Wer mit Ausdauer studiert, zahlt doppelt so hohe Studiengebühr

Mit höheren Semestergebühren sollen Langzeitstudierende an der Uni Bern verhindert werden. Die Studentenschaft fordert die Abschaffung der Regelung.

Ab dem neunten Jahr an der Universität Bern beträgt die Studiengebühr satte 12'000 Franken.

Ab dem neunten Jahr an der Universität Bern beträgt die Studiengebühr satte 12'000 Franken. Bild: Valérie Chételat

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Exponentielles Wachstum bleibt an der Universität Bern nicht länger mathematische Abstraktion: Die Universitätsleitung verdoppelt die Gebühren für Langzeitstudierende neu jedes Semester. Damit setzt die Universität einen Entscheid des Regierungsrates im Rahmen der vereschärften Studienverordnung von 2012 um. Der Regierungsrat ist für die Höhe der Studiengebühren verantwortlich.

Von der Regelung sind Studierende betroffen, die nach sechs Jahren keinen Abschluss erlangt haben. Das siebte Jahr an der Universität Bern ohne Abschluss wird demnach 1500 Franken kosten, das achte Jahr bereits 6000 Franken, das weitere Semester 12'000 Franken. «Damit wollen wir einer neuen Form von Langzeitstudium entgegenwirken», sagt Christoph Pappa, Generalsekretär der Universität Bern.

Denn mehr als 12 Semester seien weder für die Volkswirtschaft noch für die Universität und letztlich auch für die Studierenden selbst nicht sinnvoll. Gegen 300 Studierende könnten bei der Umsetzung ab Herbst 2015 betroffen sein.

Es sei aber noch unklar, wie viele dieser Studierenden bis dann abgeschlossen haben oder durch eine Härtefallklausel von den verdoppelten Studiengebühren befreit werden. «Etwa wenn jemand nach sechs Semester wegen einer nicht bestandenen Prüfung vom Studiengang ausscheidet und danach ein neues Studium beginnt, kann die Härtefallklauses angewendet werden», sagt Uni-Generalsekretär Pappa.

«Auf Erwerbsarbeit angewiesen»

Erwirkt hat die Sonderregelung die StudentInnenschaft der Universität Bern (Sub). Luisa Jakob, Vorstandsmitglied der SUB, ist ob der neuen Regelung gar nicht erfreut. «Etwa 90 Prozent der Studierenden gehen einer Erwerbstätigkeit nach», sagt Jakob. Wer auf ein regelmässiges Einkommen angewiesen sei, müsse das Studium oft zu Gunsten der Erwerbsarbeit hintenan stellen – denn es muss möglich sein neben dem Studium einer Erwerbstätigkeit nachzugehen.

Unerwartete Elternschaft, persönliche Schicksalsschläge oder ein plötzlicher Ausfall von finanziellen Zuschüssen können legitime Gründe für eine lange Studienzeit sein. Zudem sei die neue Regelung ungerecht, weil sich Studierende aus reichem Hause die Gebühren trotzdem leisten könnten. «Das einzig Richtige ist deshalb die Abschaffung der Regelung», so Jakob. (Der Bund)

Erstellt: 16.12.2014, 18:57 Uhr

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