Ask Force: Harmlos dreinschauen nützt nichts

Die Ask-Force über tote Handys im ÖV, dumme Ausreden und Kontrolleure mit breiten Schnäuzen.

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Harmlos dreinschauen nützt nichts «Also», schreibt Frau S. aus B. «Ich habe kürzlich die ÖV-plus-App heruntergeladen, mit der auch Tram- und Bustickets gelöst werden können. (…) Gestern kaufte ich mein Billett per Handy-App und stieg ins Tram ein.

Als ich dann nach ein paar Stationen mein Handy aus der Tasche zog, um ein wenig darauf ‹herumzutüterlen›, war der Bildschirm schwarz. Ich versuchte das Handy wieder anzuschalten – vergeblich. Der Akku war mausetot.

Nun zu meiner Frage: Was wäre bei einer allfälligen Kontrolle mit mir passiert? Ich hatte das Billett bezahlt, hätte es aber nicht vorweisen können. Hätte ich, trotz plausibler Erklärung, eine Busse bekommen? Wäre ich verhaftet und in Handschellen abgeführt worden. Oder hätte man mir einfach geglaubt, weil ich so vertrauenswürdig aussehe?»

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Liebe Frau S., leider haben Sie Ihrer Frage kein Selfie angehängt, darum können wir Ihre optische Vertrauenswürdigkeit nicht überprüfen. Ach, Entschuldigung, das können Sie mit Ihrem toten Gerät ja gar nicht (harhar). Aber wir gehen im Zweifelsfall gerne davon aus, dass Sie viel besser harmlos dreinschauen als den Handy-Akku aufladen können.

Aber das tut nichts zur Sache – natürlich wären Sie gebüsst worden, und das zu Recht. Und natürlich führen die Männer von Bernmobil niemanden in Handschellen ab. (Obwohl wir hier jetzt einfach mal unterstellen, dass sie das gar nicht ungern täten:

Warum sonst tragen die Herren Kontrolleure mit Vorliebe breite Schnäuze und robuste, schwarze Schuhe der Marke Mephisto, wenn nicht, um ihren Vorbildern bei der Kantonspolizei nachzueifern?)

Item. Stellen Sie sich einmal die analoge Ausgabe Ihrer Frage vor, Frau S.: «Ich habe mein Billett am Automaten gelöst und dann meinem Kind in die Hand gedrückt, weil ich ja beide Hände benötigte, um den Kinderwagen in den Bus zu schieben.

In dieser Zeit biss mein Jüngstes auf dem Ticket rum und sabberte es so durch, dass die Aufschrift nicht mehr lesbar ist. Es zahnt drum, das arme Schätzchen.»

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Sehr schön auch: «Meine Mehrfahrtenkarte ist mir dummerweise direkt nach dem Abstempeln in den Gully gefallen, weil ich noch schnell auf dem Smartphone ‹herumtüterlen› wollte, aber meine Hände manchmal nicht ganz sauber koordinieren kann.» Auch zwei durchaus realistische Szenarien, nicht?

Ganz ehrlich: Wären wir Bernmobilkontrolleure, uns wäre es wurstegal, ob in Ihrer Geschichte der Gully das Kind gefressen hat, die Mehrfartenkarte nur noch schwarz aufleuchtet oder der Bildschirm nicht hundefreundlich ist.

(Sorry, der Hund ist uns da jetzt reingerutscht. Aber das Billett könnte infolge Ihrer Koordinationsstörung ja auch in einem fetten, dampfenden Hundehaufen stecken und darum nicht mehr vorweisbar sein.

Apropos Hundehaufen: Haben Sie schon gehört, dass im Grossraum Paris täglich zwei Personen so unglücklich auf einem Kötel ausrutschen, dass sie hospitalisiert werden müssen? Das nennen wir ein echtes Problem.)

Fertig geschwatzt. Unser innerer Bernmobilist hat jetzt genug. Frau S., solange der Sie (angeblich?) zur Tramfahrt legitimierende Bildschirm schwarz bleibt, sind Sie schlicht eine Schwarzfahrerin. Und gehören gehörig gebüsst.

Fragen zum Umgang mit Smartphone-Aufladern? askforce@derbund.ch

Der Bund

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