Umstrittene Hausverbote im Hochfeld

Zwei Rentner, die sich für Asylsuchende einsetzten, dürfen die Notunterkunft Hochfeld nicht mehr betreten – und wehren sich.

Zwei Rentner, die sich für Asylsuchende einsetzten, dürfen die Notunterkunft Hochfeld nicht mehr betreten.<p class='credit'>(Bild: Franziska Scheidegger (Archiv))</p>

Zwei Rentner, die sich für Asylsuchende einsetzten, dürfen die Notunterkunft Hochfeld nicht mehr betreten.

(Bild: Franziska Scheidegger (Archiv))

Dagobert Onigkeit war überrascht, als er vor gut zwei Wochen einen eingeschriebenen Brief der Firma ORS erhielt. ORS ist jenes Unternehmen, das seit bald zwei Jahren die Asyl-Notunterkunft Hochfeld in der Länggasse betreibt. Der Inhalt des Briefes: ein Hausverbot für die Notunterkunft Hochfeld. Die Begründung: Dagobert Onigkeit störe die «betrieblichen Abläufe».

Ein Hausverbot mit derselben Begründung erhielt auch die pensionierte Heilpädagogin Sophia Berger. Die Länggasse-Bewohner Berger und Onigkeit engagieren sich seit Frühling 2012 – zusammen mit einer weiteren Rentnerin, Susann Grogg – für die im Hochfeld einquartierten Asylsuchenden; mit Deutschkursen etwa, indem sie sie bei Gängen zu Behörden begleiten oder durch ihre Mitarbeit im Asylcafé der Kirchgemeinde Paulus. Als unabhängige Quartiergruppe MUF (Menschlicher Umgang mit Flüchtlingen) traten sie im Sommer an die Öffentlichkeit und kritisierten die «menschenunwürdige Unterbringung» der Asylsuchenden.

Eine politische Organisation?

Bereits im Juli hatte Sophia Berger ein mündliches Verbot erhalten, als sie das Hochfeld betreten wollte. Onigkeit und Berger trafen sich deshalb am 21. August mit Vertretern des Migrationsdienstes (Midi). Die stellvertretende Midi-Leiterin, Claudia Ransberger, habe ihnen damals zugesichert, dass sie als Privatpersonen die Asylsuchenden im Hochfeld besuchen dürften, sagen sie.

In einer Stellungnahme gegenüber Onigkeit vom 18. September, die dem «Bund» vorliegt, schreibt Claudia Ransberger nun, der Migrationsdienst verstehe die MUF als politische Organisation. «Hier obliegt es uns, der MUF aufgrund unserer Erfahrungen keine Bewilligung zu erteilen.» Ransberger bezieht sich dabei auf die «Zutrittsregelung für die bernischen Asylzentren», die der Migrationsdienst im Sommer 2012 in Kraft gesetzt hat (der «Bund» berichtete). In dieser steht geschrieben, dass «Organisationen, die sich generell für die Interessen von Asylsuchenden einsetzen», nur mit Ermächtigung des Migrationsdienstes Zutritt zu Asylunterkünften erhalten. Privatpersonen, die mit Asylsuchenden befreundet oder verwandt sind, haben ohne Bewilligung Zutritt.

«Willkürlich und missbräuchlich»

Auf Anfrage des «Bund» bestätigt Iris Rivas, die Leiterin des Migrationsdienstes, dass man den beiden Quartierbewohnern zugesichert habe, das Hochfeld als Privatpersonen besuchen zu dürfen. «Die Aussage der MUF-Vertreter stimmt im Grundsatz», schreibt sie. Was ist denn nun in der Zwischenzeit geschehen, dass diese stattdessen ein Hausverbot erhalten haben? Da «die konkreten Umstände, die zu einem Hausverbot geführt haben, schützenswert sind», könne man dazu keine Stellung beziehen, schreibt Rivas. Hausverbote würden insbesondere dann angeordnet, wenn «durch das Verhalten einer Besucherin oder eines Besuchers die Sicherheit oder die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung gefährdet» seien.

Berger und Onigkeit können sich nicht erklären, wie sie Sicherheit oder Ruhe und Ordnung im Hochfeld gefährdet haben sollen. Onigkeit war laut eigener Aussagen in den letzten drei Monaten gar nie dort. «Für uns sind diese Hausverbote willkürlich, reglementwidrig und missbräuchlich», sagt er. «Die Rechte der Flüchtlinge werden verletzt, wenn die wenigen Leute, die sie unterstützen wollen, ausgesperrt werden.» Onigkeit und Berger wollen die Hausverbote nicht hinnehmen. Sie haben gestern entschieden, Beschwerde einzureichen. «Separat», wie Onigkeit betont. Denn sie seien «individuelle Helfer».

Der Bund

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