«Tanz dich frei» verdrängt Trachtenfest

Die Bernische Trachtenvereinigung verzichtet wegen der dritten Auflage von «Tanz dich frei» auf einen Auftritt auf dem Bundesplatz am 25. Mai.

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Bernhard Ott@Ott_Bernhard

Eine Feier zum Jahr der Traditionen hätte es geben sollen. Mit Trachtengruppen, Volkstanz und ebensolcher Musik. Nun durchkreuzt am 25. Mai ein Anlass diese Pläne der Bernischen Trachtenvereinigung, den man schwerlich als Tradition ansehen kann, auch wenn er zum dritten Mal stattfindet. Dem Aufruf für die Tanzdemonstration «Tanz dich frei 3.0» haben sich bisher 9000 Personen auf Facebook angeschlossen. Weitere zwei bis dreitausend geben an, eine Teilnahme am Umzug mit den etwas anderen Tänzen in Betracht zu ziehen.

«Wollen nicht provozieren»

Das Volksfest der Trachtenvereinigung wäre dem Partyvolk im Weg gestanden. «Wir haben unseren Anlass aus Sicherheitsgründen auf unbestimmte Zeit verschoben», sagt Vreni Kämpfer, Obfrau der Vereinigung. Wenn zehn- bis zwanzigtausend junge Leute durch die Stadt ziehen, «wollen wir nicht provozieren und unsere Leute nicht gefährden», sagt Kämpfer. Der Vorstand der Trachtenvereinigung habe diesen Entscheid Anfang dieser Woche aus eigenem Antrieb gefällt. Die Stadt habe diesbezüglich keinen Druck ausgeübt. «Die Stadt bedauert unseren Verzicht», sagt Kämpfer.

Das Fest auf dem Bundesplatz hätte einen idealen Auftakt zum Tanzabend gebildet, der am selben Abend im Casino stattfinde. Zurzeit sei es offen, wann das Volkstanz-Fest auf dem Bundesplatz stattfinden könne. «Wir wären gerne am Tag der Tracht am 6. Juni aufgetreten», sagt Kämpfer. Wegen der Session im Bundeshaus seien Anlässe auf dem Bundesplatz an diesem Tag jedoch verboten.

Behörden ohne Ansprechpartner

Er habe Verständnis für den Verzicht der Trachtenvereinigung auf ihren Anlass, sagt Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP). Seitens der Stadt habe es keine Druckversuche auf die Organisatoren gegeben. Die beiden Anlässe hätten sich zeitlich kaum tangiert. Allerdings sei nicht ausgeschlossen, dass die Tanzdemo bereits am Nachmittag starte. «Wir wissen heute nicht, wann und wo sich die Tanzdemo-Teilnehmer besammeln und auf welcher Route sie durch die Stadt marschieren werden», sagt Nause. Trotz mehrfacher Kontaktversuche via E-Mail und Facebook mit diversen potenziellen Organisatoren gebe es für die Behörden bis anhin keinen Ansprechpartner, der die Verantwortung übernehme. Sowohl die Bar- und Club-Kommission Bern (Buck) als auch der Verein Pro Nachtleben oder die Reitschule hätten jegliche Verantwortung von sich gewiesen. «Aufgrund des Aufrufs müssen wir von einer klar links stehenden Urheberschaft ausgehen», sagt Nause.

«Verletzungsgefahr ist gross»

Als «echtes Problem» bezeichnet Nause die Grossbaustellen, die Ende Mai die Situation am Bollwerk und in der Marktgasse prägen. «Es ist der schlechteste aller Zeitpunkte für einen Umzug mit Tausenden von Teilnehmenden.» Das Bollwerk werde zur Hälfte eine Baustelle sein. Ein Teil der Schützenmatte diene als Abstellfläche für die Baustelleninstallation. Die Marktgasse sei zu diesem Zeitpunkt wegen der Sanierungsarbeiten total gesperrt. «Die Gefahr, dass Teilnehmende in Baugruben gedrängt werden, ist gross – und entsprechend auch die Verletzungsgefahr», sagt Nause.

Verbot ist «keine Option»

Die Zahl der Teilnehmenden am Umzug sei witterungsabhängig. «Ich gehe aber davon aus, dass Jugendliche aus dem ganzen Kanton in der Stadt Party machen möchten.» Ein Verbot der Veranstaltung sei aber keine Option. «In diesem Fall wäre mit grösseren Auseinandersetzungen zu rechnen», sagt Nause.

Die Schwierigkeit für die Behörden, mit den Organisatoren der Tanzdemo in Kontakt zu treten, dürfte auf den Streit um die Deutungshoheit der dritten Tanzdemo-Auflage zurückzuführen sein. Der Facebook-Aufruf stammt aus dem Umfeld der Reitschule, das gerne an den politischen Anstrich der ersten Tanzdemo im Jahr 2011 anknüpfen möchte, die allerdings nur einige Hundert Personen anzulocken vermochte. «Es werden immer noch genug Leute auf die Strasse gehen, um der Obrigkeit zu zeigen, dass sich nicht alle Menschen widerstandslos alles gefallen lassen», steht in einem Artikel im aktuellen «Megafon», der Zeitung aus der Reitschule. Thomas Berger vom Verein Pro Nachtleben wiederum hat die Versuche einer Verbindung von «sozialer Revolution» und Nachtleben als peinlich bezeichnet.

Der Bund

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