Weitere Abgänge erschüttern Kulturförderung

Innerhalb eines halben Jahres haben sechs Angestellte der Abteilung Kulturförderung gekündigt – wegen Differenzen mit der Leitung. Kulturdirektor Bernhard Pulver versucht, die Wogen zu glätten.

hero image

(Bild: Orlando)

Reto Wissmann@RetoWissmann

«So viele Abgänge dürfte es nicht geben», sagt Kulturdirektor Bernhard Pulver (Grüne). Gemäss Recherchen des «Bund» haben innerhalb eines halben Jahres sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der kantonalen Abteilung «Kulturförderung deutsch» gekündigt. Mehr als die Hälfte der Angestellten nimmt in den nächsten Wochen den Hut oder hat das Büro bereits geräumt.

Bereits vor zwei Jahren hatte ein Beben die Abteilung erschüttert. Jacqueline Strauss hatte als Leiterin gekündigt, ihr Stellvertreter Silvan Rüssli wurde wegen «interner Differenzen auf der Verhaltensebene» entlassen (siehe Zweittext links). Die neue Chefin, Barbara den Brok, sollte die Abteilung wieder auf Kurs bringen. 15 Monate nach ihrem Amtsantritt kommt es nun aber zum Massenexodus. «Wir schauen diese Probleme genau an», sagt Bernhard Pulver, für den die Querelen langsam zur politischen Hypothek werden.

Die genauen Ursachen des Konflikts sind schwierig zu eruieren. Hinter vorgehaltener Hand wird viel Kritik am Führungsstil von Barbara den Brok und ihrem Umgang mit Mitarbeitenden geäussert. Eine konstruktive Zusammenarbeit mit ihr sei kaum möglich – insbesondere wenn unterschiedliche Meinungen aufeinanderträfen.

Déjà-vu in Baselland

Ähnliches ist aus dem Umfeld des Kantonsmuseums Baselland zu hören, das den Brok vorher während sieben Jahren geführt hatte. Unter ihrer Leitung sei ein eingespieltes Team auseinandergefallen, sagen Insider. Der Baselbieter Kulturdirektor Urs Wüthrich liess zum Abschied eine spitze Bemerkung fallen: An ihren direkten Führungsstil hätten sich sicher einige gewöhnen müssen, sagte er laut «Basler Zeitung». Und in der «Basellandschaftlichen Zeitung» liess sich die 44-jährige den Brok so zitieren: «Manchmal will ich zu viel und dies zu schnell. Ab und zu müsste ich mich auch nach den anderen umschauen.»

In Bern konnten sich viele mit diesem Stil nicht anfreunden. Gekündigt haben nicht nur einfache Angestellte, sondern auch der stellvertretende Leiter der Abteilung. Er hatte sein Amt vor weniger als einem Jahr angetreten. Gegenüber dem «Bund» wollte von den Abgängern niemand Stellung nehmen.

Bernhard Pulver bedauert die vielen Wechsel in der Abteilung für Kulturförderung, betont jedoch, dass alle sechs Personen selber gekündigt hätten. «Eine Zeit lang war ich optimistisch, dass sich die Situation in der Abteilung Kulturförderung beruhigt hat», sagt der derzeitige Regierungspräsident. Als er über die Kündigungswelle informiert worden sei, habe er zunächst schon «leer geschluckt». Zu einzelnen Personen kann er sich nicht äussern. Die grundsätzliche Ursache des Problems sieht er aber nicht beim Führungsstil seiner heutigen Chefbeamtin. Viel eher seien es Nachwehen «von Führungsproblemen aus früheren Zeiten». Die neue Amtsvorsteherin, Anita Bernhard, habe diese in den letzten zwei Jahren angepackt. Die Unruhen in der Bernhard unterstellten Abteilung seien Spätfolgen davon.

Pulver will nun aber nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Er habe Amtsvorsteherin Bernhard beauftragt, dem Problem auf den Grund zu gehen. «Sie hat mein volles Vertrauen», sagt der Kulturdirektor. Welche Massnahmen genau ergriffen wurden, will er hingegen nicht sagen. Das sei «selbstverständlich vertraulich». Bernhard und den Brok nehmen persönlich keine Stellung.

Städte beklagen sich

Die Streitigkeiten in der Abteilung Kulturförderung sind mehr als ein verwaltungsinternes Personalproblem. Kulturverantwortliche von Städten und einige Regionalkonferenzen stellen zunehmend Probleme in der Zusammenarbeit fest. Auch hier will niemand namentlich zitiert werden, schliesslich müsse man weiter mit den Chefbeamtinnen zusammenarbeiten. Problematisch sei vor allem, dass ständig die Ansprechpartner wechselten, hört man aus den Städten. Kaum kenne jemand die Geschäfte und Institutionen, gebe es schon wieder einen Wechsel. Auch von einem Rückstau bei der Behandlung von Gesuchen nach Förderbeiträgen ist die Rede. Und schliesslich wird bemängelt, dass im Amt für Kultur kaum mehr jemand mit der bernischen Kulturszene vertraut sei. Amtsvorsteherin Bernhard leitete früher das Kontraktmanagement im Sozialdepartement der Stadt Zürich, und Abteilungsleiterin den Brok hat Geologie und Geografie studiert und sich auf Vulkanologie spezialisiert.

Kulturdirektor Pulver kennt die Sorgen der Städte und Regionalkonferenzen wegen der ständig wechselnden Ansprechpartner: «Den Know-how-Verlust bedaure ich sehr.» Klagen über eine schlechte Arbeit von Amt oder Abteilung seien ihm bisher keine zu Ohren gekommen. Von der Politik erhalte er sogar positive Rückmeldungen. Die Geschäfte seien besser vorbereitet als früher. Dass der Grosse Rat den Projektierungskredit für das Stadttheater Bern als überrissen empfand, den Beitrag an die Unterhaltsarbeiten des Zentrums Paul Klee gar nicht behandeln wollte und bei den Mehrkosten für die Erweiterung des Historischen Museums ebenfalls zusätzliche Abklärungen forderte, ist laut Pulver nicht auf die Vorbereitungen im Amt für Kultur zurückzuführen.

Dass drei Jahre nachdem Pulver eine neue Amtschefin eingesetzt hat, eine Abteilung immer noch in Aufruhr ist, beschäftigt den Kulturdirektor. Er sagt: «Kulturveränderungen brauchen meist mehrere Jahre. Ich bin überzeugt, es wird uns gelingen, Ruhe und Stabilität in die Kulturförderung zu bringen.»

Der Bund

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt

Loading Form...