Wieder Montag: Wenn Frau Merkel die Essenszeit bestimmt

Wieder Montag

Der 31-jährige BEKB-Angestellte Thomas Meier handelt mit Währungen. Disziplin sei das A und O im Handelsgeschäft, sagt er.

Von seinem Pult aus schickt Thomas Meier Währungen um die Welt.

Von seinem Pult aus schickt Thomas Meier Währungen um die Welt.

(Bild: Adrian Moser)

Matthias Raaflaub

Es ist fast eine kleine Weltreise vom Eingang des BEKB-Betriebsgebäudes in Liebefeld hinauf in den Handelsraum im Obergeschoss. Oben im Grossraumbüro ein Meer von Computerbildschirmen. Hier weht der Wind der globalen Märkte. Edelmetalle, Obligationen, Aktien, Derivate und Währungen werden hier gehandelt. Die globale Finanzwelt schrumpft auf rund hundert Quadratmeter. Am Pult von Thomas Meier, dem Leiter Devisenhandel, sind auf den Bildschirmen Tabellen, Zahlenreihen, «Kurs-Charts» zu sehen. Aber wer die Betriebsamkeit erwartet, welche die Nachrichten von der Wallstreet in die Wohnzimmer senden, liegt falsch. Es ist an jenem Vormittag ruhig, das Klacken der Tastaturen wird nur ab und zu von einem Kommentar unterbrochen.

Devisenhandel. Was heisst das? Thomas Meier verkauft und kauft Währungen. «Meine Aufgabe ist es, mit einer Bank einen Preis für einen Tausch auszumachen und den gewünschten Handel auszuführen.» Die Auftraggeber sind im Falle der BEKB viele kleine und mittlere Unternehmen. Hat eine Firma Rechnungen in Millionenhöhe in fremder Währung zu begleichen, spielt es für sie schnell eine Rolle, ob sie für einen Euro 0,5 Rappen mehr oder weniger bezahlt. Darum kauft sie die Währungen zu einem möglichst günstigen Zeitpunkt am Devisenmarkt ein.

Meier verfolgt auf seinem Computer die Veränderung der Wechselkurse in der dritten und vierten Kommastelle. Ein Programm verrät ihm jederzeit die höchsten und tiefsten Preise, die Banken irgendwo auf der Welt für ein Währungstauschgeschäft bieten. Die Jonglage von Währungen reicht von Zürich bis nach New York oder Shanghai. Millionentransfers sind Standard. Damit ein Geschäft sich sofort auf den Devisenkurs niederschlägt, muss es schon gigantische Ausmasse haben.

Er müsse es gleich sagen, meint Meier, der vom persönlichen Erfolg getriebene Trader nach Hollywood-Vorbild sei er nicht. Am nächsten an diese Szene kam er, als er in jüngeren Jahren am Frankfurter Börsenplatz tätig war. «Es braucht auch Glück und Mut», sagt Meier zu den Anforderungen für einen Händler. «Wichtiger sind aber Flexibilität und Disziplin.» Flexibilität, weil es nichts bringe, «gegen den Markt zu handeln». Ob der Händler richtig entschieden habe, entscheide am Ende der Kurs. «Die nackte Zahl zählt», meint Meier. Disziplin sei nötig, weil es auch einmal Tiefschläge wegzustecken gelte. Ruhe und Distanz zu wahren ist Meiers erstes Credo. Sonst könnte man in einen Strudel kommen, wo man nach einem Fehlentscheid einen weiteren fällt, sagt er. Entspannung findet der 31-Jährige beim Sport, beim Eishockey- oder Golfspielen. Er hat zwar reguläre Arbeitszeiten, hält sich aber auch laufend über die Börse im Bild.

Meier spürt die aktuelle Hektik der Marktteilnehmer und die Unbeständigkeit der Wechselkurse hautnah. «Psychologie spielt an der Börse eine grosse Rolle», erklärt er. Weil etwa im Zuge der aktuellen Schuldenprobleme Volkswirtschaften auf den Märkten intervenieren, würden diese grundsätzlich schwieriger prognostizierbar.

Dass in den Märkten nicht alles so läuft, wie es das Wirtschaftslehrbuch verspricht, zeigt sich tagtäglich. An jenem Vormittag werden neue Zahlen zu den Aufträgen der europäischen Industrie erwartet. Die Wirtschaftsagentur hat die Prognose gestellt, dass sie um 0,5 Prozent steigen. Punkt 10 Uhr schlägt die Realität ein: Minus 0,7 Prozent. Eine Enttäuschung. «Jetzt müsste der Wert des Euro eigentlich sinken», sagt Meier und deutet auf die zweistellige Zahl auf dem Computer. Sie bewegt sich, aber andersrum. Der Euro legt eher zu, als dass er fallen würde. Zu stark ist das Vertrauen von Anlegern und Spekulanten, dass die Währung nicht abstürzen wird. Bestärkt hat sie die Nachricht vom Morgen, dass die Europäische Zentralbank nun auch italienische Staatsanleihen kauft. «Dass hier kein Tag wie der andere ist», sei der Reiz an seinem Beruf, sagt Meier. In einer hitzigen Zeit wie jetzt könne es aber passieren, dass keine Zeit für das Mittagessen bleibe, weil gerade eine neue Erklärung eines Staatschefs aus dem Euro-Raum am Devisenmarkt für Unruhe sorge.

Der Bund

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