Zum Hauptinhalt springen

«Alles, was die Stadt attraktiver macht, ist für uns gut»

Trubel auf dem Berner Weihnachstmarkt: Er erhöhe auch die Anziehungskraft der Stadt, sagt ein Marketingexperte.

Werner Rothen bietet in seiner Hütte in Bern Fondue an.
Werner Rothen bietet in seiner Hütte in Bern Fondue an.
Franziska Rothenbühler

Der neue Sternenmarkt auf der Kleinen Schanze in der Nähe des Berner Bahnhofs: Zieht der nicht Publikum ab? Und erst der Käse-Tsunami, der in Form von Raclette-Stübli und Fondue-Chalets die Stadt zu überrollen droht: Erwächst den traditionellen Weihnachtsmärkten auf dem Waisenhausplatz und beim Münster nicht eine unberechenbare Konkurrenz?

«Nein», sagt Olivier Jaggy, bei der Berner Marktkommission zuständig für das Marketing. Müsste ein gleich grosser Kuchen in mehr Teile aufgeteilt werden, dann ergäbe sich in der Tat ein Problem, rechnet er vor. Aber das werde kaum der Fall sein. Die neuen Angebote erhöhten die Anziehungskraft der Stadt. «Alles, was die Stadt attraktiver macht, ist für uns gut.»

Dies sei jedenfalls die Hoffnung, die er hege, sagt Jaggy. Ob sie sich erfülle, werde man sehen. Ausserdem seien die Standbetreiber auf dem Waisenhausplatz Händler und nicht Gastronomen. Die Tradition sei lang. Schon vor 700 Jahren seien Händler regelmässig in die Kramgasse gekommen. Trotzdem gibt es auf dem Weihnachtsmarkt auf diesem zentralen Platz ein gastronomisches Angebot; es ist im «Platzhirsch» konzentriert. Den Markt auf dem Waisenhausplatz mit den rund 50 Ständen gibt es seit 30 Jahren. Auch wenn die Stadtbehörden Bern zunehmend als Weihnachtsstadt zu positionieren versuchten, sei sie das eigentlich schon seit längerem, sagt Jaggy. Insbesondere aus Italien kämen täglich Busse mit Tagesausflüglern an.

Schon fast etwas abseits des innerstädtischen Trubels ist der Weihnachtsmarkt beim Münster. «Hier unten spüren wir die neue Konkurrenz kaum», sagt Erich Lehmann, Präsident des Berner Vereins für das Handwerk, des Trägervereins des Handwerkermärits auf der Münsterplattform. Der Weihnachtsmarkt stellt während der Adventszeit eine Ergänzung zum Handwerkermärit dar, der ab März jeden ersten Samstag im Monat abgehalten wird. Es sei wohl der grösste reine Handwerker-Weihnachtsmarkt in Europa, sagt Lehmann. «Dieser Superlativ geht gern vergessen.»

Treue Kunden

Der Märit, der auf eine über 30 Jahre alte Tradition zurückblickt, kann laut Lehmann auf eine treue Kundschaft zählen. Diese besteht aus Leuten, die den Märit gezielt wegen des exklusiven Angebots aufsuchen. Verkauft werden nämlich nur selber gefertigte Produkte, die der Hersteller persönlich feilzubieten hat. «Ich kann zu jedem Stück eine Geschichte erzählen», sagt Lehmann, der in Albligen eine Drechslerei betreibt.

Auch auf diesem Märit gibt es ein gastronomisches Angebot. Und auch hier ist es konzentriert. «Wir wollen ja nicht Glühwein verkaufen, sondern unsere Waren», sagt Lehmann. Er lobt das Berner System, bei dem der Betreiber des Glühweinstands verpflichtet ist, einen Teil der Einnahmen an die Infrastruktur zu bezahlen – einfach deshalb, weil er viel Umsatz erzielen kann.

Das sei nicht überall so, sagt Lehmann. Er verweist auf zahlreiche Weihnachtsmärkte in umliegenden Gemeinden, wo Handwerker und Händler mit ihren Ständen oft nicht viel mehr als eine Dekoration darstellten. Wenn sie dann noch teure Standmieten bezahlen müssten, «dann geht es nicht mehr auf».

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch