Anwohner rüsten sich für Kampf um den Chliforst

Gegen das geplante BLS-Depot in Berns Westen haben sich verschiedene Interessengruppen zusammengetan und ein Gutachten veröffentlicht. Dieses lässt kein gutes Haar an dem Projekt.

Gegen die BLS-Werkstätte: Gegner kritisieren Eingriff in Natur.

Gegen die BLS-Werkstätte: Gegner kritisieren Eingriff in Natur. Bild: Franziska Scheidegger

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Hin und wieder rauscht ein Zug vorbei. Man hört den Wind in den Bäumen, ein paar Vögel zwitschern. Sonst ist es still. Das ist westlich von Riedbach in Berns Westen: ein Naherholungsgebiet für die Städter, Kulturlandschaft für die Landwirte und Naturgebiet für Wildtiere.

Hier, beim Chliforst Nord, plant die BLS ihre neue Werkstätte zu bauen, wie sie Ende 2016 bekannt gab. Auf rund 10 Hektaren Kulturland und 4 Hektaren Wald (das entspricht etwa 20 Fussballfeldern) soll bis 2023 eine 15 Meter hohe Halle entstehen mit einem vorgelagerten 17-gleisigen Areal. Die BLS folgte bei der Auswahl des Standortes der Empfehlung einer breit abgestützten Begleitgruppe. Diese hatte zuvor 42 Standorte geprüft und sich für den Standort Chliforst Nord ausgesprochen.

«Verbrechen an der Natur»

Nun haben sich fünf Interessengruppen zusammengeschlossen, um den Plänen der BLS mit vereinten Kräften entgegenzutreten. Der Vereinigung gehören etwa die Einwohnergemeinde Frauenkappelen oder die Quartierkommission Bümpliz-Bethlehem an. Die Werkstatt-Gegner veröffentlichten gestern ein 25-seitiges Gutachten, erarbeitet durch die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz (SL), welches am Vorhaben der BLS beim Standort Chliforst Nord kein gutes Haar lässt. Das BLS-Projekt kollidiere mit wesentlichen Zielen der Bundesgesetze und der Planungsgrundlagen auf allen drei Stufen von Bund, Kanton und Gemeinde, so das Verdikt. Konkret widerspricht das Vorhaben gemäss Raimund Rodewald, Geschäftsleiter der SL, etwa dem Waldschutz oder dem Schutz der Fruchtfolgeflächen. Und weiter: «Das ist eine schwere Beeinträchtigung für die naturnahe und strukturreiche Kulturlandschaft westlich von Riedbach.»

Konkreter formuliert es der Vizepräsident des Vereins Chliforst und Anwohner des künftigen BLS-Areals, Jürg Stadelmann: «Die BLS hat diese Lösung nur gewählt, weil hier am wenigsten Einsprachen zu erwarten sind, Platz vorhanden ist und billig gebaut werden kann.» Man habe eine innovative Lösung verpasst und setze stattdessen auf eine Insellösung mitten in einem Naherholungsgebiet, dem Lebensraum von Schwarzstörchen, Molchen und Rehen. «Es ist ein Verbrechen an der Natur einer grössenwahnsinnigen Eisenbahngesellschaft», so Stadelmann.

Standort Biel als Alternative

Bei der BLS will man sich zum Gutachten der SL nicht äussern. Der Grund: Für das Areal läuft beim Bund zurzeit ein sogenanntes Sachplanverfahren, worüber der Bundesrat entscheiden wird.

Der Berner Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) sagt über das Gutachten: «Es ist eine wertvolle Entscheidungsgrundlage für das Bundesamt für Verkehr.» Der Gemeinderat werde mehr zum Thema sagen, wenn man im Sachplanverfahren des Bundes dazu aufgefordert werde. 2016 hatte der Gemeinderat befunden, dass der Chliforst von allen schlechten Optionen immer noch die beste sei.

Noch ist der Standort Chliforst nicht in Beton gegossen. Die kürzlich wieder ins Leben gerufene Begleitgruppe hat von Regierungsrätin Egger (SP) den Auftrag erhalten, eine Kooperationslösung zwischen den SBB und der BLS bei der bestehenden Werkstätte in Biel zu suchen. Die Bieler Werkstätte gehört den SBB und könnte entsprechend ausgebaut werden. Der Präsident der Begleitgruppe, Bernhard Antener, sagt, dass etwa in einem halben Jahr mit ersten Verhandlungsresultaten gerechnet werden könne. Parallel dazu wird der Bundesrat im Verlaufe von 2018 entscheiden, ob das BLS-Projekt beim Chliforst weiterverfolgt werden kann. Ist der Entscheid positiv, muss das Bahnunternehmen eine Art Baugesuch einreichen. Berechtigte haben dann die Möglichkeit, Einsprache zu erheben. (Der Bund)

Erstellt: 22.09.2017, 20:53 Uhr

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