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Alkoholverwaltung zügelt von Bern nach Delsberg

Die Nachfolgeorganisation der Eidgenössischen Alkoholverwaltung (EAV) wird von Bern nach Delsberg verlegt, wie das Finanzdepartement am Montag mitteilte.

hjo
Die Eidgenössische Alkoholverwaltung (hier ein Ausstellungsraum an der Museumsnacht 2010) zieht nach Delsberg.
Die Eidgenössische Alkoholverwaltung (hier ein Ausstellungsraum an der Museumsnacht 2010) zieht nach Delsberg.
Franziska Scheidegger

Wie viele Mitarbeitende gezügelt werden, hängt vom Ausgang der Parlamentsdebatte zum Alkoholgesetz ab.

Die jurassischen Behörden hatten im Hinblick auf die bevorstehende Totalrevision des Alkoholgesetzes 2012 angefragt, ob die künftig zuständige Verwaltungseinheit in ihrem Kantonshauptort angesiedelt werden kann. Nun hat Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf diesem Wunsch im Sinne eines «Beitrags zur Entwicklung der regionalen Wirtschaft» entsprochen.

Heute zählt die EAV mit Sitz in Bern insgesamt 140 rechnerische Vollzeitstellen. Davon entfallen 35 auf die Alcosuisse, welche den Ethanolimport betreut. Alcosuisse soll privatisiert werden, weil das Ethanolimport-Monopol mit der Gesetzesrevision fallen soll. Letztere strafft auch die Bewilligungen, was weniger Aufwand bringen soll.

wie viel von den übrigen 104 EAV-Verwaltungsstellen genau nach Delsberg gehen, ist laut Behördensprechern derzeit noch offen. Gerechnet werde mit etwa 40 Arbeitsplätzen in Delsberg. Vom Rest werden einige - etwa Fachstellen - anderen Abteilungen zugeordnet. Bei manchen Aufgaben jedoch wie Informatik oder Personal werden Synergien erhofft.

Umzug frühestens 2017

Vorgesehen ist ferner, für den Vollzug des Bier- und des Tabaksteuergesetzes zuständige Arbeitsplätze mit nach Delsberg zu verlegen. Laut einem EAV-Sprecher geht es dabei um zusätzliche zehn Vollstellen.

Laut Finanzdepartement erfolgt der Umzug frühestens 2017. Den Betroffenen würden Unterstützungsmassnahmen angeboten, wie sie das Bundespersonalgesetz vorsehe. Dazu gehören unter anderem Umzugsgelder, Reisekosten oder Heimarbeits-Arrangements.

Die jurassische Kantonsregierung bedankte sich am Montag per Communiqué und versprach, der EAV-Nachfolgerin beste Bedingungen zu bieten. Die Verlegung werde den tertiären Sektor im Jura stärken, aber auch die welsche Präsenz in der Bundesverwaltung. Die EAV ist bereits seit 1929 in Delsberg präsent mit einem Alcosuisse-Ableger.

Kritik von Bern und Gewerkschaft

Die Berner Kantonsregierung hingegen sieht sich laut einem Communiqué übergangen: Die EAV-Verlegung widerspreche dem Raumkonzept Schweiz, das Bern als Politzentrum und Brücke zwischen den Landesteilen betrachte. Der Wegzug könnte einen Verlust wichtiger Know-How-Träger auslösen und dem ganzen Land schaden. Die Regierung will nun mit Widmer-Schlumpf «das Gespräch suchen».

Nicht glücklich über die Verlegung ist auch Garanto, die Gewerkschaft des Grenzwacht- und Zollpersonals: Die Dezentralisierung in den Jura verursache bloss zusätzliche Kosten und zusätzlichen Koordinationsaufwand, teilte Garanto mit. Diese «Filetierung der Oberzolldirektion» könne zudem Begehrlichkeiten andernorts wecken.

In seiner Medienmitteilung bedauert der Berner Gemeinderat den Wegzug. «Der Bund betreibt mit seinem Entscheid ohne Not eine Dezentralisierung der Verwaltung», kritisiert Alexander Tschäppät.

(SDA)

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