Zu rosige Angaben im Abstimmungsbüchlein?

Mit Trams können auf der Linie 10 erheblich mehr Personen transportiert werden – aber nicht so viele mehr, wie im Abstimmungsbüchlein von Bern steht.

Das Abstimmungsbüchlein verspicht mehr über die Tramleistung als es eigentlich halten kann.

Das Abstimmungsbüchlein verspicht mehr über die Tramleistung als es eigentlich halten kann. Bild: Adrian Moser

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Die Berechnungen des «Bund» zu den Kapazitäten von Trams und Bussen zeigen: Moderne Trams können, anders als viele Gegner der Vorlage annehmen, erheb­lich mehr Fahrgäste transportieren als die Busse, die heute auf der ­Linie 10 verkehren. Die Ergebnisse liegen jedoch auch unter den Angaben der Behörden, zum Beispiel im offiziellen Abstimmungsbüchlein des Berner Stadtrats.

In der definitiven Version, die demnächst an die Berner Stimmberechtigten verschickt wird, wurden die Angaben immerhin relativiert und damit als Grös­senordnungen ausgewiesen. «Die modernen Trams von Bernmobil sind 42 Meter lang und können rund 2,5 Mal mehr Fahrgäste transportieren als ein heutiger Bus», steht dort. Das wären, wenn man mit Trams im 6-Minuten-Takt und heutigen Bussen im 3-Minuten-Takt rechnet, «rund» 25 Prozent mehr Kapazität. Gemäss der Berechnung des «Bund» mit einem 43-Meter-Tram, das in Basel eingesetzt wird, sind es dagegen bloss 17 Prozent mehr.

«Gerundete Angaben verwendet»

Leicht unterschätzt wird im Abstimmungsbüchlein der Stadt Bern zudem die Kapazität der grossen Doppelgelenkbusse, welche viele Gegner der Tramvorlage als Alternative sehen. Sie hätten «nur gut die Hälfte» der zusätzlichen Kapa­zität der modernen Trams. Also «gut» 12,5 Prozent, was in Zahlen wohl heissen würde: 13 Prozent oder ein wenig mehr. Laut der «Bund»-Berechnung würden solche Grossbusse 14 Prozent mehr Kapazität aufweisen. Dies stützt sich auf das Beispiel eines Doppelgelenk-Trolley­busses, den Luzern beschafft hat.

Hat die Stadtratsmehrheit also in der offiziellen Information der Stimm­berechtigten die Kapazitäten zu tramfreundlich dargestellt? «Das war jedenfalls nicht die Absicht», sagt der Referent der zuständigen Stadtratskommission und Trambefürworter Daniel Klauser (GFL). Solche Berechnungen, auch jene des «Bund», «weisen zwangsläufig Unschärfen auf», da die Ergebnisse von den gewählten Beispielen abhängig sind. «Schon aus Gründen der Verständlichkeit haben wir gerundete Angaben verwendet, dies dann aber mit den Adjektiven ‹rund› und ‹gut› auch so deklariert.» Man habe, so Klauser, die Relativierung in der Endredaktion der Abstimmungsinformation bewusst eingefügt. (Der Bund)

Erstellt: 28.08.2014, 08:18 Uhr

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