Vier statt zwei Franken für den Kaffee

Zu kleine Schliessfächer, zu teurer Treppenteppich, eine unerwünschte Garderobe und ein Securitas-Mann, der irritiert: Grossräte nörgeln wegen Neuerungen im Rathaus. Eine Glosse.

Das Berner Rathaus wurde renoviert – die Grossräte sind nicht zufrieden.

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Für drei Millionen Franken liess der Kanton das Rathaus sanft umbauen. Gerade rechtzeitig zum Beginn der laufenden Session konnten die Arbeiten fertiggestellt werden – und sorgen bei den Politikern bereits für allerlei Nörgeleien. Die neuen Schliessfächer etwa. «Das ist eine Posse», sagt Adrian Haas. Der FDP-Fraktionschef bringt den «rückenschonenden» Rollkoffer nicht ins Fach: zu klein, für grosse Mappen und Taschen ohnehin. Die Planer hätten die Bedürfnisse besser abklären müssen, findet er. «Für Rollkoffer waren die Kästchen nie gedacht», entgegnet Marcel Rufener von der Staatskanzlei, für das Umbauprojekt zuständig, doch man suche noch nach Lösungen.

Teurer Kaffee

Als «nett» und «schön» wird hingegen die neue Cafeteria bewertet. «Doch der Kaffee ist teurer», heisst es allenthalben. Ganze vier Franken für einen Kaffee verlangt die private Cateringfirma, die nach einer Ausschreibung durch die Staatskanzlei den Auftrag erhalten hat. Früher kostete das Getränk nur zwei Franken. Das kommt natürlich schlecht an bei Politikern, die sich eben erst den eigenen Lohn erhöht haben.

Ein neuer Teppich - ebenfalls teuer

Jacken und Mäntel müssen neuerdings einen Stock höher abgegeben werden. Mitten im hinteren Teil der historisch-behäbigen Wandelhalle stehen Garderobenstangen zur Selbstbedienung. Die Installation kommt schlecht an. «Nicht gerade das Gelbe vom Ei», sagt SVP-Grossrat Jürg Iseli. Parteikollegin Béatrice Struchen befürchtet bereits einen kaputten Parkettboden wegen tropfender Mäntel im Winter. Die Staatskanzlei hat den Fehler bereits erkannt: «Wir werden nächste Woche die Garderobe wieder unten in der Halle platzieren», sagt Marcel Rufener von der Staatskanzlei. Einen besonders staatstragenden Eindruck hinterlässt neuerdings die Treppe im Seitenbereich des Rathauses, die zu den Sitzungszimmern führt. Der Teppich, der den Sandstein schützt, kostet 400 bis 500 Franken pro Quadratmeter. «Angesichts der kantonalen Sparmassnahmen ist das äusserst fragwürdig», sagt GLP-Grossrätin Barbara Mühlheim.

Irritation über Securitas-Mann

Bei der Baudirektion, für den Kauf zuständig, sieht man das anders: Der alte Teppich, löchrig und kaputt, habe ersetzt werden müssen. Der neue sei langlebig und erfülle höchste Anforderungen bezüglich Akustik und Brandschutz. Von vielen Grossräten noch unentdeckt geblieben ist hingegen jener Herr, der in der grossen Ratshalle im Hintergrund an einem Tisch sitzt und mit seinem Smartphone hantiert. Es handelt sich um einen Securitas-Mann, der neu für Sicherheitsbelange, Gästeinformation und Kontrollen zuständig ist. Die Staatskanzlei erachtete es als «notwendig», einen «minimalen Schutz» mit einer ausgebildeten Person zu gewährleisten. Das sei in anderen Parlamenten gang und gäbe, sagt Rufener. Die Kosten dafür belaufen sich auf 50 Franken pro Stunde. Ein Entscheid, der beim Grünen Hasim Sancar auf Unverständnis stösst: «Der Kanton hätte doch besser jemanden richtig anstellen können, als auf eine private Sicherheitsfirma zu setzen.»

Solche Umbauten sind politisch oft umstritten, auch hier. «Wir müssen derart viel beim Personal des Kantons sparen, da hätte man auf die ganze Sanierung verzichten können», sagt Matthias Burkhalter, SP-Grossrat. «In Ordnung» findet die Sache indes CVP-Mann Daniel Kast: «Man muss jetzt nicht wegen jeder Ausgabe hysterisch tun und eine grosse Geschichte machen.» (Der Bund)

Erstellt: 05.09.2013, 16:48 Uhr

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