Tritt schwulenfeindlicher Reggae-Star in Bern auf?

Der als homophob bekannte Reggae-Sänger «Elephant Man» soll am 21. Mai in Bern auftreten. Obwohl die Veranstalter wegen Protesten mehrmals die Lokalität wechseln mussten, könnte das umstrittene Konzert stattfinden.

Elephant Man ist ein Reggae-Sänger aus Jamaika, der schwulenfeindliche Songs im Repertoire hat. Am 21. Mai soll er in Bern auftreten.

Elephant Man ist ein Reggae-Sänger aus Jamaika, der schwulenfeindliche Songs im Repertoire hat. Am 21. Mai soll er in Bern auftreten.

(Bild: Facebook)

Wie mehrere Schwulen-Organisationen und «20 Minuten» im Laufe der Woche bekannt machten, sollte am 21. Mai ein Konzert mit dem schwulenfeindlichen Reggae-Star Elephant Man im Konzertlokal «5ème Etage» in der Matte stattfinden. Ausgerechnet an jenem Ort, wo zuvor das «anderLand», ein schwulenfreundliches Lokal, eingemietet war, sollte also ein Sänger auftreten, der in einigen seiner Songs offen zu Gewalt gegen Schwule aufruft.

Als die Konzertanfrage ins Haus flatterte, habe man nicht geahnt, dass dabei homophobe Künstler auftreten sollen, sagt Ulrico Pfister, einer der Betreiber des 5ème Etage auf Anfrage von DerBund.ch/Newsnet. Sonst hätte man frühzeitig interveniert und die Buchung verworfen. Pfister wirkt erschöpft: «Das mediale Interesse ist mittlerweile so gross, dass es mich ermüdet. Wir werden in Zukunft die Veranstalter noch genauer beleuchten und in den Verträgen klar vermerken, dass solche Anlässe bei uns nicht erwünscht sind.»

«Gezwungen, Konzert abzusagen»

Mit der Absage des Konzerts im Lokal in der Matte gaben sich die Veranstalter aber nicht zufrieden. Mit dem «Panyard» an der Riedbachstrasse fanden sie einen neuen Veranstaltungsort. Paul Francis, der englischsprachige Besitzer des Lokals, erfuhr nur ein paar Minuten vor der Anfrage von DerBund.ch/Newsnet am Mittwoch, um was für einen Künstler es sich bei Elephant Man handelt.

Er sei aus allen Wolken gefallen. Auch bei ihm werde Elephant Man nicht auftreten, sagt Francis. Und: Er teile zwar die Meinung von Elephant Man nicht, doch er sei enttäuscht darüber, dass er von der Homosexuellen Arbeitsgruppe Bern (HAB) per Mail gezwungen worden sei, das Konzert abzusagen, um nicht an den Pranger gestellt zu werden. «Ich habe gedacht, dass ich im demokratischsten Land der Welt lebe.»

Die Veranstalter geben sich offenbar nicht geschlagen und scheinen einen neuen Ort für das Konzert gefunden zu haben. Auf Facebook verspricht ein Mitglied der Veranstalter, dass das Konzert stattfinden wird und ruft die Fans dazu auf, sich bei ihm telefonisch zu melden, um weitere Infos zum Anlass zu erhalten. Er verweist auf ein Lokal in der Länggasse.

Die HAB ist derweil weiterhin bestrebt, gegen das geplante Konzert anzukämpfen, wie es vonseiten der Organisation heisst. Elephant Man hat sich bis jetzt nicht zu den Geschehnissen geäussert. Er freut sich aber weiterhin auf den 21. Mai – wie ein Youtube-Video beweist.

DerBund.ch/Newsnet

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