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Ab sofort ist Schluss mit Berner Stadtrundfahrten

Nach nur neun Monaten ist das neue Touristenbus-Konzept in Bern gescheitert. Der Firma Vistatour ist finanziell der Schnauf ausgegangen.

Ein Panoramabus fährt durch Bern. Die Fahrgäste vernehmen ab Band anderthalb Stunden lang Wissenswertes über historische Bauten, Mundartrock und Casanovas Poussagen. Mit diesem Konzept nahm die Firma Vistatour am Karfreitag vor einem Jahr ihre Fahrten auf. Markus Lergier, Direktor von Bern Tourismus (BET), begrüsste den «fahrenden Audioguide» als gute Ergänzung für die boomende Destination Bern.

In der Tat freute sich Bern 2009 über einen neuerlichen Logiernächterekord. Nicht aber der Vistatour-Touristenbus. Nur gut 4000 Personen hätten ihn benutzt, teilte Vistatour gestern mit. Aufgrund «mangelnder Liquidität» werde das Angebot per sofort eingestellt. Die Zeit habe nicht gereicht, um das Angebot zu verankern. In vielen Reiseführern ist der Bus noch nicht aufgeführt. Das eigentlich lukrative Gruppengeschäft ist ebenfalls mit einer grossen Vorlaufzeit verbunden: Touranbieter stellen das Programm oft mehr als ein Jahr im Voraus zusammen. Sowohl BET als auch die Berner Hotels versichern, sie hätten ihre Gäste konsequent auf das neue Bus-Angebot hingewiesen.

Bus zum zweiten Mal eingestellt

Stadtrundfahrten gab es in Bern schon einmal, doch wurde das Angebot im Frühling 2006 wegen zu geringer Nachfrage gestrichen. Sowohl BET als auch Berns Hotelbetriebe begrüssten darum die private Initiative des Startup-Unternehmens Vistatour. Das Hotel Bellevue-Palace etwa verkaufte die Sightseeing-Tour sehr oft – mit positivem Echo, wie Vize-Direktor Urs Grimm versichert. Der Wegfall sei bedauerlich, denn für gewisse Gäste gehöre eine Busrundfahrt dazu. Dies bestätigt Michael Keller, Leiter BET-Touristcenter: Für manche Touristen aus den USA, Indien, Japan, China oder Russland sei es ungewohnt, eine Stadt zu Fuss zu erkunden – wiewohl sich Bern dafür sehr gut eigne. Aus dem gleichen Grund hatte der Verband Hotellerie Bern und Mittelland von Anfang an gewisse Zweifel am Konzept. Zwar hätten die Hotels das Angebot begrüsst, sagt Geschäftsführerin Melitta Kronig, doch in anderthalb Stunden liessen sich Lauben, Zytglogge, Münster und Bärenpark auch ohne Bus gut besichtigen. Sowohl die Hoteliers als auch BET sahen keine Möglichkeit, dem Startup-Unternehmen mit Überbrückungsgeldern über die Durststrecke hinwegzuhelfen.

War es nicht zu ambitioniert, Gästen mit knappem Zeitbudget das Tscharnergut im Westen zeigen zu wollen? Kathy Bieri räumt ein, dass dies nicht für jeden Besucher Priorität habe. Sie habe Korrekturen geplant gehabt: Fotohalte etwa und verschiedene Routen. Dazu kommt es nicht mehr. Vistatour muss Konkurs anmelden. Der Aufbau einer Firma sei eine interessante Erfahrung gewesen, sagt sie. Auch wenn sie viel Geld verliere, sehe sie es nicht nur negativ.

Bei BET holt man derweil alte Pläne für eine Bimmelbahn aus der Schublade. Ein solcher «train touristique» verkehyrt seit Kurzem im Unesco-Weltkulturerbe La Chaux-de-Fonds. Lostuckern würde das Züglein frühestens 2011.

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