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AKW Mühleberg darf wieder ans Netz

Knapp drei Monate nach der Abschaltung und einer Nachrüstung hat das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspekorat (ENSI) die Anlage wieder freigegeben. Die linken Parteien sind erzürnt.

Bauarbeiten in der Aare zur Nachrüstung des AKW Mühleberg: Das Atomkraftwerk erfülle nun die Minimalanforderungen an die Sicherheit, urteilt das ENSI.
Bauarbeiten in der Aare zur Nachrüstung des AKW Mühleberg: Das Atomkraftwerk erfülle nun die Minimalanforderungen an die Sicherheit, urteilt das ENSI.
Adrian Moser

Derzeit sei die Wiederanfahr-Prozedur mit verschiedenen Tests im Gang, sagte BKW-Sprecher Antonio Sommavilla am Samstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Wann genau das AKW wieder ans Netz geht, konnte Sommavilla nicht sagen. Wenn die Tests erfolgreich seien, werde die Anlage aber «zeitnah» wieder in Betrieb genommen.

Nach der Atomkatastrophe von Fukushima hatte die BKW das AKW Mühleberg Ende Juni abgeschaltet. Sie war dadurch einer wahrscheinlichen Ausserbetriebnahme durch das ENSI zuvorgekommen. Grund waren Bedenken, dass bei einem extremen Hochwasser eine Wasserzuleitung verstopft werden könnte.

Minimum an Sicherheit

Anfang September hatte die Aufsichtsbehörde die geplanten Massnahmen als ausreichend beurteilt und die Freigabe nach deren Umsetzung in Aussicht gestellt. In den letzten Wochen waren beim AKW Mühleberg drei zusätzliche Ansaugstutzen bei der Kühlwasserentnahme aus der Aare eingebaut und weitere Sicherheitsmassnahmen umgesetzt worden.

Damit sei gewährleistet, dass die Wasserversorgung des Notstandgebäudes nach Eintreten eines Extremereignisses verstopfungssicher erfolge, schreibt das ENSI in einer Mitteilung vom Samstag. Die Aufsichtsbehörde hat die von der BKW durchgeführten Arbeiten inzwischen geprüft und abgenommen.

Damit erfüllt das AKW Mühleberg aber nicht mehr als die Minimalanforderungen an die Sicherheit. Für den Langzeitbetrieb fordert das ENSI ein zusätzliches Kühlsystem. Auf dem Prüfstand ist derzeit ein Kompaktkühler, der den Reaktor im Notfall mit Luft kühlen könnte.

Langzeitbewilligung ungewiss

Bis Ende März 2012 müssen alle Schweizer AKW zudem den Nachweis erbringen, dass sie einem Extrem-Erdbeben standhalten können und auch gegen einen dadurch verursachten Bruch eines Staudammes gewappnet sind. Erst danach entscheidet das ENSI über die Langzeitbewilligung für das AKW Mühleberg.

Weil die dafür nötigen Nachrüstungen wahrscheinlich Dutzende Millionen Franken kosten, ist ungewiss, ob der Betrieb des fast 40- jährigen Kraftwerks überhaupt noch rentabel ist. Die BKW will daher nächstes Jahr eine Wirtschaftlichkeitsprüfung durchführen.

Zu diesen Sicherheitsfragen hinzu kommt das ungelöste Problem der Risse im Kernmantel des AKW. Diese sind seit 1990 bekannt. 1996 liess die BKW Zuganker montieren, deren Tauglichkeit aber umstritten ist. Diesen Sommer wurden die Risse mit einem Ultraschallgerät untersucht. Die Ergebnisse dieser Überprüfung will die BKW erst bekannt geben, wenn das AKW wieder am Netz ist.

Ende 2010 legte der Energiekonzern dem ENSI zudem ein Konzept für die langfristige Sicherung des Kernmantels vor. Dieser Bericht wird von der Aufsichtsbehörde derzeit geprüft.

Linksgrün ist empört

Die SP, die Grünen und die jungen Grünen des Kantons Bern haben am Samstag mit Empörung auf den Entscheid des Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorats (ENSI) reagiert, der BKW die Wiederinbetriebnahme des AKW Mühleberg zu erlauben.

Die SP schreibt in einer Mitteilung, ENSI und BKW missachteten mit dem Wiederanschluss der Anlage ans Netz das Bedürfnis der Bevölkerung nach Sicherheit. Es bleibe ein «Gefühl der Ohnmacht», wenn nun das AKW wieder hochgefahren werde, obwohl die Kantonsregierung und mehrere Parlamente das Abschalten der Anlage gefordert hätten.

Die Grünen schreiben von einem «inakzeptablen Risiko» vor den Toren der Hauptstadt und für die jungen Grünen zeigt der Entscheid, dass «Profit vor Sicherheit» komme.

Das Komitee «Mühleberg ver-fahren», ein Zusammenschluss von Organisationen und Privatpersonen gegen das AKW, setzt seine Hoffnung auf Bundesrätin Doris Leuthard. Diese solle als Vorsteherin des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation die Betriebsbewilligung des AKW suspendieren.

(SDA)

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