Temperamentvolle Brückenbauerin

Sie war im Stadtrat nur selten am Rednerpult. Trotzdem ist sie aufgefallen – als positive Macherin im Hintergrund. Nun möchte Tania Espinoza (GFL) im Gemeinderat für eine gute Zusammenarbeit sorgen.

Für Tania Espinoza Haller (GFL) ist die Untertorbrücke ein Symbol für die Art, wie sie politisiert.

Für Tania Espinoza Haller (GFL) ist die Untertorbrücke ein Symbol für die Art, wie sie politisiert. Bild: Adrian Moser

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«Das Verbindende ist mir vertraut.» Dies ist ein zentraler Satz von Tania Espinoza Haller (GFL), die viel mehr als Brückenbauerin denn als Polemikerin politisiert. Ihre Leidenschaft, stets gemeinsam nach Lösungen zu suchen, stand auch am Anfang ihrer politischen Laufbahn. Diese begann im 2008, als Espinoza Haller der GFL beitrat. 2009 erfolgte der Einzug in den Stadtrat – «obwohl ich nicht damit gerechnet habe», sagt die temperamentvolle Frau, die sich selbst als «positive Macherin» bezeichnet. Ebenso wenig rechnete sie damit, dass sie bereits nach so kurzer Zeit Gemeinderatskandidatin wird.

«Ich muss nicht dauernd ans Mikrofon rennen»

Neben Alexander Tschäppät (SP), Franziska Teuscher (GB) und Ursula Wyss (SP) sticht Tania Espinoza Haller auf der RGM-Liste als politische Einsteigerin heraus. Dafür spricht auch ihr politischer Leistungsausweis im Stadtrat. «Sie ist nie heftig aufgefallen», bestätigen Stadtrats-Kollegen, die sie als «unfassbar» und «ruhig» beschreiben. Auch habe sich die 41-Jährige im Rat – ausser bei Bildungsthemen – wenig positioniert, heisst es weiter. «Zu wenig», findet der Berner SVP-Fraktionspräsident Roland Jakob.

Man könne nicht einschätzen, wie kompetent sie in Sachthemen sei. «Ich muss nicht dauernd ans Mikrofon rennen, um meine Meinung kundzutun», sagt Espinoza Haller dazu. Sie hat sich mehr über die Leistung und ihre fröhliche Art als über eine Flut von Vorstössen profiliert. So ist sie etwa seit zwei Jahren im Stadtratsbüro und momentan 2. Vizepräsidentin des Stadtrats und wird von den Befragten als «durchwegs positiv in der Zusammenarbeit» wahrgenommen.

Verantwortung übernehmen

Obwohl sie nicht immer die Lauteste ist, weiss sie genau, was sie als Gemeinderätin erreichen möchte: zum Beispiel genügend guten Wohnraum schaffen, sich für bessere Velowege und für eine florierende Wirtschaft einsetzen. Und nicht zu vergessen die Bildung, ihre Herzensangelegenheit. «Bildung ist eine der wichtigsten Investitionen in die Zukunft», sagt sie. Das weiss Espinoza Haller aus persönlicher Erfahrung: Nachdem sie 1981 als 10-Jährige mit ihren Eltern von Bolivien nach Bern geflüchtet war, spielte die Ausbildungszeit eine wichtige Rolle für ihre Integration – vom ersten Schultag ohne Deutschkenntnisse bis hin zur Aneignung schweizerischer Werte wie Fleiss, Perfektion und Pflichtbewusstsein.

Mit diesen Qualitätsmerkmalen sowie mit ihrer verbindenden Art zu politisieren möchte sie auch im Gemeinderat wirken. Gerade in der Exekutive müsse man einander entgegenkommen und andere Perspektiven einnehmen können, ist Espinoza Haller überzeugt. Dass sie diese Verantwortung wahrnehmen könnte, traut sie sich zu – ebenso wie die Fähigkeit zu führen. Als Lehrerin, Schulleiterin und Schulinspektorin verfüge sie über viel Führungserfahrung. Und als Berufsfrau, Mutter und Politikerin wisse sie genau, wie sie die Mehrfachbelastung bewältigen kann. Angesprochen auf ihre Wahlchancen, sagt sie: «Ich lasse es auf mich zukommen, ich habe nichts zu verlieren.» So ist sie auch im Wahlkampf weiterhin am Brückenbauen – und isst ab und an eine warme Suppe am SVP-Stand. (Der Bund)

Erstellt: 09.11.2012, 11:09 Uhr

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