Wankdorf-City: SP sieht «viel zu wenig» Wohnraum

Die Stadt Bern gibt das Baurecht der Wankdorf-City an die Mobiliar ab. Neben Restaurants und einem Hotel sollen auf der Hälfte der Fläche 150 Wohnungen entstehen. Für die städtische SP ist das längst nicht genug.

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Umgeben von Restaurants, Bars, Läden, einem Fitnesszentrum sowie einem Hotel sollen Studenten, Familien und Singles sowie Mitarbeiter des SCB künftig im geplanten Stadtquartier Wankdorf-City im Nordwesten von Bern wohnen. Gestern hat der Gemeinderat bekannt gegeben, dass er der Schweizerischen Mobiliar den Zuschlag für die letzten zur Verfügung stehenden Baubereiche der zweiten Entwicklungsphase vergeben hat.

Auch für Studenten und Familien

Die Mobiliar hat sich dafür den Kursaal Bern, den Verein Berner Studenten ­Logierhaus, die Migros Aare, SCB Future und Losinger Marazzi AG als Partner ausgesucht. Dass sechs Berner Unternehmer beim Projekt dabei seien, nennt FDP-Gemeinderat Alexandre Schmidt ­einen «Glücksfall». Die Überbauung wird eine Fläche von 26 600 Quadratmetern in Anspruch nehmen. Rund die Hälfte davon ist für eine Wohnnutzung reserviert. «Wir wollen keine Ödnis, wo am Wochenende niemand da ist», sagt Schmidt.

In einer ersten Phase hat die Stadt Land des ehemaligen Schlachthof­areals für die Konzernsitze der SBB und der Schweizerischen Post zur Verfügung gestellt. Er sei froh, dass die Unternehmen damit in Bern geblieben seien, sagt Schmidt. Die Berner Unternehmung Losinger Marazzi AG und die KPT Versicherungen werden ihre Hauptsitze ebenfalls in die Wankdorf-City verlegen. Damit werden rund 4000 Arbeitsplätze in das Quartier verlagert.

Gegen diese Konzentration an Büro­flächen regte sich politischer Widerstand. Kritik löste auch die Idee aus, bei der Wankdorf-City ein Wohnparadies für zahlungskräftige Singles zu erstellen. Die Rede war von 100 bis 120 Lofts im gehobenen Preissegment. Schmidt spricht nun von Wohnungen, die «verschiedenen Bedürfnissen» gerecht werden. Auch Studenten- und Familienwohnungen seien geplant. Wie viele davon, ist noch nicht klar. «Neu sollen insgesamt 150 Wohnungen gebaut werden. Das sind mehr als erhofft», sagt Schmidt.

«Es ist natürlich eine grosse Herausforderung, Familien in ein solches Gebiet zu locken. Da mehrere grosse Arbeit­geber in der Nähe sind, kann das aber für viele ideal sein zum Wohnen», sagt Schmidt.

Wie die Gebäude konkret aussehen sollen, kann Markus Wyss, Leiter Immobilien der Mobiliar, noch nicht sagen. Wyss spricht aber weiterhin von «eher kleineren, 2,5- und 3,5-Zimmer-Wohnungen». Zudem sollen für den SCB ­sogenannte Longstay-Appartements erstellt werden, damit die Junioren oder Mitarbeiter des Eishockeyclubs vorübergehend einquartiert werden können.

Eicher und Jakob optimistisch

Bernhard Eicher, FDP-Fraktionspräsident findet es «sehr positiv», dass die Stadt Investoren gefunden hat, die in Bern verankert seien. Erfreulich sei auch der Baurechtszins, den das Mobiliar-Konsortium der Stadt biete. Vorgesehen ist über eine Million Franken jährlich. «Es wäre sinnvoll, wenn es einen Mix zwischen Familienwohnungen und luxuriöseren Wohnungen gäbe», sagt ­Eicher. Er sei überzeugt, dass das Quartier verschiedene Gruppierungen anziehen werde.

SVP-Fraktionspräsident Roland Jakob zeigt sich vorsichtig optimistisch. «Grundsätzlich begrüssen wir die Überbauung. Ich hoffe, es gibt Wohnungen und gewerbliche Räumlichkeiten für den Mittelstand. Dann bin ich zufrieden», sagt er. Luxuriöse Single-Wohnungen brauche es seiner Ansicht nach aber keine.

Skeptischer zeigt sich die SP-Stadt­rätin Gisela Vollmer. «150 Wohnungen bei 4000 Arbeitsplätzen? Das ist noch immer ein krasses Missverhältnis.» Das Gesamtareal inklusive erste Bauetappe beträgt 140'000 Quadratmeter. «Setzt man den Wohnflächenanteil von 13'300 Quadratmetern in dieses Verhältnis, beträgt er nicht mehr 50, sondern noch knapp 10 Prozent. Das ist zu wenig, um eine Durchmischung im Quartier zu erreichen.» Zudem sei die teure Infrastruktur nur zu Spitzenzeiten ausgelastet, abends und am Wochenende werde diese kaum gebraucht, sagt Vollmer.

Schmidt widerspricht. Es sei «schludrig», irgendwelche Zahlenkonstrukte herzustellen, welche die rechtlichen Aspekte ausser Acht liessen. Ursprünglich seien auf dem Areal nur 100 bis 120 Wohnungen vorgesehen gewesen. Mit dem vorliegenden Projekt sei der Wohnanteil auf dem Areal der zweiten Entwicklungs­phase auf 50 Prozent angestiegen. «Damit gehen wir ans rechtlich zulässige ­Maximum, welches das Volk einst in der Nutzungsordnung verabschiedet hat.»

Nächstes Jahr findet der Architekturwettbewerb statt. Geplant ist laut Schmidt, 2016 eine Baubewilligung zu erhalten. Die Wohnungen sollen 2018 bezugsbereit sein. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.06.2014, 12:17 Uhr

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