Zwischennutzung der Kaserne im Breitsch nimmt Form an

Das Quartier sammelt erste Ideen für die nahe Zukunft der Feuerwehrkaserne.

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In der Ideenküche der Quartierbevölkerung vom Breitenrain brodelt es. Am Samstag trafen sich rund achtzig Leute auf Geheiss der Quartierkommission Dialog Nordquartier in der Aula der Gibb, um erste Vorstellungen für die dreijährige Zwischennutzungsphase der alten Feuerwehrkaserne zu diskutieren.

Der Co-Präsident der Quartierkommission, Manfred Leibundgut, zeigte sich an der Veranstaltung «absolut überwältigt» vom Ideenreichtum der Quartierbevölkerung. Neben dutzenden von Vorschlägen im Gastronomiebereich gingen bei Leibundgut auch Ideen für Quartierwerkstätten, einen Begegnungsraum für YB-Fans oder eine mehrsprachige Bibliothek ein. Stolze 1700 Quadratmeter wird die Bevölkerung für ihre Projekte dereinst zur Verfügung haben – bis auf dem ehemaligen Areal der Berufsfeuerwehr ab 2018 unter anderem Wohnungen entstehen sollen.

Ein Geschoss voller Hobbyräume

Die Räume zur Zwischennutzung bezeichnet Leibundgut als «attraktiv»: Da sind neben der grossen Halle, wo bis zum Umzug der Berufsfeuerwehr im Dezember Feuerwehrautos stehen, der denkmalgeschützte Turm, der früher zur Trocknung der Wasserschläuche diente, das Untergeschoss, welches mit diversen Werkräumen und Ateliers ausgestattet ist oder der Innenhof, der beispielsweise Platz für Urban Gardening bietet. Klar ist für die Workshopteilnehmenden deshalb, dass Teile der alten Infrastruktur, wo sinnvoll, unbedingt erhalten bleiben sollen.

So könnte im Untergeschoss dereinst ein Paradies aus verschiedenen Reparatur- und Bastelwerkstätten entstehen, wo Grossväter mit Enkelinnen an Kinderwagen schrauben und Künstler gerade auch die Requisiten für verschiedene Performances im Kasernenturm herstellen. Ebenfalls Konsens herrschte bei den meisten Anwesenden darüber, dass sie sich einen Ort wünschen, wo es «keinen Konsumzwang» gibt, wo ein «ungezwungenes Zusammensein» möglich ist. Ein solches wünschen sich die Quartierbewohner auch mit den Asylsuchenden, die im Februar 2015 ebenfalls in die Feuerwehrkaserne einziehen werden. Grossrat Hasim Sancar (Grüne), sprach an der Veranstaltung davon, dass die Einbindung der Flüchtlinge in Projekte ein «leuchtturmhaftes Beispiel für andere Gemeinden» sein soll.

Ideen trotz Planungsunsicherheit

Vier Jungunternehmer möchten im Gebäude aus den 30er-Jahren dereinst einen Co-Working-Space erschaffen, wo Leute in einem Grossraumbüro «ihre eigenen Projekte verfolgen, sich aber auch gegenseitig inspirieren» können. Und drei junge Frauen mit schweizerisch-afrikanischen Wurzeln möchten ein afrikanisches Bistro eröffnen. «Die Idee hatte wir schon lange, nun könnte unsere Umsetzung konkret werden», so eine der drei Frauen. Gerade die dutzenden von Gastroideen stellen jedoch auch eine Herausforderung dar: Nicht alle geplanten Projekte lassen sich einfach in die bestehende Gebäude integrieren, es müssten beispielsweise Küchen und Kühlräume eingebaut werden. Wegen nötigen Grossinvestitionen entsteht so eine gewisse Planungsunsicherheit für die Zwischennutzer. Idealerweise würde ein späterer Investor die Projektbauten auch gerade übernehmen, sagt Quartierkommissionspräsident Leibundgut. Ob und in welchem Rahmen die Stadt, die Besitzerin der Kaserne ist, sich an den Umbaukosten beteiligen wird, ist noch offen.

Eine weitere Herausforderung wird die Koordination der Projekte werden. Denn auch Sportvereine und Gewerbebetriebe haben ihre Ideen angekündigt, so etwa Adrian Iten von der Bar Adrianos, der in der Kaserne eine Kaffeerösterei installieren möchte. Damit die Stadtverwaltung einen Ansprechs- und Vertragspartner hat, wird gegen Ende November der Verein «Leuchtturm» gegründet. In welchem Rahmen der Mietvertrag zwischen diesem und der Stadt ausfallen wird, ist noch unklar. Die Stadt wird für die Endnutzung der Kaserne unlängst einen Investoren- und Planungswettbewerb für das Areal lancieren, wie Marc Lergier von Immobilien Stadt Bern sagt. Der Dialog Nordquartier wird in der Jury Einsitz nehmen. Für Leibundgut ist deshalb klar: «Wir wollen einem künftigen Investor einen wunderbar eingespielten Nutzungsmix präsentieren, der allenfalls auch übernommen werden kann.» (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 01.11.2014, 12:50 Uhr

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