Am 18. März laufen auch Neonazis mit

Wenn SVP-nahe Kreise auf dem Berner Bundesplatz für mehr Demokratie demonstrieren, sind auch Rechtsextreme mit von der Partie. Eine Gegenkundgebung der Linken wurde verboten.

Am 8. März 2009 musste die Polizei in Bern Pnos-Anhänger vor demonstrierenden «Antifas» schützen.

Am 8. März 2009 musste die Polizei in Bern Pnos-Anhänger vor demonstrierenden «Antifas» schützen.

(Bild: Adrian Moser (Archiv))

Simon Preisig@simsimst

Einer gibt an, zur Waffen-SS zu gehören. Ein anderer ruft dazu auf, Hausbesetzer sofort zu erschiessen. Ein weiterer leugnet den Holocaust und behauptet, dass im Zweiten Weltkrieg deutsche Opfer als jüdische ausgegeben wurden. Dies sind nur einige Beispiele von Rechtsextremen, die am 18. März in Bern gegen die angebliche Nichtumsetzung der so genannten Masseneinwanderungsinitiative demonstrieren wollen. Dies zeigt ein Blick auf die Profile der auf Facebook angemeldeten Personen. Gegenüber dem «Blick» hat zudem der Präsident der rechtsradikalen Partei National Orientierter Schweizer (Pnos), Dominic Lüthard, angekündigt, am 18. März auf dem Bundesplatz dabei sein zu wollen.

Was die Kundgebungs-Teilnehmer so auf Facebook posten:

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Dies stellt den Veranstalter, den SVP-nahen Verein Brennpunkt Schweiz, vor Probleme. «Wir wollen keine Rechtsextremisten an unserem Anlass», sagt Mitorganisator Nils Fiechter (SVP). Der engagierte Ordnungsdienst werde deshalb angewiesen sein, Personen mit Hakenkreuzen oder ähnlichen Symbolen vom Bundesplatz fernzuhalten. «Wie Linksextreme stehen auch Rechtsextreme nicht hinter der direkten Demokratie», sagt Fiechter. Bei den Sicherheitsleuten handle es sich «um eine professionelle private Sicherheitsfirma, welche aufgrund ihrer politischen Neutralität nicht genannt werden will».

Private Security darf nur reden

Handfeste Möglichkeiten, Rechtsextreme von der Kundgebung fernzuhalten, hat dieser Sicherheitsdienst jedoch nicht. Das weiss auch der zuständige Berner Gemeinderat, Reto Nause (CVP). «Kommt es zu Problemen, suchen die Sicherheitsleute das Gespräch», sagt er. Wenn diese nicht per Dialog gelöst werden könnten, werde die Polizei gerufen. Trotzdem will Nause an der Bewilligung der Demonstration festhalten. Die Veranstalter seien sehr kooperativ, es hätten in den letzten Jahren nur wenige Kundgebungen stattgefunden, die so viele Auflagen erfüllen mussten wie jene vom 18. März.

Christa Ammann, Berner Stadträtin der Alternativen Linken (AL), bleibt skeptisch. «Nazis nicht zu tolerieren, ist vorerst nur ein Lippenbekenntnis», sagt sie. Ob die Veranstalter dies am 18. März auch wirklich tun, werde sich erst noch zeigen. Sie hält die Organisatoren zudem für naiv. Ob richtig naiv oder berechnend, das könne sie nicht sagen. Dass sich auch Rechtsextreme für eine solche «rechtsnationale Kundgebung» interessierten, sei «absolut» nicht verwunderlich.

Den Anlass zu verbieten, hält Ammann trotzdem für den falschen Weg. «Die haben im Grundsatz auch das Recht auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit.» Doch sie wollte zeigen, dass sie mit deren Positionen nicht einverstanden ist. Zusammen mit andern Personen stellte sie deshalb ein Gesuch für eine Gegenkundgebung auf dem Waisenhausplatz. Dieses wurde vom Gemeinderat jedoch ohne Prüfung abgewiesen.

Die Stadtberner Exekutive hat beschlossen, an diesem Tag grundsätzlich keine weiteren Kundgebungen zu bewilligen. «Dies halte ich für rechtsstaatlich sehr bedenklich», sagt Ammann. Man habe nun eine Verfügung verlangt, die man allenfalls anfechten wolle. Ob dies für den 18. März zeitlich noch etwas bringe, sei unklar. Doch es geht Ammann auch darum, das eventuell verletzte Grundrecht auf Meinungsäusserung für andere Fälle in der Zukunft zu sichern.

Für Nause ist klar, dass eine solche Gegenkundgebung nicht bewilligt werden kann. «Dies würde die Konflikte maximieren, wie wir es aus dem Jahr 2007 kennen», sagt er. Damals war es bei einer SVP-Demonstration mit gleichzeitiger Gegendemonstration zu Ausschreitungen gekommen. Laut Nause müsste eine Gegenkundgebung an einem andern Tag stattfinden.

Sogar SVP bleibt auf Distanz

Doch nicht nur den Linken, auch der SVP scheint die Demonstration vom 18. März suspekt zu sein. Dass die «Sonntagszeitung» von einer «SVP-Demo» schrieb, veranlasste Ex-Nationalrat Christoph Mörgeli dazu, auf dem Kurznachrichtendienst Twitter in sehr deutlichen Worten darauf hinzuweisen, dass die SVP an dieser Demonstration offiziell nicht beteiligt sei. Dennoch: Betrachtet man die angemeldeten Personen auf Facebook, sind sehr viele der Demonstranten SVP-Mitglieder. Zudem durfte Fiechter an der SVP-Delegiertenversammlung für den Anlass werben.

Der Bund

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