Abrissbirne für den Biberbau

Am Dienstag wurde die Biberburg im Bueberseeli abgerissen. Der Bau steht der Sanierung im Weg. Bis zuletzt war unklar, ob sich darin noch Tiere befinden.

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Noch in der Morgendämmerung trifft Dienstag früh unter dem beleuchteten Bundeshaus im Berner Marzili die Abriss-Crew ein. Wildhüter, Biberschutz, Projektleiter und ein Baggerführer sind gekommen, um das Eigenheim der Bueber-Biber abzureissen.

Demnächst beginnen im Marzili die Arbeiten am neuen Zuflusskanal von der Aare in das Bueberseeli. Weil der sogenannte Bueber ausgebaggert und nach der Sanierung wieder von Schwimmern benutzt wird, muss die Biberfamilie, die da seit fünf Jahren wohnt, Platz machen. Ihr Bau steht im Weg. Weiter aareaufwärts, rund 50 Meter oberhalb der Monbijoubrücke, wurde für 30000 Franken bereits im September ein künstlicher Ersatzbau errichtet, in den die Tiere nun umziehen sollen.

Der Abbau ist eine heikle Angelegenheit. Eine Biberfamilie mit vier bis sechs Tieren lebt im Bueber, darunter zwei Jungtiere aus diesem Jahr. Im Umgang mit der Abrissbirne am Biberbau ist Fingerspitzengefühl gefragt. Die Stimmung ist angespannt. Es ist das erste Mal, dass ein Biberbau auf diese Weise rückgebaut wird.

Vorsichtige Zerstörung

Um acht Uhr instruiert Christof Angst, Leiter der Biberfachstelle, den Baggerführer. Auch Martin Schmid, zuständiger Wildhüter, kümmert sich um das Tierwohl. Mitgenommen hat er unter anderem ein grosses Fangnetz. «Sollten Tiere verletzt werden, fange ich sie ein, um sie pflegen zu können.»

Mit der Greifzange, die gezielt nur wenig Material aufs Mal aufnimmt, hebt der Baggerführer die obersten Äste der Biberburg behutsam ab. Niemand weiss zu diesem Zeitpunkt, ob sich noch Tiere im Bau befinden. Christof Angst steht dicht daneben. Sobald man durch kleine Löcher in die Wohnkammern der Biber-Familie sieht, zückt er seine Taschenlampe und leuchtet die Hohlräume aus. «Wir müssen den Bau so weit zerstören, dass die Tiere nicht mehr zurück können», sagt Angst. Das Allerwichtigste dabei sei die Unversehrtheit der Tiere.

Die Burg im Bueberseeli ist gross. Sie wurde 2013 in nur elf Tagen errichtet und seither laufend ausgebaut. «Als sie zum ersten Mal Junge hatten, erweiterten sie den Bau nach vorne», sagt Angst, der den Biber-Standort von Anfang an beobachtete. Ein Bau dieser Grösse könne mehrere Kammern aufweisen, sagt der Biologe und Biber-Experte.

Zerstört wird also eine langjährige Arbeit. Ist der Bau einmal errichtet, liegen die Biber nämlich keinesfalls auf der faulen Haut. Jedes Jahr wird er verbessert und stärker isoliert, indem neue Schichten aus Holz und Schlamm aufgetragen werden. Beim Abbau sind die einzelnen Schichten gut sichtbar.

Taucher im Kunstbau

Dem Biber ist offenbar nicht nach Umziehen zumute. Christof Angst entdeckt frisches Bibergeil – ein Sekret, mit dem Biber ihr Revier markieren. Bis zuletzt gehen der Wildhüter und der Biberfachmann davon aus, dass sich noch Tiere im Bau befinden. Erst als die letzte Wohnkammer aufgedeckt wird, ist klar: Die Biber haben die Gefahr gerochen und vorzeitig das Weite gesucht.

«Die Biber haben den Ersatzbau bereits entdeckt, auch die Jungen waren schon mehrfach da», sagt Angst. Der Experte hofft, dass sie nun dahin umziehen. Dank einer Kamera in der neuen Biberburg kann er das in den nächsten Tagen feststellen.

Beim künstlichen Bau oberhalb der Monbijoubrücke kam es Anfang Woche jedoch noch zu einem Zwischenfall: In der Nacht auf Montag drangen zwei Taucher in den neuen Biberbau ein. Das berichtet Christof Angst am Dienstag und stützt sich dabei auf die Aufnahmen der Überwachungskamera, die schon in Betrieb ist.

Angst mahnt die unvorsichtigen Taucher zur Vernunft. «Der Biber ist ein Wildtier. Wenn er sich bedroht fühlt, verteidigt er sich mit den Zähnen. In einem Bau ohne Fluchtmöglichkeit kann das gefährlich sein.» Für den Umzug der Biber in den Kunstbau sollte der ungebetene Besuch der Taucher laut dem Experten aber kein Problem darstellen. Auch sonst seien die Tiere eigentlich ungefährlich. (Der Bund)

Erstellt: 09.10.2018, 20:54 Uhr

Immer mehr Biber in Bern

Bei der letzten Bestandeserhebung im Winter 2015 lebten im Kanton Bern 765 Biber. Gegenüber der letzten Zählung 2008 hat der Biberbestand damit um 162 Prozent zugenommen. Seit 2015 dürfte es erneut mehr Biber gegeben haben. Christof Angst von der Biberfachstelle rechnet jedoch mit einem etwas langsameren Wachstum.

Knapp die Hälfte der Berner Biber ist in den Gewässern des Berner Mittellands angesiedelt. Insbesondere sind die Aare und die Gewässer des Seelands von Bibern bewohnt. Biber bevorzugen für ihre Bauten ruhige oder langsam fliessende Gewässer wie Seen oder Seitenarme von Flüssen.

Der Biber war im Kanton Bern ausgerottet, ehe er zwischen 1958 und 1977 wieder eingebürgert wurde. Im Gegensatz zu den Nachbarkantonen Aargau, Freiburg, Waadt und Wallis wurden in Bern hierzu keine Biber ausgesetzt. Seither wächst die Biberpopulation in Bern stetig. In anderen Kantonen zeichnet sich nun aber eine Sättigung ab. (nfe)

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