«Von einer gemeinsamen Intendanz ist keine Rede»

Stadtpräsident Alexander Tschäppät will nichts «mit dem Brecheisen» erzwingen.

Nach wie vor ein ergebnisoffener Prozess, «mit dem Ziel einer Annäherung beider Häuser»: Alexander Tschäppät zur Fusion von Schlachthaus und Dampfzentrale.

Nach wie vor ein ergebnisoffener Prozess, «mit dem Ziel einer Annäherung beider Häuser»: Alexander Tschäppät zur Fusion von Schlachthaus und Dampfzentrale.

(Bild: Adrian Moser)

Bernhard Ott@Ott_Bernhard

Herr Tschäppät, der Gemeinderat will Schwerpunkte in der Kultur­politik setzen. Erste Reaktionen sprechen aber von fehlender Prioritätensetzung. Was sagen Sie dazu? In der Kultur wird von der Stadt seit je eine klare Handschrift gefordert. Aber wenn der Gemeinderat einen Entscheid fällt, ist es auch wieder nicht gut. Das war zum Beispiel so bei den geplanten Abschaffungen von Ballett, Kornhausforum oder Kino im Kunstmuseum.

Besonders umstritten ist die Zusammenführung von Schlachthaus-­Theater und Dampfzentrale. Was ein solches Zusammengehen bringt, wird die Zukunft zeigen. Der Gemeinderat strebt ein gemeinsames Dach für beide Institutionen an und will das neue Haus mit einer Erhöhung der Subvention stärken. Es geht ganz klar nicht um eine Sparmassnahme.

Kritisiert wird, dass ein ursprünglich ergebnisoffener Prozess nun von oben verordnet wird mit dem Ziel einer Fusion auf 1. 1. 2016. Die genaue Form der Zusammenarbeit ist im Vierjahresplan offen formuliert. Von einer gemeinsamen Intendanz zum Beispiel ist keine Rede. Auch zeitlich ist Flexibilität möglich. Man könnte die ­alten Leistungsverträge auch um zwei Jahre verlängern, um dem Prozess des Zusammengehens mehr Zeit zu geben. Der Gemeinderat will nichts mit dem Brecheisen erzwingen. Es ist auch noch nicht gesagt, dass im Falle einer Verweigerung die Subventionen für die Institutionen gekürzt würden. Allerdings ist auch klar, dass eine reine Verteidigungshaltung nicht sehr innovativ ist.

Der Prozess ist also nach wie vor ergebnisoffen? Ja, aber mit dem Ziel einer Annäherung beider Häuser. Und dazu braucht es jetzt konstruktive Vorschläge beider Institutionen.

Das neue Haus soll 200'000 Franken mehr erhalten. Schlachthaus und Dampfzentrale haben aber je mehr verlangt. Es haben alle Institutionen mehr verlangt, als sie erhalten werden. Mit den 200 000 Franken wollen wir einen Anreiz für die Annäherung schaffen. Eine Petition mit 1000 Unterschriften äussert Kritik an der «Fusion». Die Petition kam zu einem Zeitpunkt, als der Gemeinderat seine Vorstellungen noch nicht einmal konkretisiert und bekannt gegeben hatte. Proteste gab es auch bei der Bildung von Konzert Theater Bern. Dieses Vorhaben hatte aber eine wesentlich grössere Dimension als die Annäherung von Dampfzentrale und Schlachthaus.

Kaserne Basel und Gessnerallee Zürich sind Vorbilder. Dort soll es für Freie aber nicht nur toll sein. Die Arbeitsbedingungen für die freie Szene sind überall prekär. Wenn Dampfzentrale und Schlachthaus gemeinsam programmieren und kommunizieren, werden aber mehr Mittel für Freie frei.

Der Bund

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt