können die Vereine abends länger trainieren.

Projektleiter Martin Scheidegger beim Sportplatz Steigerhubel

Projektleiter Martin Scheidegger beim Sportplatz Steigerhubel Bild: Raphael Moser

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Schon vor Mittag war der Spuk vorbei. Die Montagearbeiten mit dem Helikopter, den die Anwohnerinnen und Anwohner der Sportplätze Murifeld, Steigerhubel und Viererfeld gestern Morgen gehört haben dürften, kamen zügig voran. Jetzt stehen auf den drei Sportplätzen insgesamt 19 LED-Lichtanlagen im Gesamtwert von 785 000 Franken. Mit dieser Investition ist der Bau neuer Sportanlagen vorerst nicht nötig. Denn dank der Beleuchtung bis 10 Uhr abends können die Plätze länger und von mehr Vereinen genutzt werden.

Sportplätze sind rares Gut

Längere Betriebszeiten der bestehenden Anlagen statt neue Sportplätze: So will es die vom Berner Gemeinderat 2016 verabschiedete «Rasenstrategie». Laut dieser fehlen der Stadt Bern zurzeit vier Sportrasenfelder. Bei den Diskussionen um die «Rasenstrategie» wurden auch Stimmen laut, die die Vereine lieber auf neue Anlagen am Stadtrand geschickt hätten. Dies widerspricht aber der Haltung des Sportamts der Stadt Bern.

«Der Fussball muss in den Quartieren stattfinden können», sagt Christian Bigler, Leiter des Sportamts. Die Nachfrage nach Rasenfeldern sei extrem hoch. Durch die Beleuchtungsanlagen könne das Angebot an den jeweiligen Standorten um je ein Drittel gesteigert werden, sagt er. Und Bigler ist sicher, dass die frei werdenden Trainingszeiten in kürzester Zeit ausgebucht sein werden.

Reto Casanova, bis Ende 2017 Präsident des Fussballklubs SC Holligen 94, bestätigt dies. Am Clubstandort im Steigerhubel trainiert der SC Holligen 94 täglich. Über die Möglichkeit, den Rasen ganzjährig bis 10 Uhr abends benutzen zu können, ist man sehr froh. «Wir sind jetzt viel flexibler bei der Trainingsplanung und können auch abends Matches spielen», sagt Casanova.

Dass der Vereinssport in die Quartiere gehört, scheint auch bei den Anwohnern unumstritten. Weder sind bei der Stadt Beschwerden gegen die Baugesuche eingegangen, noch wissen die Quartierbüros von negativen Reaktionen seitens der Anwohner. Auf diese sei bei der Projektplanung Rücksicht genommen worden, sagt Projektleiter Martin Scheidegger. Er ist überzeugt, mit der LED-Beleuchtungstechnik die richtige Wahl getroffen zu haben. Zum einen, weil die LED-Leuchten ein Drittel weniger Energie verbrauchen als herkömmliche Quecksilberlampen. Zum anderen, weil die LED-Leuchten eine viel längere Betriebsdauer haben. Scheidegger rechnet mit einer Laufzeit von 25 Jahren.

Kritik an LED-Licht

Für die Anwohner entscheidend ist aber, dass die neuen LED-Leuchten ihr Licht sehr zielgenau auf den Platz werfen und nicht ins ganze Quartier ausstrahlen. «Der Lichtkegel ist deutlich präziser als bei herkömmlicher Aussenbeleuchtung», erklärt Projektleiter Scheidegger. Blenden sorgten zusätzlich dafür, dass die Anwohnerinnen und Anwohner nicht gestört würden.

Nicht ganz so unproblematisch sieht dies Roland Bodenmann von Dark-Sky Switzerland. Der Verein setzt sich schweizweit für möglichst umweltschonende Beleuchtung ein. «Es gibt nicht die LED-Leuchte», sagt Bodenmann. «Es kommt auf die Farbtemperatur an.» Damit meint Bodenmann den Blauanteil des Lichts. Je höher der Blauanteil, desto greller werde es von den Menschen empfunden und desto schädlicher wirke es sich bei nächtlicher Einstrahlung auf den Biorhythmus von Mensch und Tier aus. Die auf den Berner Sportplätzen installierten Leuchten weisen einen deutlich höheren Blauanteil (5200 Kelvin) auf, als dies von Dark-Sky Switzerland für Aussenbeleuchtungen empfohlen wird (3000 Kelvin).

Neue Plätze erst ab 2020

Steigt die Nachfrage nach Trainingsplätzen in der Stadt Bern weiter an, könnte die Beleuchtungslösung aber an ihre Grenzen kommen. Die «Rasenstrategie» sieht deshalb vor, dass ab 2020 neue Rasenplätze realisiert werden können. Beschlossene Sache ist dies bereits im Bottigenmoos. Drei Naturrasenplätze werden dort gebaut. Ab 2023 soll die Stadt zudem prüfen, ob neue Sportanlagen in Zusammenarbeit mit umliegenden Gemeinden erstellt werden können. (Der Bund)

Erstellt: 08.03.2018, 06:44 Uhr

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