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Amerikaner wollen nun in Hermrigen nach Erdgas bohren

Der britische Partner im Erdölförderkonsortium verkauft die Beteiligung für 8 Millionen Euro in die USA.

In der gut zweijährigen Geschichte um die geplanten Erdgasbohrungen im seeländischen Hermrigen gibt es zwei Konstanten: Verzögerungen und Patrick Lahusen, Mehrheitsaktionär der Aktiengesellschaft für Schweizerisches Erdöl (Seag). Vom ursprünglichen Konsortium bestehend aus Seag und den beiden britischen Unternehmen Ascent Resources und Leni Oil & Gas ist nur noch Lahusen mit seiner Seag geblieben. Ascent Resources war im Konsortium mit der Tochtergesellschaft Peos AG vertreten, diese wurde nun für acht Millionen Euro an die amerikanische Firma eCorps Europe International Ltd. verkauft, wie Lahusen gestern mitteilte. Die Peos AG wurde 2003 gegründet und hat ihren Firmensitz in Weiach (ZH). Anfang letztes Jahr war Leni Oil & Gas mangels Geld wegen der Finanzkrise ausgestiegen. Ein Ersatz für diesen Partner wurde nie gefunden.

Diese Wechsel haben stets Verzögerungen zur Folge. Im Februar 2008 kündigte Lahusen der Bevölkerung von Hermrigen an, bereits Ende des Jahres einen Bohrturm aufzustellen. Wegen des Absprungs von Leni Oil & Gas verzögerte sich der Start auf Herbst 2009. Im Dezember 2009 sagte Lahusen schliesslich, im März 2010 werde das Gesuch für eine Erschliessungsbewilligung beim Kanton eingereicht. Auch dieser letzte Termin wurde nicht eingehalten. Trotzdem verbreitet Lahusen – wie immer – Zuversicht und spricht im Zusammenhang mit dem Verkauf der Peos von einem Glücksfall. «Es wurde bereits sehr viel gemacht», sagt Lahusen. Die Vorbereitungen könnten übernommen werden und Ende Mai das Gesuch beim Kanton eingereicht werden. Die Behandlung des Gesuchs dauere drei, vier Monate. Im Oktober könnte der Bohrplatz hergerichtet werden und dann mit den Bohrungen begonnen werden.

Linden ist wieder im Gespräch

Die Hoffnung, in Hermrigen irgendwann nach Erdgas zu bohren und vielleicht sogar fündig zu werden, wird Lahusen wohl als Letzter verlieren. Er ist bereits seit über 20 Jahren im Geschäft tätig, obwohl er noch nie auf ein rentables Vorkommnis gestossen ist. Zumindest mit der Möglichkeit, in Hermrigen Erdgas fördern zu können, scheint auch Ascent Resources zu rechnen. Mit dem Verkauf der Peos haben sie sich das Recht gesichert, sich mit 45 Prozent an einer kommerziellen Förderung von Erdgas zu beteiligen. Die Seag wäre lediglich mit 10 Prozent beteiligt, die übrigen 45 Prozent sind Peos vorbehalten. Diese bezahle auch die Kosten für eine erste Bohrung, sagt Lahusen. Die Seag bringe dafür die Konzession.

Interessant ist, dass die Ascent Resources sich nicht nur an Erdgasvorkommen in Hermrigen beteiligen könnte, sondern auch in Linden und Essertines-sur-Rolles (VD). Dass auch in Linden wieder gebohrt würde, bezeichnet Lahusen als Möglichkeit. In Essertines-sur-Rolles wurde in den 1960er-Jahren rund 100 Tonnen Erdöl gefördert. In Linden ereignete sich 1974 ein schwerer Unfall, als aus dem 5447 Meter tiefen Bohrloch Erdgas und ölhaltiger Schlamm austrat und Felder und Bäche verseuchte. Auch Hermrigen stand 1982 unter einem schlechten Stern: Der Mineralölkonzern Elf Aquitaine stiess auf Widerstand im Dorf und versuchte deshalb, das Erdölvorkommen schräg anzuzapfen, was allerdings misslang. (ba)

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