Auch das Restaurant Santorini verlässt die Matte

Matte-Quartier

Im ehemaligen Ausgehviertel Matte gibts bald früher Nachtruhe: Aus Verdruss über die Behörden schliesst Jimy Hofer seinen Club per sofort. Und das griechische Restaurant zieht zurück nach Thun. Bei der Stadt ist man ratlos.

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Die Hiobsbotschaften aus der Matte haben sich am Dienstag überschlagen. Zuerst flatterte die Nachricht von der Schliessung der Broncos Loge am Mühleplatz in die Redaktion. Dann, nach ein paar Telefon­gesprächen, kam die Bestätigung: Auch das griechische Restaurant Santorini schräg gegenüber schliesst. «In der Matte ist es hoffnungslos», diktiert Nikos Nikolakopoulos enttäuscht in das Notizbuch. Und der Geschäftsleiter ergänzt: «Die Matte stirbt.» Da ziehe er lieber nach zehn harten Jahren mit seinem griechischen Spezialitätenrestaurant zurück nach Thun. Wohin genau, sei zwar noch offen. Doch stünden «mehrere ­Optionen» zur Auswahl. Und Nikolakopoulos fügt bei: «Dort hoffe ich auf mehr Respekt von den Behörden.»

Santorini: «Jetzt kommt Quittung»

Was ist passiert? Das Fass zum Überlaufen gebracht hat bei Nikolakopoulos ein Disput über seine zwei blauen Tischchen neben der Türe. Diese stünden dort seit Jahren für Raucher, oder wenn einmal jemand an der frischen Luft kurz das Bier abstellen wolle. Neben der ordentlichen Gebühr für die Terrasse habe ihm die Stadt nun auch noch für die Tischchen rückwirkend Gebühren erheben wollen. «Tagsüber kontrolliert die Polizei nie, aber nachts kommen sie wegen jeder Meldung eines Anwohners. Da kann man nicht mehr vernünftig ­wirten», kritisiert der Santorini-Wirt.

Hinzu komme, dass in der Matte alle Gewerbler nur noch für den eigenen Erfolg kämpften, niemand engagiere sich mehr für das Ganze: «Ich schlug zum Beispiel einen Weihnachtsmarkt oder ein Sommerfest für Familien vor, niemand reagierte.» Trotzdem jammern laut Niko­lako­poulos immer alle: «Jetzt kommt eben die Quittung, alles schliesst, die Matte stirbt», sagt 51-jährige Wirt.

Matte-Leist: Grosses Schweigen

Bernhard Bürkli, Präsident des Matte-
Leists, der Kraft seines Amtes das Ganze vielleicht ein bisschen zusammenhalten könnte, befindet sich derweil auf Tauch­station. Für die Medien sei er nicht erreichbar, und überhaupt gingen die Entscheide des Gewerbes ihren Mann auch nichts an, lässt seine Ehefrau auf Anfrage des «Bund» verlauten.

Klar ist einzig, dass es auch positive Stimmen gibt, was die Verkehrsberuhigung in der Matte betrifft: «Wenn die Poller einmal in Betrieb sind, wird es für unsere Gäste noch angenehmer», sagt Ulachenaden Sureskumaran. Und der ­Fischerstübli-Wirt ergänzt: «Alles läuft gut, das Fischerstübli bleibt, wie es ist.»

Greift Mister Nachtleben ein?

Dass die Broncos Loge die Tore dicht macht, pfiffen die Spatzen Jürg Häberli schon vor ein paar Tagen zu. Dass nun auch noch das Santorini schliesst, erfährt der neue «Mister Nachtleben» vom «Bund». «In der Matte ist eini­ges verbockt, es scheint kaum noch etwas möglich zu sein», so der Kommentar des Leiters der städtischen Vermittlungsstelle Nachtleben. Häberli ergänzt: «Ich bin tatsächlich etwas ratlos.» In beiden Fällen sei er nicht in die Schliessungs­entscheidung involviert gewesen. Dennoch zeigten die Beispiele: «Für einen Clubbetreiber ist es sehr schwierig geworden, in der Matte zu geschäften.»

Matte hat sich stark verändert

Ob er nun aktiv werden solle, müsse aber die dafür zuständige Sicherheits­direktion entscheiden. «Persönlich habe ich das Gefühl, die Matte müsste ein lebendiges Quartier bleiben», hält Häberli fest. «Mit den Veränderungen der letzten Jahre, den kritischen Anwohnern und den immer teureren Wohnungen geht es nun aber plötzlich in eine ganz andere Richtung.» Dabei sei die Matte doch einst das erste Ausgehviertel der Stadt Bern gewesen.

Der Bund

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