Ab 2016 fährt bei Bernmobil zusätzliches Sicherheitspersonal mit

Das Unternehmen befürchtet, dass sich die Sicherheitslage im ÖV verschlechtern könnte. Bernmobil baut darum eine eigene Security auf.

Ab 2016 sollen speziell ausgebildete Tram- und Buschauffeure für Sicherheit und Ordnung sorgen.

Ab 2016 sollen speziell ausgebildete Tram- und Buschauffeure für Sicherheit und Ordnung sorgen.

(Bild: Manu Friederich)

Adrian Müller@mueller_adrian

Wer sich künftig im Bus eine Zigarette ansteckt oder herumpöbelt, bekommt es mit Sicherheitsleuten von Bernmobil zu tun. Wie «Bund»-Recherchen zeigen, baut das Berner ÖV-Unternehmen eine eigene Security-Abteilung auf, den sogenannten Kontrolldienst Plus.

Speziell ausgebildete Tram- und Buschauffeure sollen als Kontrolleure fortan nicht nur Schwarzfahrer überführen, sondern auch für Ordnung in den Fahrzeugen sorgen. Sie dürfen etwa Personalien von Unruhestiftern einfordern oder Radaubrüder aus dem Tram werfen. «Unsere Mitarbeiter tragen aber vorerst weder Schlagstock noch Pfefferspray», betont Bernmobil-Sprecher Rolf Meyer.

Einsatz von Externen möglich

Die 21 Personen umfassende «Security-Abteilung» kostet Bernmobil rund 500 000 Franken pro Jahr. Das Unternehmen schafft dazu 2,5 zusätzliche Vollzeitstellen. Etwa bei Fussballmatches oder an der Fasnacht kann Bernmobil zudem Unterstützung anfordern: «Um Grossereignisse bewältigen zu können, ist ein Rückgriff auf externe Sicherheitsdienste denkbar», so Meyer weiter. Wenn es «brennt», kann die Bernmobil-Leitstelle den Sicherheitsdienst aufbieten. «Unsere Leute sind aber keine schnelle Eingreiftruppe. Sobald Gewalt im Spiel ist, wird weiterhin die Polizei alarmiert.»

Die Kompetenzen des Bernmobil-Sicherheitsdienstes sind im Bundesgesetz über die Sicherheitsorgane im ÖV geregelt, das seit 2013 in Kraft ist. Die Befugnisse sind weiterhin eingeschränkt: Im Unterschied zur Transportpolizei dürfen die Bernmobil-Mitarbeiter etwa keine Personen abführen.

Warum fährt Bernmobil überhaupt den Sicherheitsapparat hoch? Das Unternehmen befürchtet, dass sich die Sicherheitslage im öffentlichen Verkehr in den kommenden Jahren aufgrund «gesellschaftlicher Tendenzen» verschlechtern könnte. In einem Konzept von Bernmobil ist als Grund etwa die «hektische Betriebsamkeit der 24-Stunden-Gesellschaft», die längere Aufenthaltszeit in «unbekannten Räumen» oder der Wertezerfall aufgeführt. Daher geht das ÖV-Unternehmen davon aus, das sich das Sicherheitsgefühl der Passagiere verschlechtern könnte. «Für uns ist der Sicherheitsdienst eine präventive Massnahme. Wir wollen parat sein, wenn sich die Lage verschlechtern sollte», so Meyer.

Bislang sind etwa Übergriffe auf Passagiere selten. Im November 2012 pöbelten Unbekannte in Bern-West einen Mann im Tram an, zerrten ihn aus dem Fahrzeug und raubten ihn aus. Häufig fühlen sich hingegen die Fahrgäste von betrunkenen Passagieren belästigt. In einer Kundenbefragung von Bernmobil gab rund ein Viertel der Leute an, bereits einen Vorfall erlebt oder beobachtet zu haben, wie aus einer Antwort auf einen Vorstoss von BDP-Stadtrat Martin Mäder hervorgeht.

Viel Erfahrung mit der entsprechenden Klientel hat der Berner Nachtbus-Betrieb Moonliner: Pöbelnde Fahrgäste oder erbrechende Teenager gehören für die Chauffeure zum Berufsalltag. Wenn sich die Moonliner am Bahnhof Bern zur Abfahrt aufreihen, patrouillieren zwei Protectas-Sicherheitsleute. Diese fahren auf bestimmten Moonliner-Kursen mit. «Unsere Chauffeure kennen die Pappenheimer. Wenn eine Gruppe Stunk macht, können sie vor Ort den Sicherheitsdienst aufbieten», so Moonliner-Chef Marc Jaussi. Gravierende Vorfälle wie Prügeleien mit Verletzten seien aber sehr selten. «Es gibt daher keinen Grund, unser Sicherheitsregime anzupassen.»

Ruf nach Videoüberwachung

Auf Moonliner-Linien verkehren sowohl Fahrzeuge von Bernmobil wie auch Postauto. Diese sind im Gegensatz zu den Bernmobil-Bussen mit Videokameras ausgerüstet. «Es ist höchste Zeit, dass auch Bernmobil die Fahrzeuge mit Videoüberwachung ausrüstet», fordert BDP-Stadtrat Mäder. Für ihn ist der neue Sicherheitsdienst von Bernmobil in Anbetracht des «bescheidenen» Personalbestandes «eher ein Feigenblatt als eine griffige Sicherheitsmassnahme».

In der Vergangenheit hatte sich sowohl Bernmobil wie der Gemeinderat gegen Videoüberwachung ausgesprochen. In Stein gemeisselt ist dies aber laut Meyer nicht: «Wir überprüfen laufend, ob Kameras ins Sicherheitsdispositiv passen.»

Der Bund

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt