Universitätsleitung stärkt Strik den Rücken

Die Leitung der Universität Bern hält an Werner Strik fest. Sie lehnte einen Antrag der Universitären Psychiatrischen Dienste (UPD) auf dessen Entlassung ab.

Hat die Universitätsleitung hinter sich: Professor Werner Strik.

Hat die Universitätsleitung hinter sich: Professor Werner Strik. Bild: zvg

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Der Direktor Psychiatrie der Universitären Psychiatrischen Dienste (UPD) Bern wird nicht entlassen. Die Universitätsleitung hat gestern entschieden, dass sie den Antrag auf Entlassung von Professor Werner K. Strik ablehnt. Rektor Martin Täuber teilt im Namen der Unileitung mit, dass eine Entlassung «nicht mit dem Anspruch auf Verhältnismässigkeit in Einklang zu bringen» sei. Strik werde seine Aufgaben bis auf weiteres aber nicht wahrnehmen.

Demnach reichen die von der Geschäftsleitung der UPD vorgebrachten Vorwürfe oder Argumente nicht aus, um die Entlassung des eigenen Geschäftsleitungsmitglieds zu rechtfertigen. Laut der Universitätsleitung könnte allenfalls noch das öffentliche Interesse am Funktionieren der UPD eine Entlassung begründen. Ob dieses öffentliche Interesse tangiert ist, muss nun der Gesamtregierungsrat entscheiden. Im Vertrag von UPD und Universität ist er als Entscheidungsorgan vorgesehen, wenn sich die beiden Parteien nicht einig sind.

Vorwürfe weiter unklar

Darüber, was die UPD gegen Strik im Detail vorbringen, ist auch gestern keine Klarheit geschaffen worden. Christoph Pappa, Generalsekretär der Universität Bern, gab dazu keine Auskunft – mit der Begründung, dass das Verfahren noch nicht abgeschlossen sei. Auch wie sie zum Entscheid gelangt ist, etwa ob sie Strik und Regula Mader, die Vorsitzende der UPD-Geschäftsleitung, persönlich vorgeladen hat, sagt die Uni nicht. «Die Unileitung hat über den Antrag entschieden und geprüft, ob die vorgebrachten Fakten die Entlassung ausreichend begründen», sagt Pappa nur. Rechtliches Gehör der Parteien sei garantiert.

Der Fall Strik ist undurchsichtig. Manche beschreiben den 54-Jährigen als schwierige und wenig kooperative Person. Der Professor geniesst aber auch grosses Ansehen im Fachbereich und erhielt nach der Ankündigung der UPD, er solle die Institution verlassen, Unterstützung aus seinem eigenen Team sowie von in- und ausländischen Kollegen. Zwei Professoren protestierten, indem sie Gastreferate absagten.

Strukturelles vor Persönlichem

Die Universitätsleitung schweigt sich darüber aus, ob die persönliche Konstellation in der UPD-Geschäftsleitung hinter dem Konflikt stehe. Sie erwähnt einzig, dass «strukturelle Schwachstellen wesentlich zur Entstehung der gegenwärtigen Situation beigetragen haben». Konkret nennt Pappa auf Nachfrage die Verteilung der Kompetenzen zwischen dem Chefarzt und der Vorsitzenden der Geschäftsleitung.

Professor Strik ist sowohl ärztlicher Direktor als auch Leiter der Forschung in der Direktion Psychiatrie. Über ihm steht einzig Regula Mader. Bei einem Konflikt könne es daher rasch zu einer direkten Auseinandersetzung mit der Vorsitzenden kommen. «Im Gegensatz zum Inselspital gibt es beispielsweise keinen Verwaltungsrat, welcher einen Konflikt auffangen könnte.» Strik war laut Mitteilung der Uni «wiederholt im Zentrum von sich entwickelnden Konflikten» und durch seine Verantwortung dabei «exponiert». Das Rektorat bestätigt indirekt auch, dass ein Knackpunkt in der Causa Strik die Gewichtung der Forschung ist, aus deren Tradition der Leiter Psychiatrie stammt.

Finanzen mit Konfliktpotential

Eine Universitätsklinik habe einen zweigeteilten Auftrag, sagt Pappa. Zum einen müsse sie den Patienten eine möglichst gute Versorgung gewährleisten, zum anderen den universitären Auftrag für Forschung und Lehre wahrnehmen. Beide Bereiche sind laut Pappa verzahnt, da die Forschung auf Erfahrungen in der Praxis angewiesen ist. «Zielkonflikte kann es etwa dann geben, wenn es um die Verteilung der finanziellen Mittel geht.»

Schliesslich könne eine Einschätzung aus ärztlicher Sicht der Direktion auch mit der betrieblichen Sicht der Institution in Konflikt stehen. Regula Mader hat in der Öffentlichkeit schon mehrmals dargelegt, dass die UPD heute als ganzes Unternehmen einen sehr breiten Versorgungsauftrag für die gesamte Bevölkerung zu erfüllen hätten. Dass sich die Forschung darin einfügen muss, ist kein Geheimnis.

«Es ist kein Mader-Problem»

Bei den UPD weist man die Darstellung der Universitätsleitung zurück. «Es handelt sich nicht um ein strukturelles, sondern um ein personelles Problem, das seit Jahren andauert», sagt Regula Mader. Die UPD halten in einer Mitteilung fest, dass trotz unterschiedlichen Zusammensetzungen der Geschäftsleitung der UPD und trotz unterschiedlichen Rollen von Professor Werner Strik in den UPD eine «konstruktive Zusammenarbeit nie möglich» gewesen sei.

Genauere Angaben zum Charakter des Konflikts will Mader aus personalrechtlichen Gründen keine machen. Es handle sich aber nicht um ein «Mader-Problem», sondern um ein Problem zwischen Strik und der Geschäftsleitung der UPD, die sich einstimmig für den Antrag auf Entlassung Striks ausgesprochen habe. Mader weist die Darstellung der Unileitung zurück, wonach es zu wenig Raum für eine interne Klärung der Spannungen gegeben habe. «Ich habe über ein Jahr lang regelmässig Gespräche mit Professor Strik geführt.» Diese Gespräche hätten zu keinen Verbesserungen geführt.

Für die UPD-Geschäftsleitung ist eine Rückkehr Striks «keine Option». In diesem Sinne gebe es für sie als Vorsitzende der Geschäftsleitung auch keinen Anlass, über ihren eigenen Rücktritt nachzudenken. Mader wartet nun den Entscheid des Regierungsrates ab. «Der Regierungsrat wird sich ja nicht zum ersten Mal mit der Causa Strik befassen müssen», sagt Mader.

Vertrauensfrage für UPD-Spitze

Dieser gab gestern keinen Kommentar zum Entscheid ab. Das Gremium werde sich nicht vorgängig äussern, hiess es auf Anfrage. Wie auch immer die Kantonsregierung entscheidet: Es ist unwahrscheinlich, dass das zerrüttete Verhältnis zwischen der UPD-Geschäftsleitung und Strik gekittet werden kann. Nicht zuletzt, weil Erstere im Fall Strik ein persönliches Problem sieht, hat der Entscheid pro oder kontra Strik auch den Stellenwert einer Vertrauensfrage für die UPD-Leitung erreicht. Strik seinerseits schrieb zuletzt, dass seine Entlassung ohne überzeugende Begründung den Ruf der Universität schädigen würde.

Die Uni will ihren gestrigen Entscheid nicht als Positionsbezug verstanden wissen. «Es ist nicht ein Entscheid für oder gegen jemanden. Sondern ein Entscheid über Fakten und deren rechtliche Interpretation», sagt Pappa. Möglicherweise könne der Regierungsrat entscheiden, dass eine Zusammenarbeit in der Konstellation Strik-Mader nicht gehe, sagt er. Alles Weitere sei aber Spekulation.

Die Universitätsleitung bedauert in ihrem Schreiben, dass der Konflikt nicht auf anderen Wegen zu lösen war. Eine von der Universitätsleitung angebotene Abfindung lehnte Strik ab. Die UPD-Geschäftsleitung teilte dagegen gestern mit, sie sei «erleichtert», dass Werner K. Strik seine Aufgaben bei den UPD vorerst nicht wiederaufnehmen soll. (Der Bund)

Erstellt: 05.06.2012, 16:51 Uhr

Kommentar

Nachdem die Berner Universitätsleitung dem Psychiatrieprofessor Werner K. Strik vergangene Woche erfolglos einen Vorschlag für eine einvernehmliche «Austrittsvereinbarung» unterbreitet hat, hält sie nun doch an ihm fest. Zumindest vordergründig. Sie lehnt den Antrag der UPD-Geschäftsleitung auf eine Entlassung Striks zwar ab, in Tat und Wahrheit schiebt sie den heiklen Personalentscheid aber bloss an die nächsthöhere Instanz weiter – an den Regierungsrat, der nun «unter Abwägung aller Interessen» darüber entscheiden soll, ob «eine Trennung aus Gründen des öffentlichen Interesses angezeigt erscheint» oder nicht.

Dieser Entscheid ist ein geschickter Nicht-Entscheid. Wenn die Universitätsleitung ihn im Wesentlichen nun aber mit «strukturellen Schwachstellen» begründet und dabei auch gleich die Schuld für «operative oder strategische Zielkonflikte» zwischen Universität und UPD einseitig bei den UPD ortet, macht sie es sich allzu einfach. Denn: Der Fall Strik ist wohl auch ein Strukturproblem, doch primär ist er ein Personalproblem. Innerhalb gleicher Strukturen klappt die Zusammenarbeit mit den beiden anderen UPD-Professoren und -Klinikdirektoren, in der Jugend- und in der Alterspsychiatrie, nämlich bestens.

Auch der Universitätsleitung dürfte im Übrigen bekannt sein, dass der «Antrag auf eine Entlassung» Striks nicht der erste dieser Art ist. Schon unter dem Direktorium von Bruno Guggisberg und später erneut unter Interimschef Karl Studer waren Verfahren gegen Strik eingeleitet worden. In ihrer Stellungnahme erinnert die UPD-Geschäftsleitung erneut daran: «Aufgrund lang andauernder, mehrjähriger Konflikte» sei eine weitere Zusammenarbeit mit Strik «keine Option».Die UPD – nicht nur Direktorin Regula Mader, die gesamte Geschäftsleitung – haben also erneut gegen Strik Position bezogen. Die Universitätsleitung dagegen hat den Fall nur wie eine heisse Kartoffel weitergeschoben. (wd)

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