Vor Kindern wird der Professor wieder nervös

Universität Bern

Die Kinderuni geht in die zehnte Runde. Das Jubiläum soll heute Abend gebührend gefeiert werden. DerBund.ch/Newsnet hat sich mit zwei Referenten unterhalten, die bereits Kindern ihr Fachgebiet vorgetragen haben.

Pro Semester finden drei bis vier Vorlesungen an der Universität Bern statt, in denen Professoren und Doktoranden ihre Forschung den Kindern näher bringen.

Pro Semester finden drei bis vier Vorlesungen an der Universität Bern statt, in denen Professoren und Doktoranden ihre Forschung den Kindern näher bringen.

(Bild: Adrian Moser)

Ein Uni-Hörsaal ist normalerweise kein natürliches Territorium für Kinder. Wenn doch einmal Kinder die Ränge füllen, ist das das Verdienst der Organisation Kultessen. Seit zehn Jahren organisiert sie die Vorlesungs-Reihe «Kinderuni Bern». Pro Semester finden drei bis vier Vorlesungen statt, in denen Professoren und Doktoranden ihre Forschung den Kindern näher bringen. Für die Dozenten ist es eine herausfordernde Angelegenheit – schliesslich müssen sie einen hochkomplexen Sachverhalt auf simple Art und Weise vermitteln können. Der DerBund.ch/Newsnet hat bei zwei Referenten nachgefragt, die bereits vor den Kindern vorgetragen haben.

Mehr Bilder als sonst

Peter Neumann ist Professor des noch jungen «Instituts für Bienengesundheit» » an der Universität Bern. Es existiert seit Januar 2013. Als er angefragt wurde, vor Kindern zu referieren, war er zum ersten Mal seit langer Zeit wieder etwas nervös. «Ich habe schon über 280 Vorträge gehalten. Aber vor Kindern zu sprechen, ist anders», sagt Neumann. Entsprechend lief auch die Vorbereitung anders: Er habe viel mehr Bilder in seine Power-Point Präsentation einfliessen lassen, sagt Neumann.

«Dadurch, dass ich nicht über Quantenphysik gesprochen habe, sondern über Bienen, war es einfach, die Kinder an der Stange zu halten», sagt er. Die Kinder seien sehr interessiert gewesen und hätten die Vorlesung nicht durch ständiges Gerede gestört. Er habe einen guten Eindruck von der Veranstaltung gehabt.

«Die Kinder waren voll dabei»

Ähnlich sieht es Claudia Zuber. Sie ist Assistentin am Institut für Sportwissenschaft und hat im Sommer den Doktor-Titel erhalten. Passend zur damals laufenden Fussball-Weltmeisterschaft hat sie einen Vortrag über den langen und steinigen Karriereweg eines Nachwuchsfussballers in die Nationalmannschaft gehalten. «Die Kinder waren voll dabei», sagt sie. Sie hätten viel mehr Fragen gestellt, als Zuber erwartet habe.

Auch sie habe bei der Vorbereitung mehr Bilder in ihre Präsentation eingefügt, als sie es normalerweise machen würde. Mit dem Thema Fussball schien sie aber auch so einen Nerv getroffen zu haben: «An jenem Tag haben viele Kinder ein Fussball-Trikot getragen, weil später am Abend die Schweiz ihr ersten WM-Spiel gegen Ecuador hatte», sagt Zuber.

Die Erfahrung mit den Kindern hat bei ihr einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Diese wird sich auf zukünftige Vorträge auswirken. «Die zusätzlichen Bilder haben die Kinder zuhören und aktiv werden lassen. Vielleicht versuche ich das bei den Studierenden auch mal aus», sagt sie. Peter Neumann hingegen bleibt seinem Kurs treu. Er habe eine Vortrags-Art entwickelt, die auch die Studierenden zu interessieren scheine. Ihm sei bewusst, dass die Kinder zwar sachliche, nicht unbedingt fachlich fundierte Fragen stellen können. Sie seien erwartungsgemäss naiver. Doch sei die «kindliche Unschuld, auch eine schöne Sache».

DerBund.ch/Newsnet

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