Zwölf Millionen Seiten sind online

Ende 2015 hat die Nationalbibliothek 65 000 Laufmeter in ihren Magazinen und 10 Terabyte auf ihren Servern archiviert.

Die Bestände der Nationalbibliothek sind auch ausserhalb des Lesesaales zugänglich. (Archiv)

Die Bestände der Nationalbibliothek sind auch ausserhalb des Lesesaales zugänglich. (Archiv)

(Bild: Keystone)

«Das Internet ersetzt die Bibliotheken nicht, sondern bedient sich ihrer. Und umgekehrt bedienen sich die Bibliotheken des Internets», sagt Marie-Christen Doffey, Direktorin der Schweizerischen Nationalbibliothek (NB), im Vorwort des Jahresberichts 2015. 12,1 Millionen Seiten aus den Beständen der Allgemeinen Sammlung waren per Ende des letzten Jahr online zugänglich – darunter die ersten hundert Jahrgänge der Satirezeitschrift «Nebelspalter». Das klingt eindrücklich – die 12,1 Millionen Seiten machen jedoch nur gerade ein halbes Prozent der gedruckten Bücher-, Zeitungs- und Zeitschriftenbände aus.

Die Allgemeine Sammlung der Nationalbibliothek bestand Ende 2015 aus rund 4,5 Millionen Einheiten, knapp 2 Prozent mehr als im Jahr 2014. Den grössten Teil machten die rund drei Millionen Bücher aus, gefolgt von 878 006 Zeitungs- und Zeitschriftenbänden. Neben der eigentlichen Bibliothek und dem Schweizerischen Literaturarchiv in Bern umfasst die NB auch das Centre Dürrenmatt in Neuenburg und die Schweizer Nationalphonothek in Lugano. Der Bund finanzierte die NB im Jahr 2015 mit 36,2 Millionen Franken.

«Linked open data»

In der Allgemeinen Sammlung enthalten sind auch rund 45 000 original elektronische Publikationen wie E-Books und Websites und deren bibliografische Beschreibungen. Rund ein Viertel davon kam im letzten Jahr dazu. Dieser Sammlungsteil besteht seit 2008 und wächst am schnellsten. Die originalen elektronischen Publikationen sind allerdings schwierig zu archivieren, weil sie nicht nach einheitlichen Standards hergestellt werden. «Die Konsequenz ist», so Direktorin Marie Christine Doffey, «dass original elektronische Information in Gefahr ist, eines Tages unwiederbringlich zu verschwinden.»

Die Naturwissenschaften, die technischen und die medizinischen Wissenschaften, in denen fast nur noch elektronisch publiziert werde, tun das laut Doffey mit dem Risiko, «ihre Geschichte zu verlieren». Die Nationalbibliothek befindet sich deshalb in ständigem Austausch mit Fachleuten aus aller Welt, um die digitale Langzeitarchivierung voranzubringen. Mit zahlreichen Partnern betreibt die NB das Webarchiv Schweiz, in dem für die Schweiz relevante Websites archiviert werden. In Zukunft werden Bibliotheken und Internet in der Verknüpfung von Informationen noch stärker zusammenwirken: Das Stichwort dazu heisst «linked open data». Die Bibliotheken stellen nicht nur Inhalte online, sondern öffnen auch ihre Kataloge für die Suchroboter.

Muschgs Vorlass

Das Schweizerische Literaturarchiv (SLA) wies per Jahresende 353 Archive und Nachlässe von Autoren und Autorinnen, Gelehrten und Verlagen auf; davon sind derzeit 150 in Online-Inventaren erschlossen. 2015 kamen unter anderen das Archiv des Verlags Urs Engeler Editor und das Privatarchiv der Verlegerin Renate Nagel neu hinzu. Der Schriftsteller Adolf Muschg übergab als «Vorlass» den zweiten Teil seines Archivs, das sowohl die nach Ende 1999 entstandenen literarischen Dokumente sowie die Korrespondenz aus demselben Zeitraum enthält.

Ebenfalls als Schenkung konnte das SLA Briefkonvolute und Dokumentationen zum Schaffen des 2012 verstorbenen langjährigen «Bund»-Literaturredaktors Charles Cornu entgegen nehmen. Aus dem Nachlass des Schweizer Dichters Hermann Burger (1942–1989) erarbeitet das SLA in Zusammenarbeit mit dem Cologne Center for eHumanities die digitale Erstausgabe von Burgers erstem Roman «Lokalbericht».

DerBund.ch/Newsnet

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