Von wegen «Pösteler»

Kunstmuseum Bern und Zentrum Paul Klee unterstehen neu dem Valiant-Präsidenten und ehemaligen Postchef Jürg Bucher. Der neue Präsident der Dachstiftung übernimmt gerne die Führungsrolle.

Jürg Bucher wird die Dachstiftung von Kunstmuseum Bern und dem Zentrum Paul Klee präsidieren.

Jürg Bucher wird die Dachstiftung von Kunstmuseum Bern und dem Zentrum Paul Klee präsidieren.

(Bild: Valérie Chételat)

Matthias Raaflaub

Jürg Bucher, ehemaliger Konzernleiter der Post und amtierender Verwaltungsratspräsident der Valiant-Bank, soll der neue starke Mann für den Kunstplatz Bern werden. Ein Finanzmann in der Kulturszene? Kritik an dieser Konstellation blieb gestern aus. Bucher scheint bereits viel Unterstützung für seine kommende Aufgabe gewonnen zu haben. Ulrich Sinzig, Stiftungsratspräsident des Zentrums Paul Klee, sprach gestern von einer «ausgezeichneten Wahl – ohne Vorbehalte».

Der 67-jährige Berner muss in den nächsten Jahren das Zentrum Paul Klee (ZPK) und das Kunstmuseum Bern (KMB) aufeinander abstimmen. Als Präsident einer neuen Dachstiftung soll er die Annäherung der Kulturinstitutionen verantworten. Für Bucher wird das keine leichte Aufgabe. Aber es ist nicht seine erste.

Kapitän bei der Post

Bucher hat dabei oft mehr erreicht, als ihm zugetraut worden war. Er kletterte die Karriereleiter auf anderem Wege hoch als manch anderer «Banker». Sein Aufstieg vom PTT-Angestellten zum Post-Chef begann gemächlich. Bucher nahm über Jahre Stufe um Stufe. Bucher stand aber oft auch zur richtigen Zeit bereit.

So, als er 1997 bei der Aufteilung der PTT in Post und Swisscom stellvertretender Leiter der Postfinance wurde. Stratege Bucher übernahm die Leitung der Finanzdienstleistungen – mit grossem Erfolg. 2009 kam er dann in ähnlicher Weise zum Amt als Post-Konzernleiter. Wegen Streits an der Spitze wurde der Posten frei.

Bucher stellt es dar, als sei er während der Unruhen in der Postspitze zur Rettung geeilt. «Das Schiff war ins Wanken geraten und musste dringend stabilisiert werden», sagte Bucher bei seinem Abgang von der Post vor drei Jahren. Heute steht Bucher dem Verwaltungsrat der Valiant vor.

Für Arbeiten für den Valiant-VR wurde er schon vor seinem Abgang bei der Post entlöhnt. Das brachte ihm Kritik ein. Gleichwohl gelang es Bucher, zielgerichtet das schlechte Image der Valiant zu verbessern. Die Bank ist unter der neuen Führung besser unterwegs, aber noch nicht über den Berg.

«Machtbewusste» Führungsperson

Schwierige Aufgaben packt Bucher offensichtlich mit Vorliebe an. Dass er sie bekommt, ist seinem Erfolg zuzuschreiben. Hoch wird Bucher von Beobachtern angerechnet, dass er in den drei Jahren als Konzernchef die Post beruhigen konnte. Es gelang ihm wohl auch dank seiner Autorität. Die Ansichten von ZPK und KMB zusammenzubringen, könnte Ähnliches erfordern.

Regierungsrat Bernhard Pulver lobte gestern Buchers Führungserfahrung. In der Dachstiftung tritt er sein Amt am 1. Juli an. Zuerst wolle er einmal Gespräche führen und dabei «gut zuhören», sagte Bucher gestern vor den Medien. Dabei wird es aber nicht bleiben. Dass «Pösteler» Bucher in der neuen Organisation als Erstes einmal die verschiedenen Interessen verwalten wird, ist nicht anzunehmen.

Sich still zu halten, wird im neuen Gremium nicht seine Devise sein. Denn er wird reihum als «Macher» beschrieben. Glaubt man den Pressestimmen, hält Bucher gern die Zügel in der Hand, ist «machtbewusst». Bisweilen wirft man ihm vor, zu streng zu führen.

Und die Kunst? Verglichen mit seinem Leistungsausweis in der Wirtschaft ist jener in der Kultur noch eher knapp. «Ich bin kein Kunstexperte, aber ein Kunstliebhaber», sagte Bucher gestern. Er geniesse Kultur in vielen Formen. Gleichwohl ist er kein Unbekannter in der Kunstszene.

Er zählt Künstler zu seinen Freunden, sammelt Kunst, besucht Konzerte und sitzt ehrenamtlich im Verwaltungsrat der Gstaad Menuhin Festival & Academy. Menuhin-Verwaltungsratspräsident Leonz Blunschi sagt, dass Bucher Konflikten oder Differenzen «lösungsorientiert» begegne. «Er regt dazu an, seine Position zu bedenken, und bringt so alle weiter», sagt Blunschi. ZPK-Stiftungsratspräsident Sinzig sagt: «Er ist Unternehmer, der auch die Finanzen stets im Blick hat, aber er ist auch ausgesprochen Kunst-affin.»

Erste Ansage kommt an

Für Bucher ist selbstverständlich, dass die neue Stiftung einen soliden Businessplan braucht, gleich wie ein grosses Unternehmen. Er fordert eine «Balance zwischen künstlerischen und wirtschaftlichen Ansprüchen» ein. Das kommt in der Politik gut an. FDP-Stadtrat Pascal Rub zeigt sich auf Anfrage erfreut. «Bucher bringt die Erfahrung aus dem Spagat zwischen öffentlichem Interesse und engem finanziellem Korsett mit», so Rub.

SP-Kulturpolitikerin und Grossrätin Nicola von Greyerz ist dagegen noch zurückhaltend. Sie werde abwarten, wie Bucher die Aufgabe meistere. Wichtig sei, dass der neue Stiftungsratspräsident eine integrierende Persönlichkeit sei. Christoph Schäublin, der Präsident des Stiftungsrats des Kunstmuseums Bern, wollte sich zu Buchers Wahl auf Anfrage nicht äussern.

Der Bund

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