Wer hat die polnischen Gedenkplaketten gestohlen?

Im Wald in der Elfenau treiben unbekannte Vandalen ihr Unwesen. Schon wieder wurde eine polnische Gedenkplakette gestohlen.

Zwei Polen im Gedenken an die Opfer von Katyn: Marek Wieruszewski (links) und Jacek P. Rosa.

Zwei Polen im Gedenken an die Opfer von Katyn: Marek Wieruszewski (links) und Jacek P. Rosa. Bild: Valérie Chételat

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Im Berner Elfenauhölzli kam es in den letzten zwei Jahren zu einer Serie rätselhafter Vandalenakte: Unbekannte haben wiederholt eine Gedenkplakette gestohlen. Diese erinnert an den Polen Julian Gruner, der 1940 beim Massaker von Katyn (siehe Faktenbox) umgebracht wurde. Gestern wurde die Plakette zum nunmehr vierten Mal installiert – mit neuen Sicherheitsvorkehrungen, wie Peter Kuhn gegenüber DerBund.ch/Newsnet sagt.

Kuhn ist für die Baumpatenschaften im Elfenauhölzli zuständig. Interessierte können für 500 Franken ein Bäumchen setzen lassen und dieses für weitere 100 Franken mit einer Plakette versehen, um etwa eines Fests oder Verstorbener zu gedenken. Im Falle der Katyn-Plakette liegt der Fall etwas anders: Sie wurde an einem Stein befestigt, gleich neben einer Eiche, deren Patenschaft das polnische Konsulat und die polnische Schule Bern übernommen hat.

Kuhn entdeckte den ersten Diebstahl im Februar 2011. Der nächste folgte im Dezember desselben Jahres, der letzte liegt erst vier Monate zurück. «Wir betreuen mittlerweile etwa 200 Baumpatenschaften», sagt er. «Von einem ähnlichen Fall habe ich noch nie gehört.» Damit die Vandalen in Zukunft keinen Erfolg mehr haben, wurde die neue Plakette auf spezielle Art und Weise an den Stein festgeschraubt. Der Stein wurde zudem im Boden verankert. Die Stadtgärtnerei hat bereits 2011 Anzeige gegen Unbekannt erhoben. Die Polizei konnte den oder die Täter bislang aber nicht ausfindig machen, wie es gestern auf Anfrage hiess.

Politische Motive vermutet

Konsternation über die Vandalenakte herrscht beim Ehepaar Marek Wieruszewski und Joanna Wieruszewska, den Paten der Katyn-Gedenktafel und der Eiche. Er ist polnischer Konsul bei der Botschaft Polens in Bern, sie Leiterin der polnischen Schule. Beide vermuten ein politisches Motiv. «Jemand will verhindern, dass die Berner etwas über das Katyn-Massaker erfahren», sagt der Konsul. Daher habe er sich entschieden, die Öffentlichkeit zu informieren. «Das ist genau das, was der oder die Täter nicht wollen.» Wieruszewski geht von mehreren Leuten aus, da bei einem der Diebstähle auch der Stein, an dem die Plakette befestigt war, weggerollt wurde. «Das Ding ist sehr schwer, das hätte einer alleine kaum geschafft.»

Der Stein stammt übrigens aus der Heimat des eingangs erwähnten Katyn-Opfers Gruner. Dessen Tochter habe ihn 2010, als die Gedenk-Eiche gepflanzt wurde, nach Bern gebracht, sagt Schulleiterin Joanna Wieruszewska. Julian Gruner war Kinderarzt und Sportler. Vor dem Krieg spielte er in der Schweiz Eishockey. Im Spätsommer 1939 zog ihn die polnische Armee ein. Kurz darauf geriet der Feldarzt in sowjetische Gefangenschaft, aus der er nie zurückkehrte. (Der Bund)

Erstellt: 16.03.2013, 09:37 Uhr

Massaker in Polen

Die Elfenauer Plakette gehört zum Projekt Eichen der Erinnerung (Dab pamieci). Polnische Schulen auf der ganzen Welt pflanzen Bäume, um damit der Opfer des Massakers von Katyn zu gedenken.

Im September 1939 besetzten sowjetische Truppen Ostpolen, während Nazi-Deutschland den Westteil eroberte. Die russischen Besatzer erschossen im Frühling 1940 über 20'000 Polen, darunter zahlreiche Offiziere und Intellektuelle. Eine der Tötungsaktionen fand in der Nähe des russischen Dorfs Katyn statt, das dem ganzen Massaker den Namen gab.

Die deutsche Wehrmacht hob die Massengräber 1943 aus. Für die UdSSR, die den Zweiten Weltkrieg als gerechten «Vaterländischen Krieg» gegen Hitlers Vernichtungsfeldzug sah, waren die Funde unwillkommen. Sie versuchte das Massaker den Nazis anzulasten.

Erst 1990 anerkannte Staatschef Michael Gorbatschow das Massaker als sowjetisches Verbrechen.

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