Weihnachtsmusik einmal anders

Die Berner Kantorei in Zusammenarbeit mit der Zürcher Kantorei zu Predigern und dem Collegium musicum sang im Berner Münster unbekannte Weihnachtsmusik.

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Es ist immer eine wohltuende Abwechslung, wenn sich einmal ein Ensemble in der Dezemberzeit abhebt von all dem obligaten vorweihnächtlichen Mainstream, sich fort wagt von all den klingenden Namen, die scheinbar die Adventszeit für sich gepachtet haben.

So tat es am vergangenen Wochenende die Berner Kantorei in Zusammenarbeit mit der Zürcher Kantorei zu Predigern und dem Collegium musicum unter der Leitung von Johannes Günther. Sämtliche Werke stammten dabei aus der Feder von barocken Komponisten aus Dresden und erfuhren ihre erstmalige Aufführung in der Schweiz.

Und dieses Programm aus unbekannter Weihnachtsmusik enthielt durchaus die eine oder andere lohnenswerte Entdeckung, zum Beispiel gleich zu Beginn die Missa Nativitatis Domini von Zelenka: eine ungemein pastorale und empfindsame Zelebrierung der Geburt Jesu, der die Ausführenden hinsichtlich Klanglichkeit und Stilistik absolut gerecht wurden. Sowohl dem Chor wie auch den Instrumentalisten entlockte Günther sanfte und geschmeidige Töne, schuf eine andächtige Atmosphäre, bei der die nötigen Spannungsakzente ganz natürlichen erfolgten. Agogische, auf harmonische Färbungen Rücksicht nehmende Differenzierungen, rundeten die stimmige Weihnachtsmusik ab.

Überzeugendes Gesangsquartett

Vermutlich war es zu einem guten Teil der weithalligen Münster-Akustik geschuldet, dass der sich wohltönend ausbreitende Mischklang manchmal an differenzierten Konturen vermissen liess. Vereinzelte Phrasen waren nicht ganz deutlich und bestimmte Instrumentengruppen verschwanden gelegentlich im Gesamtklang. Auch dem ansonsten hervorragend agierenden Chor fehlten in solchen Passagen die nötige Präsenz und Durchschlagkraft. Im Gegenzug hätte man diesbezüglich die etwas übermotivierten Trompeten zurückbinden dürfen, die zwar sehr souverän auftraten, doch mit der Zeit zu omnipräsent wirkten. Der Genuss steigerte sich daher umso mehr in den kleiner besetzten Nummern, wo das Collegium musicum durch intim-sinnliche Einzelklänge betörte.

Absolut zu überzeugen wusste das Gesangsquartett, bestehend aus Monika Mauch (Sopran), Jan Thomer (Altus), Bernhard Hunziker (Tenor) und Manuel Walser (Bass). Es ist nicht häufig, dass ein Solistenensemble derart gut abgestimmt ist und harmoniert. Niemand drängte sich hier vor, vielmehr gliederten sich alle unprätentiös in die ausgeglichene Gruppe ein. Textverständlichkeit war ihnen allen eigen, aber besonders auch eine stimmliche Apartheit, die stets angenehm berührte und ganz an der barocken Feststimmung ausgerichtet war.

Fantastisches Finale

Als Einzelakteurin trat dann in der abschliessenden Kantate von Homilius die Sopranistin Mauch eindrucksvoll hervor. In ihrer Arie glänzte sie durch glasklare, technisch stilsichere Koloraturen, vorgetragen in musikalisch schlicht zauberhafter Manier. Eine absolut fantastische Leistung, die schliesslich in ein finales, prächtig-feierliches Schlusstutti mündete. (Der Bund)

Erstellt: 20.12.2010, 08:02 Uhr

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