Wohnen, Gewerbe, NGOs – die Ideen für den Ringhof

Quartierorganisationen sehen das Polizeigebäude Ringhof in der Stadt Bern als Chance für eine Aufwertung der Lorraine.

Wo heute noch Polizisten arbeiten will die Alternative Linke ein «Haus für Vereine» einrichten.

Wo heute noch Polizisten arbeiten will die Alternative Linke ein «Haus für Vereine» einrichten.

(Bild: Adrian Moser)

Simon Wälti

Der Kanton will in Niederwangen an der Autobahn ein grosses neues Polizeizentrum für 270 Millionen Franken erstellen. Der Baubeginn soll 2022 erfolgen, der Bezug 2025. Werden die Pläne so verwirklicht, wird unter anderem der Ringhof in Bern, wo die Polizeizentrale untergebracht ist, frei. An der Medienkonferenz am Dienstag hiess es, wie das Gebäude in Zukunft genutzt werde, sei offen, entweder werde es für den Eigengebrauch verwendet oder am Markt verkauft.

Für Patrick von Burg, Präsident des Lorraine-Breitenrain-Leists, wäre eine Nutzung als Wohnraum vordringlich: «Ich wünschte mir eindeutig mehr bezahlbaren Wohnraum für Familien in der Lorraine.» Nicht notwendig sei ein «Konsumtempel». Ein Auszug der Polizei könne umgekehrt auch einen Abbau an Sicherheit bedeuten: «Zumindest das Sicherheitsgefühl der Bewohner könnte sich verschlechtern», sagt von Burg.

Die Alternative Linke Bern wiederum möchte im Gebäude am Nordring ein «Haus der Vereine» einrichten, wie die Partei in einem verschickten Communiqué am Mittwoch schreibt. Als Bundesstadt sei Bern der Sitz von zahlreichen NGOs, Verbänden und Vereinen. Viele Organisationen hätten jedoch Mühe, geeignete und bezahlbare Büros in Zentrumsnähe zu finden. Bern brauche deshalb ein Haus der Vereine nach dem Vorbild der Städte Genf, Lausanne und Neuenburg. Einen Vorstoss hat die AL bereits im Juni im Stadtrat eingereicht. In Kürze will die Partei nun eine IG «Haus der Vereine im Ringhof» gründen.

Der Verein Läbigi Lorraine weist auf den langen Zeithorizont hin. Es sei ein grosses Gebäude, sagt Vorstandsmitglied und SP-Stadtrat Johannes Wartenweiler. «Wir könnten uns eine gemischte Nutzung mit Wohnungen, Gewerbe und Räumen für NGOs wie bei der Idee der Alternativen Linken vorstellen.» Man plädiere für eine Vielfalt der Nutzung. Vielleicht bestehe auch Bedarf bei der an den Ringhof angrenzenden Volksschule Breitenrain. «Zudem fehlen im Quartier Gemeinschaftsräume, der Ringhof könnte dafür genutzt werden», sagt Wartenweiler.

Schmidt will Dossier prüfen

Auch im Berner Gemeinderat ist der Ringhof bereits Thema, so möchte Gemeinderätin Franziska Teuscher (GB) hier allenfalls Schulräume einrichten. FDP-Gemeinderat Alexandre Schmidt sagt auf Anfrage, man werde das Dossier prüfen, wenn das Gebäude auf den Markt kommen sollte. «Das städtebauliche Potenzial des Ringhofs ist aber tiefer anzusiedeln als jenes der Gebäude an der Hodlerstrasse und am Waisenhausplatz.» Dort bestehe eine grosse städtebauliche Chance für eine Aufwertung der Achse vom Bundesplatz bis zum Waisenhausplatz. Schmidts Idee: «Wir könnten den Grünraum vergrössern und den Autoverkehr unterirdisch durch das bestehende Parking führen.»

Beim Standort Waisenhaus gehen die Meinungen zwischen Stadt und Kanton jedoch auseinander: Schmidt will mit dem Kanton über alle Gebäude verhandeln. Die kantonale Baudirektorin Barbara Egger (SP) betonte, es werde höchstens ein kleiner Teil der Wache frei.

Der Bund

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