«Tanz dich frei»: Polizei zeigt 100 Randalierer an

Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP) ist mit dem Resultat der Ermittlungen weitgehend zufrieden.

Die Staatsanwaltschaft rechnet damit, dass die Polizei rund 100 Anzeigen weiterleiten wird.

Die Staatsanwaltschaft rechnet damit, dass die Polizei rund 100 Anzeigen weiterleiten wird. Bild: Adrian Moser (Archiv)

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Seit viereinhalb Monaten ist die Polizei daran, die Ereignisse am «Tanz dich frei»-Umzug vom 25. Mai in Bern aufzuarbeiten – nun zeichnet sich ab, mit welchem Resultat: Die Staatsanwaltschaft rechnet damit, dass die Polizei rund 100 Anzeigen weiterleiten wird, wie Staatsanwalt Markus Scholl auf Anfrage sagt. Noch liegen die Dossiers bei der Polizei. Deshalb kann Scholl nicht sagen, bei welchen der Anzeigen es um welche Delikte geht. Er geht aber davon aus, dass die meisten der Fälle mit einem Strafbefehl erledigt werden können. Das ist dann der Fall, wenn die Strafe nicht höher ist als sechs Monate Freiheitsstrafe. Zu einer Anklage kommt es nur dann, wenn die angedrohte Strafe höher ist – zum Beispiel, wenn jemandem schwere Sachbeschädigung vorgeworfen wird.

Die Polizei schweigt

Bei der Polizei hält man sich derweil bedeckt. Mediensprecherin Corinne Müller verweist auf den Stand vom 11. Juli. Damals hat die Polizei bekannt gegeben, dass bisher 81 Tatverdächtige hätten ermittelt werden können. «Seither sind noch einige hinzugekommen», sagt Müller. Wie viele genau, sagt sie nicht. «Wie viele Personen definitiv angezeigt werden, werden wir bekannt geben, wenn wir den Grossteil der Fälle an die Staatsanwaltschaft übergeben.» Das werde voraussichtlich in den nächsten Wochen geschehen.

Auch dazu, was den Verdächtigten vorgeworfen wird, ist nichts Neues zu erfahren. Im Juli hiess es in einer Mitteilung der Polizei: «Im Vordergrund der Untersuchung stehen die Straftatbestände Landfriedensbruch, Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte, Körperverletzung, Sachbeschädigung und Diebstahl.» Müller will auch nicht sagen, ob unter den Leuten, die angezeigt werden sollen, auch solche sind, denen vorgeworfen wird, den Anlass mitorganisiert zu haben.

10 Prozent dank Internet-Pranger

Nicht verändert hat sich die Zahl jener Verdächtigen, die die Polizei über die Öffentlichkeitsfahndung identifizieren konnte. Die Bilder von 49 mutmassliche Gewalttätern waren im Juni im Internet öffentlich zugänglich. 12 von ihnen konnte die Polizei nach Hinweisen aus der Bevölkerung identifizieren. Das heisst, dass rund jede zehnte Anzeige auf den Internet-Pranger zurückgeht. Corinne Müller äussert sich nicht dazu, ob die Polizei dies als Erfolg wertet. «Ziel der Öffentlichkeitsfahndung war es, möglichst viele Straftäter zu identifizieren», sagt sie. «Wir werten die Zahl der Identifizierten nicht.»

Nause: «Keine schlechte Ausbeute»

Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP) bezeichnet die Zahl von 100 Anzeigen als «keine schlechte Ausbeute». Der Gemeinderat geht von einem «harten Kern» von rund 70 Personen und rund 230 «gewaltbereiten Mitläufern» aus. Gemessen an diesen Zahlen werden nun rund ein Drittel der Randalierer zur Rechenschaft gezogen. Nause weist erneut darauf hin, dass die Situation für die Polizei «unheimlich schwierig» gewesen sei. Er lässt aber durchblicken, dass er sich durchaus die eine oder andere Anzeige mehr gewünscht hätte. Er sagt: «Wenn ein Drittel der Gewalttäter bestraft wird, kann wenigstens ein Teil der Gerechtigkeit wieder hergestellt werden.»

Zum Thema Öffentlichkeitsfahndung sagt er: «Jede Anzeige, die dank der Internetfahndung zustande kam, war den Aufwand wert.» Er erachte diese Methode nach wie vor als «legitimes und probates Mittel». (Der Bund)

Erstellt: 08.10.2013, 08:42 Uhr

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