Die Aare ist gefährlich, vor allem für junge Ausländer

Ahnungslose Touristen und Asylsuchende unterschätzen gern die Risiken, die mit der Aare verbunden sind. Nun nimmt sich die Stadt dieser Zielgruppe an.

Die Aare in Bern wirkt harmlos – doch sie fordert regelmässig ihre Opfer.

Die Aare in Bern wirkt harmlos – doch sie fordert regelmässig ihre Opfer.

(Bild: Valérie Chételat (Archiv))

«Prävention kann man nicht messen», sagt Fritz Brünisholz, Chef Seepolizei der Kantonspolizei Bern. Zahlen gibt es natürlich trotzdem: Laut Statistik der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) ertrinken in der Schweiz jedes Jahr zwischen 40 und 50 Menschen. 9 von 10 dieser Unfälle ereignen sich dabei in Seen und Flüssen. An dieser Zahl hat sich seit zehn Jahren kaum etwas geändert. Letztes Jahr ertranken 20 Menschen in einem See, 24 in einem Fluss. Besonders auffällig ist allerdings die Aufteilung nach Geschlecht: Fünf von sechs Opfern waren Männer.

Und in der Berner Aare? Die Kantonspolizei sagt, sie führe dazu keine Statistik, ebenso wenig die SLRG. Bernhard Fleuti, Präsident der Berner Sektion, sagt, die Zahlen seien zu klein, um aussagekräftig zu sein. Pro Jahr habe man in der Berner Aare rund einen Toten zu beklagen. Meistens handle es sich um einen jungen Mann, der sich selbst überschätze und ortsunkundig sei.

Bloss nicht untergehen im Fluss

Letztes Jahr waren in Bern zwei Menschen beim Aareschwimmen ertrunken. Im Juli stieg ein 19-jähriger Südkoreaner beim Bärenpark trotz Verbotsschild in den Fluss. Bei der Nydeggbrücke ging der Tourist unter. Seine Leiche wurde eine Woche später gefunden – im Wohlensee. Einen Monat später, im August, geriet ein 36-jähriger Australier auf Höhe Marzili in Schwierigkeiten und versank im Wasser. Die sofort eingeleitete Suchaktion blieb erfolglos. Fünf Tage später wurde seine Leiche bei der Lorrainebrücke gefunden.

Tragisch ist auch der Fall eines 2015 bei der Monbijoubrücke ertrunkenen jungen Mannes dunkler Hautfarbe. Seine Leiche wurde zwar noch am gleichen Abend beim Stauwehr Engehalde gefunden – bis heute konnte er jedoch nicht identifiziert werden. Es sei etwas ganz anderes, Menschen aus einem Bassin zu retten als aus einem Fluss, sagt Fleuti.

Zehnsprachige Flugblätter

Zusammen mit der Stadt Bern und weiteren Partnerorganisationen beteiligt sich Fleuti an der Neuauflage der Präventionskampagne «Aare You Safe?». Unter dem Slogan «It’s not a game – Es ist kein Spiel» will die Stadt auf «spielerische Art und ohne Mahnfinger» darauf aufmerksam machen, dass das Schwimmen in der Aare kein Spiel sei. «Insbesondere» ansprechen möchte die Stadt mit der mehrjährigen Kampagne auch «fremdsprachige Aareschwimmer wie Touristen und Zuzüger», wie sie am Dienstag mitteilte.

Zusammen mit dem Kompetenzzentrum Arbeit hat die Stadt einen zehnsprachigen Flyer herausgegeben, welcher unter anderem in den Durchgangszentren verteilt wird. Ausserdem würden Ausflüge für Asylbewerber an die Aare organisiert, um vor Ort über die Gefahren aufzuklären. Sogenannte Badi-Supporter aus dem Asylbereich helfen auch dieses Jahr wieder in den Badis und an der Aare, die wichtigsten Botschaften zu übersetzen (siehe Box).

Game für junge Draufgänger

Vor sprachlichen Herausforderung steht auch Michael Keller, Vizedirektor von Bern Tourismus. Interessierten Touristen kann er mittlerweile die Flussregeln der SLRG in Arabisch oder in Tigrnya – der Sprache der Eritreer – aushändigen. Für nächstes Jahr sei zudem geplant, mit der SLRG zusammen spezielle Aareführungen anzubieten. Touristen sollen dabei Gelegenheit erhalten, mit Profis den «Ersteinstieg» zu wagen, sagt Keller. Ansonsten setzt man bei Bern Tourismus auf die Aufmerksamkeit der Einheimischen. Für die übrige Zielgruppe, also junge Männer, die sich selbst überschätzen, wird derzeit ein Handy-Game entwickelt.

Der Bund

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