Zum Hauptinhalt springen

Angriff auf Berner Metzgereien

Unbekannte haben die Scheiben zweier Stadtberner Metzgereien zertrümmert. Offenbar handelt es sich um militante Tierrechtsaktivisten.

Unbekannte haben die Fensterfront von Lehmann’s Metzgerei zerstört.
Unbekannte haben die Fensterfront von Lehmann’s Metzgerei zerstört.
Franziska Rothenbühler

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch kam es in der Stadt Bern zu Sachbeschädigungen an den Gebäuden von zwei Metzgereibetrieben, wie ein «Bund»-Leser berichtet. Unbekannte schlugen mehrere Scheiben ein und richteten damit einen Sachschaden in der Höhe von über zehntausend Franken an. Die Kantonspolizei bestätigt, dass es in einem der Fälle zu einer Anzeige gekommen sei.

Die Vermutung liegt nahe, dass es sich um eine gezielte Aktion gegen die Fleischbranche handelt. Soweit ersichtlich, hat sich zwar niemand dazu bekannt. Den Zeitpunkt und die Ziele haben die Täter aber kaum zufällig gewählt: In derselben Nacht haben Aktivisten der internationalen Tierrechtsorganisation 269 Libération Animale die Fleischfabrik von Bell in Oensingen, Kanton Solothurn, besetzt. 134 Personen aus dem In- und Ausland blockierten dort den Betrieb während mehrerer Stunden, bis die Polizei das Areal räumte. Die Organisatoren sprachen via Facebook von einem «Sieg gegen die Industrie» (der «Bund» berichtete).

«Hirnlosigkeit mit System»

Chef-Metzger Reto Lehmann steht hinter der Ladentheke von Lehmann’s Metzgerei in der Länggasse. Die ganze Fensterfront ist zersplittert. Für die Sachbeschädigung findet Lehmann klare Worte: «Hirnlos», sagt er. Man könne Massentierhaltung und die Grossindustrie durchaus kritisch betrachten. «Aber wir sind ein Kleinbetrieb, kennen die Bauern persönlich, die uns beliefern, und versuchen, alles von den Tieren zu verwerten.»

Diese «Hirnlosigkeit» habe aber System, fügt er an. Man sei in den letzten vier Jahren vermehrt zur Zielscheibe von Sprayerangriffen geworden. «Uns wurden einschlägige Botschaften an die Fassade geschmiert: Killer – Mörder – Tierliquäler.»

Bei den kaputten Scheiben sei er zunächst von einem Revancheakt der Sprayer ausgegangen, da er der Polizei Namen genannt habe, sagt Lehmann. «Im Zusammenhang mit den Vorfällen in Oensingen liegt es aber auf der Hand, dass es sich um ein koordiniertes Vorgehen handelt.»

Besorgter Fleischverband

Beim zweiten betroffenen Metzgereibetrieb in der Stadt Bern handelt es sich um die Meinen AG. Ein Verantwortlicher wollte gegenüber dem «Bund» nicht weiter Stellung zu den Sachbeschädigungen beziehen.

Bereits mehrmals demonstrierten Tierrechtsaktivisten in Bern für die Schliessung aller Schlachthäuser. Probleme mit militanten Personen aus Kreisen der Szene gab es in der Bundesstadt abgesehen von kleineren Störaktionen bislang kaum. In der lateinischen Schweiz dagegen schon. Im Dezember 2017 etwa besetzten Aktivisten eine Fabrik im Waadtland, 2007 wurden Brandanschläge auf Lieferfahrzeuge einer Tessiner Metzgerei verübt.

Der Schweizer Fleisch-Fachverband zeigt sich besorgt. Der stellvertretende Direktor Philipp Sax findet es «sehr irritierend», dass im Fall Oensingen die Mehrheit der Aktivisten aus dem Ausland angereist sei, vor allem aus Frankreich und Belgien. «Wir stellen zudem fest, dass Blockaden und Sachbeschädigungen durch eine extreme Minderheit immer häufiger vorkommen.»

Man habe kein Problem mit der freien Meinungsäusserung. «Wenn Aktionen aber auf Gewalt, Drohung und bewusste Schädigung hinauslaufen, verurteilen wir das scharf», sagt Sax. Wird der Fleischverband also tätig werden? «Nehmen die Zwischenfälle weiter zu, werden wir uns wohl auch zwecks Wahrung der öffentlichen Ordnung an die Sicherheitsdirektionen der betroffenen Gebiete wenden müssen.»

Debatten entfachen

Tobias Sennhauser äussert Verständnis für die Ziele der Aktivisten. Als Präsident des Vereins Tier im Fokus (TIF) setzt er sich für Tierrechte ein. «Es geht letztlich darum, die Nutztierhaltung abzuschaffen, anstatt sie nur zu reformieren.» So genüge es nicht, Transportzeiten zu verkürzen oder Schlachtmethoden zu verbessern. «Tiere sollen frei von Herrschaftsansprüchen der Menschen leben. Diese Idee unterstützen wir», sagt Sennhauser.

TIF führe aber selber keine Aktionen mit Sachbeschädigung durch. «Ziviler Ungehorsam, der rechtliche Grauzonen auslotet, ist ein adäquates Mittel, um Grundsatzdebatten zu entfachen.» Für TIF stehe die Aufklärungsarbeit im Zentrum, für die anderen Gruppen könne er nicht sprechen.

Dieser Artikel entstand nach einem Hinweis eines «Bund»-Lesers. Sie haben ebenfalls einen Hinweis an die Redaktion? Schreiben Sie uns ein E-Mail an bern@derbund.ch oder hinterlassen Sie uns eine Nachricht im «Stadtgespräch»-Briefkasten.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch