Vereine und Politiker fordern die «Panoramabrücke» über die Aare

Ein Komitee weibelt für die Velobrücke zwischen Nordquartier und Länggasse. Mit dabei ist auch ein BDPler.

Wie die Brücke einmal aussehen könnte, ist offen: Das Bild zeigt eine Idee aus fachübergreifenden Arbeiten der Fachhochschule Freiburg von 2009.

Wie die Brücke einmal aussehen könnte, ist offen: Das Bild zeigt eine Idee aus fachübergreifenden Arbeiten der Fachhochschule Freiburg von 2009.

(Bild: zvg)

Matthias Raaflaub

Noch existiert die Verbindung zwischen der Inneren Enge und dem Nordquartier erst auf dem Papier und in einigen Köpfen. Ein Planungsbüro hat die am besten geeignete Route über die Aare bereits vor fünf Jahren hergeleitet. Sie sähe 55 Meter über der Aare eine 144 Meter lange Brücke von der inneren Enge an die Polygonstrasse an der nördlichen Quartiergrenze des Breitenrains vor. Wie die Brücke einmal aussehen könnte, ist offen.

Hirsbrunner denkt an Tourismus

Eine neue Lobby-Vereinigung will jetzt Druck machen. Politikerinnen und Politiker der SP, des GB, der GFL, JA und der BDP sowie Vertreter der Verkehrsvereine Pro Velo Bern und VCS haben gestern im Wylerpark in Bern das Komitee «Pro Panoramabrücke Bern» gegründet. Nationalrat Alec von Graffenried (Grüne) präsidiert es.

Aus der Velobrücke ist mittlerweile eine «Panoramabrücke» geworden. Ausdruck davon, dass die Idee einer Brücke bei mehr Leuten Anklang finden soll als nur den Velofahrern. Laut von Graffenried wäre die Velo- und Fussgängerbrücke das «fehlende Glied» im Stadtverkehr. Die Brücke soll nicht nur die zwei bevölkerungsreichsten Quartiere verbinden, sondern auch eine neue Pendlerstrecke zwischen den Entwicklungsgebieten der Stadt, Bern-Wankdorf und Bern-West, sein. Hinzu kommt aktuell auch die Anbindung der geplanten Überbauung im Viererfeld.

Als einziger Bürgerlicher unterstützt BDP-Stadtrat Kurt Hirsbrunner das Komitee im Vorstand. Er erhofft sich von der Brücke touristischen Nutzen. Sie sei eine Gelegenheit, Touristen etwas bieten zu können, «ohne dass der Eindruck entsteht, für den Tourismus betreibe man Effekthascherei». Bei den Baukosten aber bleiben offene Fragen. Der Bund hat in Aussicht gestellt, voraussichtlich 4,36 Millionen für den Bau einer Brücke beizusteuern – im Rahmen des Agglomerationsprogramms. Wer den Rest bezahlt, mittlerweile weitere rund 10 Millionen Franken, ist aber noch ungewiss.

Die Stadt Bern hatte erst kein Interesse gezeigt, die Brücke zu finanzieren und das Engagement des Kantons verlangt. Dieser hatte die Planung zwischenzeitlich aus Spargründen auf frühestens 2021 verschoben. Mittlerweile haben sich Stadt und Kanton verständigt. Die Berner Gemeinderätin Ursula Wyss (SP) erklärt auf Anfrage, sie werde dem Gemeinderat «in Bälde» einen Antrag betreffend die Finanzierung stellen. «Die Federführung für die Finanzierung im Rahmen des Aggloprogramms wird allerdings beim Kanton liegen müssen», sagt sie.

Dafür soll die Stadt die Planung steuern können. Am Stadtparlament wird eine Vorlage mit Sicherheit nicht ohne Widerstände vorbeigehen. Für die FDP stehe die Brücke in Konkurrenz zu anderen Investitionen, sagt Fraktionschef Bernhard Eicher auf Anfrage. «Eine solche Brücke muss man mit den Geldern aus der bisherigen Veloförderung finanzieren.» Einen neuen Kredit lehne die FDP ab. SVP-Verkehrspolitiker Alexander Feuz spricht angesichts der Kosten von einer «utopischen Luxuslösung». Die Stadt müsse das Geld für das wirklich Nötige einsetzen. Auch wenn sich der Bund beteilige, werde die Stadt erhebliche Mehrkosten tragen müssen.

Der Bund

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