Universität Bern: Forschung top – Reputation Flop

In Sachen Forschung liegt die Uni Bern schweizweit ganz vorne. Trotzdem reicht es in einem neuen Uni-Ranking nur zum vorletzten Rang der untersuchten Schweizer Universitäten: Es mangelt an internationalem Flair.

Im Vergleich zu den anderen nationalen Hochschulen schneidet die Uni Bern schlechter ab.

Im Vergleich zu den anderen nationalen Hochschulen schneidet die Uni Bern schlechter ab.

(Bild: Adrian Moser)

In dem am Dienstag veröffentlichten Uni-Ranking QS World University Rankings schneidet die Universität Bern im schweizweiten Vergleich einmal mehr schlecht ab: Mit Platz 145 ist die Uni Bern die Vorletzte der bewerteten Schweizer Universitäten – nur die Uni St. Gallen kommt noch schlechter weg.

Woran liegt das? Um der Ursache auf den Grund zu kommen, müssen die Kriterien des Rankings näher beleuchtet werden. Die Rangliste basiert gemäss Angaben des QS-Netzwerks auf den vier Säulen Forschung, Lehre, Internationalisierung und Beschäftigungsfähigkeit. Berücksichtigt werden wissenschaftliche Reputation, Reputation unter Arbeitgebern, Betreuungsverhältnis, Zitationsrate, internationale Studenten und internationale Dozierende.

Sowohl bei der Reputation der Akademie und jener unter den Arbeitgebern als auch beim Angebot an internationalen Fakultäten und bei der Anzahl ausländischer Studenten kann Bern nicht mit den anderen Universitäten mithalten – in diesen Kriterien belegt die Uni die hinteren Ränge.

Gute Arbeit vs. mangelnder Reputation

Dabei ist nicht alles negativ: Bei der Zitationsrate – also wie oft andere Forscher auf die von der Uni veröffentlichten Arbeiten hinweisen – liegt Bern international auf dem 16. Rang. Für die Schweiz bedeutet dies: Platz 1.

Es wird also gute Forschungsarbeit geleistet. Aber fehlt es der Uni an internationalem Flair? Christoph Leuenberger, stellvertretender Leiter der Abteilung Kommunikation der Universität Bern, weist darauf hin, dass es beim Flair zu differenzieren gäbe. Im QS-Ranking würden zwei Grössen ausgewiesen. Einerseits die Internationalität des Lehrkörpers, andererseits die Internationalität der Studierenden. «Wir haben einen international zusammengesetzten Lehrkörper und schneiden in dieser Hinsicht im QS-Ranking sehr gut ab.» Bei den internationalen Studierenden liege man mit einem Anteil an zwölf Prozent unter dem Durchschnitt anderer Schweizer Universitäten.

Lieber spricht er die positiven Ergebnisse an: «Die Zitationen wissenschaftlicher Veröffentlichungen geben einen Hinweis auf den Forschungsimpact einer Hochschule. Sie fliessen zu 20 Prozent in diese Bewertung ein.» Die Universität Bern schenke externen Beurteilungen zwar Beachtung und entziehe sich solchen Ergebnissen nicht. Dennoch orientiere sie sich nicht danach. «Diese Rangliste beruht zu 50 Prozent auf der subjektiven Einschätzung von akademischen Fachkollegen und potenziellen Arbeitgebern», sagt Leuenberger.

Schweizer Unis vorne mit dabei

Bern hat im nationalen Vergleich noch einige Plätze gutzumachen. Für Leuenberger zählt vor allem das Erreichen der Stragie 2021, die im vergangenen Jahr definiert wurde. «Der anhaltende Studierendenzuwachs an der Universität Bern zeigt, dass die Qualität stimmt», sagt er. Ausserdem sei Bern mit Rang 145 demnach im besten Prozent aller Universitäten weltweit.

Tatsächlich ist die Konkurrenz für die Uni Bern nicht ohne, denn Schweizer Universitäten geniessen international einen guten Ruf. So sind sieben Schweizer Unis unter den besten 150 Universitäten zu finden. Die ETH Zürich belegt den zwölften Platz und ist sogar die beste Universität auf europäischem Festland. Auf den weiteren Rängen folgen EPFL Lausanne (Rang 17), Universität Zürich (Rang 57), Uni Genf (Rang 85), Universität Lausanne (Rang 105), Uni Basel (Rang 116) und die Universität Bern (Rang 145), die sich im Vergleich zum Vorjahr um neun Plätze verbessert.

DerBund.ch/Newsnet

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