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«Apropos»: Auch das Zweitich lebt gefährlich

Über das virtuelle Wandern, das Zweitich und das digitale Alter Ego.

Ist es Ihnen auch schon passiert? Sie schlurfen gemütlich durchs Internet, beginnen eben, eine wildfremde Seite zu schlürfen – und schon lacht Ihnen Ihr eigenes Konterfei entgegen. Es fordert Sie auf, die Trouvaille Ihren Freunden auf Facebook kundzutun.

Nicht passiert? Dann benützen Sie Facebook entweder gar nicht oder nur vorsichtig, oder Sie ziehen zu wenige andere Seiten auf. Mir jedenfalls ist es passiert, oder genau gesagt meinem Alter Ego. Dieses Zweitich lebt nur auf Facebook und hat die Aufgabe, eine Art Vereinsseite zu betreuen. Suchen Sie nicht unter «Apropos» – von den vielen Seiten, die so heissen, gehört keine den Leuten, die diese Kolumne schreiben, so es denn mehrere sind. Wenn ich also mein Alter Ego jene andere Seite besuchen lasse, bewahrt es mich davor, auch gleich in die Plauderseite meiner realen Freunde zu gucken, denn dazu müsste ich mich unter meinem eigenen Namen anmelden. Das arme Zweitich selber hat überhaupt keine Freunde, nicht einmal mich, und wird als Tierchen abgebildet. Es besitzt einen lateinischen Namen, aber nicht den, welchen ihm Herr Linné gegeben hat. Und nun hat es mich eben aufgefordert, Gefallen zu bekunden an einer Seite, der das so passen könnte.

Früher trugen derlei Aufforderungen einfach ein f-Signet – aber wer von Facebook wegschlurft, ohne sich abzumelden, den begleitet jetzt sein Porträt. Oder die zur Tarnung ausgesuchte Comicfigur, die dem Grossen Bruder ein Schnippchen schlagen soll. So leicht lässt sich der nicht abschütteln – es nützt auch nichts, den eigenen Namen zu verfremden. Etwas sicherer ist da schon mein Tarntier, unter den angeblich 650 Millionen Facebook-Nutzern gewiss nicht der einzige fiktive. Aber vielleicht habe ich mich zu früh gefreut. Oder kann es Zufall sein, dass das fürsorgliche Netzwerk dem freundlosen Wesen hartnäckig vorschlägt, sich mit jemandem anzufreunden, der auch mal in unserem Haus wohnte?

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