Turbulente Szenen vor dem Asylzentrum Hochfeld

Asylsuchende, die in der Zivilschutzanlage Hochfeld untergebracht sind, protestierten am Mittwoch lautstark gegen die Lebensbedingungen im Zentrum. Die Polizei rückte aus.

Die Proteste gegen die Bedingungen im Asylzentrum Hochfeld nehmen zu.<p class='credit'>(Bild: Franziska Scheidegger)</p>

Die Proteste gegen die Bedingungen im Asylzentrum Hochfeld nehmen zu.

(Bild: Franziska Scheidegger)

Die Bewohner der Asylunterkunft Hochfeld im Berner Länggassquartier haben am Mittwoch lautstark gegen die Lebensbedingungen in der unterirdischen Zivilschutzanlage protestiert. Brenzlig wurde es vorübergehend, als die Polizei ausrückte und für Ordnung sorgen wollte.

Verschiedene Bewohner hatten geplant, ihre Matratzen aus der Zivilschutzanlage zu holen und ins Freie zu bringen, wie Jacqueline Kalbermatter vom Bleiberecht-Kollektiv Bern vor der Unterkunft vor Medienvertretern sagte. Die Asylsuchenden hätten so die Unterkunft bestreiken wollen. Doch die Leitung des Asylzentrums habe die Bewohner aufgehalten und die Polizei alarmiert, sagte Kalbermatter.

Singend und tanzend protestieren

Beim Eingang der Unterkunft kam es daraufhin zu turbulenten Szenen, und es waren lautstarke Diskussionen zu hören. Einer der Polizisten sagte vor den Anwesenden, der Zutritt zur Unterkunft sei nur für die Bewohner gestattet. Alle anderen würden Hausfriedensbruch begehen, wenn sie in die Anlage gelangten.

Die Polizei sperrte dann den Zugang zur Unterkunft ab. Die Bewohner verzichteten vorerst darauf, Matratzen ins Freie zu bringen und versammelten sich vor der Unterkunft, um singend gegen ihre Situation zu protestieren.

Zu wenig Platz

Der Protest war als Begleitung zu einer Medienkonferenz des «Komitees gegen Fremdenhetze und Asylbusiness» gedacht. Verschiedene Organisationen sowie Parteien aus dem rot-grünen Lager haben sich zu diesem Komitee zusammengeschlossen, das seit längerem das Asylzentrum Hochfeld anprangert.

Nach dem anfänglichen Aufruhr konnte die Medienkonferenz doch noch stattfinden. «Dieser Bunker wird unter katastrophalen Bedingungen geführt», sagte Jacqueline Kalbermatter vom Bleiberecht- Kollektiv.

Nur Milch und keine Spielsachen

Die Bewohner der Asylunterkunft bekräftigten dies. Sie kritisierten, dass bis zu 24 Personen in einem Raum übernachten müssten. Die Anlage sei für 160 Personen viel zu klein, sagte etwa der Bewohner Abo Razak. Generell seien die Räume schmutzig. Die Asylsuchenden möchten ausserdem selbst kochen dürfen, da viele mit dem Essen Probleme bekunden.

Schlimm sei die Situation insbesondere für die etwa 20 Kinder in der Unterkunft. Die ganz Kleinen würden lediglich Milch erhalten und hätten keine Spielsachen. Ausserdem komme die Polizei ständig in die Unterkunft, um Kontrollen zu machen.

Kritik am Migrationsdienst

Die Kritik des Komitees richtet sich gegen die Firma, die die Unterkunft betreibt sowie gegen den kantonalen Migrationsdienst. «Auf dem Buckel der Asylsuchenden darf man kein Geld machen», sagte Cristina Anliker-Mansour vom Grünen Bündnis. Es brauche Organisationen für den Betrieb der Unterkünfte, die den Menschen in den Mittelpunkt stellten.

ORS Service hat ihrerseits die Vorwürfe schon mehrmals zurückgewiesen. An Asylsuchenden werde kein Gewinn erzielt und ebensowenig mit Einsparungen bei Leistungen, hält die Firma fest.

Die Leiterin des kantonalen Migrationsdienstes, Iris Rivas, sagte auf Anfrage, sie nehme die Kritik zur Kenntnis. «Wir erfüllen einen Auftrag vom Bund und setzen diesen entsprechend um», sagte sie. Die unterirdische Zivilschutzanlage Hochfeld sei dem Migrationsdienst von der Stadt Bern zur Verfügung gestellt worden.

Fünf unterirdische Zivilschutzanlagen als Notunterkünfte

«Wir hoffen aber, dass wir das oberirdische Zentrum Enggistein in der Gemeinde Worb, das im Februar geschlossen wurde, in Kürze wieder in Betrieb nehmen können», sagte Rivas. «Auch wir sind froh, wenn Familien mit Kindern in einer oberirdischen Unterkunft leben können.»

Das Durchgangszentrum Enggistein war geschlossen worden, weil am Gebäude technische Mängel festgestellt worden waren. Der bernische Migrationsdienst führt insgesamt fünf unterirdische Zivilschutzanlagen als Notunterkünfte. Momentan sind darin rund 600 Asylsuchende untergebracht.

bs/sda

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